Die Tavernen im Tiefen Thal – Zimmer frei!

Neben seinen großen Hits „Die Quacksalber von Quedlinburg“ und der Reihe „Einfach Clever“ hat Wolfgang Warsch noch weitere schöne Spiele geschaffen. Eines davon ist zweifellos „Die Tavernen im Tiefen Thal“. Mit der Erweiterung „Zimmer frei!“ werden jede Menge neue Module zur Verfügung gestellt, die das Spiel ein wenig verändern, neue Elemente hinzufügen und damit neue Strategien ermöglichen.

von KaiM

Schon im Grundspiel gibt es einiges zu entdecken. Es vereint Deckbuilding mit Würfelauswahl aus mehreren Auslagen im Wettstreit um die schönste Taverne des Dorfes. Man stellt Personal ein, lockt Gäste mit genügend Bier in die Wirtschaft und versucht vor allem auch einladend für Adlige zu sein, indem man seine Räumlichkeiten ausbaut. Dafür stehen initial 5 Module zur Verfügung, die man nach Belieben kombinieren kann, was auch ohne jegliche Erweiterung eine große Vielfalt bietet.

Das nette, nicht allzu komplizierte Prinzip funktioniert auch in geselliger Runde mit bis zu vier Spielern sehr gut und dauert ca. 90 Minuten, wobei die Packung der Meinung ist, dass man es auch in 60 Minuten schaffen müsste. Länger wird das Spiel durch die Erweiterung auch nicht. Kinder ab 12 Jahren sollten mühelos mitspielen können, wobei das Thema durchaus gewinnt, wenn man schon einmal eine Kneipe von innen gesehen hat. In dieser Erweiterung werden nun 4 weitere Module zur Verfügung gestellt, was die theoretisch verfügbaren Kombinationsmöglichkeiten fast ins Unendliche anwachsen lässt.



Das Material

In der Schachtel findet sich jede Menge Material. Das reicht von Holzwürfeln über die Karten für den Deckbau bis hin zu diversen Pappteilen. Die Gestaltung ist wie auch im Grundspiel sehr stimmungsvoll von Dennis Lohausen umgesetzt. Das Flair einer Kneipe in einem mittelalterlichen Dorf kommt super rüber und wirkt wie aus einem Guss.

Besonderes Lob und auch besondere Kritik verdient sich das vierte Modul. Hier puzzelt man beim Spielaufbau eine Schriftrolle aus je drei Aufträgen und Belohnungen zusammen. Die Plättchen sind doppelseitig, wodurch jede Menge Kombinationsmöglichkeiten für zusätzliche Abwechslung sorgen. Die Idee ist super und schön noch dazu. Wirklich schade, dass die Puzzleteile einfach nicht richtig ineinander passen wollen, selbst wenn man sich größte Mühe gibt.



Dieses Manko wirkt neben dem Hauptkritikpunkt allerdings eher wie eine Kleinigkeit. Denn so gut die Anleitung ansonsten auch geschrieben ist, schmälern die vielen Module den Spielspaß, wo es nicht unbedingt notwendig wäre, weil man hier kaum noch die Übersicht behalten kann. Natürlich ist es schön, wenn man sich aussuchen kann, was man in einem Spiel alles benutzen möchte, aber die ganzen Module können schon allein den Aufbau zur Qual werden lassen. Bei jedem Modul muss man sich sinngemäß mit folgenden Anweisungen herumschlagen. „Spielvorbereitung Modul C: Baut das Grundspiel wie gewohnt auf. Spielt ihr mit Modul C und D, führt erst die Vorbereitungen für Modul D durch. Spielt ihr mit Modul 3 aus dem Grundspiel, macht dies und das. Spielt ihr ohne Modul B, legt ein Plättchen an jene Stelle, es sei denn, ihr spielt auch ohne Modul A. Dann muss das Plättchen natürlich an eine andere Stelle angelegt werden. Dann gibt es noch eine Variante, wenn ihr mit Modul 4 aus dem Grundspiel spielt und überhaupt müsst ihr bei diesem Modul natürlich alle Karten entfernen, die mit nicht verwendeten Modulen zu tun haben.”

