Predator versus Spider-Man – Jagd auf die Spinne

Auf den ersten Blick erstaunt die Dichte an Cross-Over-Comics in letzter Zeit schon. Wolverine kämpft gegen einen Predator, dann liefert sich Black Panther ein Duell mit den galaktischen Jägern, nun Spider-Man. Außerdem ringen die Avengers mit einer Alien-Invasion. Schaut man hinter die Kulissen, fällt einem natürlich auf, dass sowohl die Marvel-Superhelden als auch die 20th-Century-Fox-Filmlizenzen mittlerweile Disney gehören. Da ist der Dienstweg zum Clash der Fanchises natürlich kurz. Aber passt auch immer alles zusammen, was zusammengeworfen wird?

von Kurt Wagner

Wir befinden uns in New York im Hochsommer. Die Sonne brennt, der Großstadtdschungel wabert vor Hitze. Während Menschen überall erschöpft in den Ecken sitzen und sich Luft zufächeln, gibt es eine Kreatur, die in so einem schwülen Klima besonders gern unterwegs ist. Für die Cops scheint es sich um einen geisteskranken Serienkiller zu handeln, der seine Opfer grausig zurichtet und zudem Trophäen zu sammeln scheint. Wir wissen natürlich Dank Titel und Cover, dass es sich um einen außerirdischen Predator handelt, wenngleich einen, der, so wird uns früh verraten, ohne jede Ehre ist und wahllos alle ermordet, die ihm vor die Klingen kommen. 

Das setzt eine ziemlich brutale Horror-Grundstimmung, die noch durch einen Ausfall des überlasteten Stromnetzes mitten in der Nacht verschlimmert wird. Manche Gräueltaten – Blut auf der Rutsche eines Kinderspielplatzes – werden nur angedeutet, andere – übelst zugerichtete Leichen, die von Decken hängen – sind dagegen so explizit, dass der Comic zu recht seine Leseempfehlung von 16 Jahren hat. Das ist keine spaßige Superhelden-Geschichte, obwohl Spider-Man auf dem Cover prangt.

Und genau an der Stelle hakt das Konzept von Autor Benjamin Percy – der zuvor schon Wolverine und Black Panther gegen Predatoren hat antreten lassen. Spider-Man ist in der Regel ein jugendfreier Marvel-Superheld: jung, sympathisch, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und gewiss kein grimmiger Killer. Hier kommt er einem unmenschlichen Massenmörder auf die Spur, mit dem er als Held gar nicht viel anfangen kann. Und so sehr das Cover es suggeriert: Weder jagt der Psycho-Predator Spidey, noch gibt es ein echtes Duell zwischen den beiden. Der Grund dafür scheint klar: Was sollte Spider-Man mit diesem Monster anstellen? Es töten? Dafür ist er nicht skrupellos genug. Aber einfach gefangennehmen lässt sich so ein Ungeheuer auch nicht. Und so braucht der Comic diverse weitere Figuren, die ich hier jetzt nicht spoilern werde, damit sowohl der Psycho-Predator einen würdigen Gegner erhält als auch Spider-Man ein bisschen Action bekommt.

Der Comic ist deswegen nicht schlecht! Es weht mehr als nur ein Hauch „Predator 2“ (1990 / Regie: Stephen Hopkins) durch die Seiten. New York als dampfender Großstadtdschungel funktioniert immer – aufgrund seiner Vertikalität sogar eigentlich noch besser als das Los Angeles des Films von 1990 – und die Gefahr durch den Psycho-Predator ist auch hoch genug, um für echten Nervenkitzel zu sorgen. Nun ja, halben Nervenkitzel; wir sind uns ja doch ziemlich sicher, dass gewisse Figuren eher nicht sterben werden. Das Ende ist ebenfalls angenehm rund. Insofern liegt ein sehr solides, unterhaltsames Action-Abenteuer vor. Leben können muss man allerdings mit etlichen Zufällen, die dafür sorgen, dass die nötigen Figuren in dem riesigen Schmelztiegel New York auch aufeinandertreffen. Aber das ist irgendwie Horror-Genre-typisch, insofern kann ich zumindest damit leben.

Und zu viel erwarten darf man von der Story auch nicht. Obwohl der Sammelband vier Comic-Hefte umfasst, hat die Handlung gefühlt eher die Länge einer TV-Episode als die eines Spielfilms. Es passieren ein paar Morde, Peter Parker recherchiert kurz, dann wird allen Figuren der Endkampf aufgezwungen. Das ist inhaltlich jetzt nicht rasend viel und spielt auch alles binnen eines Tages. Große Wendungen darf man da nicht erwarten. Tiefere Einblicke in die Psyche der Figuren auch nicht. Der Predator ist ein fieser Killer, genau wie in den Filmen – Punkt. Und Spidey ist Spidey, wie wir ihn kennen und mögen. Da reißt Autor Percy nun narrativ keine Bäume aus.

Visuell toben sich Marcelo Ferreira und Jay Leisten dagegen ordentlich aus. Ich bin jetzt kein Fan ihres Charakterdesigns, das wirkt doch stellenweise etwas schlampig, aber in Sachen Action und expliziter Gewalt legen sie ordentlich was hin. Das mag manchem empfindsamen Gemüt schon zu eklig sein. Daher auch meine dringende Warnung an Neugierige: Geht nicht von einem „Spider-Man“-Comic aus, obwohl Spider-Man auf dem Cover steht. Der Gewaltgrad orientiert sich eindeutig am „Predator“-Franchise. Auch als Film hätte das gute Stück definitiv eine FSK-16-Einstufung, vielleicht sogar FSK 18.

Fazit: „Predator versus Spider-Man“ verlegt die Großstadtdschungel-Handlung des Films „Predator 2“ von Los Angeles nach New York und zieht dabei die Daumenschrauben noch etwas an. Das Ganze ist ziemlich brutal und actionreich, aber von der Handlung her recht gradlinig. Ein B-Movie in Heftform. Ein wenig Mogelpackung muss man dem Comic jedoch vorwerfen. Der titelgebende Predator macht mitnichten „Jagd auf die Spinne“. Er nimmt sie vielmehr gar nicht wahr. Und auch Spider-Mans „Kampf“ gegen besagten Predator ist doch sehr indirekter Natur. Den Großteil der Arbeit muss ein anderer Marvel-Held stemmen, der aber vermutlich nicht populär genug war, um das Konzept zu tragen und daher nur als Überraschungsgast mitspielen darf. Eher für „Predator“-Fans als Spidey-Freunde geeignet – und gewiss nicht für Kinder!

Predator versus Spider-Man – Jagd auf die Spinne
Comic
Benjamin Percy, Marcelo Ferreira, Jay Leisten
Panini Comics 2026
ISBN: 978-3-7416-4840-3
112 S., Softcover, deutsch
Preis: 15,00 EUR

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