Als wäre das alles nicht schon kompliziert genug, verweist die Regel immer wieder auf die diversen Phasen einer Runde (A bis G). Da hilft es leider überhaupt nicht, wenn die Phasen in keiner Übersicht enthalten sind, sondern ausschließlich im Hauptteil der Regeln des Grundspiels behandelt werden. Dort gibt es zwar eine hilfreiche Zusammenfassung auf der Rückseite, der Rundenablauf ist dort aber leider aufgezeigt, ohne auf die Phasen zu referenzieren. Warum auch immer.

Das alles ist der Übersicht leider überhaupt nicht zuträglich und wird eigentlich nur noch schlimmer, wenn man sich den Wust an Material anschaut. Will man nicht total ratlos vor den ganzen Materialien stehen, muss man sich dringend eine Sortierhilfe schaffen. Alles Material eines Moduls, beschriftet und am Besten mit einer kleinen Inhaltsliste in einen Zipbeutel. Dann kann man sich beim nächsten Spiel einfach die Anleitungen schnappen und überlegen, welche Module man verwenden will. Ansonsten läuft man Gefahr, das Spiel wieder einzupacken, bevor man überhaupt gespielt hat.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ist das Spiel erstmal aufgebaut, dann haben alle eine wunderbare Taverne vor sich liegen. Man hört förmlich das typische Plätschern, wenn Bier in einen Humpen gegossen wird, und die Musik der Gaukler. Man will sofort loslegen und die ersten Gäste an den Tischen platzieren. Wäre der Start doch nur nicht so kompliziert.



Die neuen Module

Die neuen Spielinhalte sind durchaus reizvoll und von unterschiedlicher Komplexität.

Modul A bringt mit dem Weinkeller einen zusätzlichen Raum für die Taverne und den Quacksalber als „Angestellten”. Das Grundspiel wird nicht übermäßig beeinflusst und es werden lediglich ein paar interessante Optionen mehr geboten.

Ein dickeres Brett bohrt das Modul B, in dem man Adlige in den Gästezimmern einquartieren darf, um sich einen Bonus zu sichern, falls die richtigen Würfel zur Verfügung stehen. Hier gibt es schon wenig mehr zu entdecken, denn die Möglichkeiten der Gästezimmer sind vielseitig.

Modul C bringt Asymmetrie ins Spiel, denn jeder bekommt einen Wirt mit einer speziellen Fähigkeit. Diese Fähigkeiten haben es in sich, denn sie geben einen ordentlichen Schub, der sich am Ende deutlich auf die erzielten Punkte auswirkt.



Das letzte Modul bringt Aufträge ins Spiel. Hat man einen vorgegebenen Meilenstein erreicht, kann man sich einen einmaligen Bonus und zusätzliche Siegpunkte sichern. Dieses Modul gibt ein wenig Orientierungshilfe, wenn man sich nicht für eine Strategie entscheiden kann und bietet außerdem viel Abwechslung, da von 12 Aufträgen und Belohnungen in jeder Partie lediglich drei ins Spiel kommen.

Wie fühlt es sich an?

Es gibt jede Menge zu entdecken. Alle Module lassen sich nahezu nach Belieben kombinieren, und jedes Mal kann man ein klein wenig anders agieren. Gefühlt ist der Glücksfaktor in der letzten Runde immer noch sehr groß. Liegen die Karten gut, kann man oft viele, viele Karten auf den Tisch bringen und im letzten Zug ordentlich Punkte erzielen. Liegen sie schlecht, kann man nochmal einen der Joker einsetzen und hoffen, dass es dann besser wird. Häufig hilft das aber nur bedingt. Dieses Problem gab es jedoch schon früher und auch sonst macht die Erweiterung nichts radikal anders. Wer also das Grundspiel schon mochte, wird hier seinen Spaß haben und sein Geld gut investieren können. Über die Mühsal des Aufbaus und den Organisationszwang müssen an dieser Stelle nicht nochmal viele Worte verloren werden, dieser Punkt stört tatsächlich sehr deutlich. Ist die Hürde des Aufbaus jedoch überwunden, kann man sich auf einen schönen Spieleabend in Filmlänge einstellen.



Fazit: Mit Abstrichen bezüglich der Übersichtlichkeit eine gute Erweiterung, die Fans des Spiels jede Menge zu bieten hat. Hier wird ein guter Trunk serviert!

Die Tavernen im Tiefen Thal – Zimmer frei!
Brettspiel für 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahren
Wolfgang Warsch
Schmidt Spiele 2021
EAN: 4001504493912
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 22,49

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