AVA – Aliens vs. Avengers – Der finale Kampf

Allein des Logos wegen – AVA im Weyland-Yutani-Look– musste es den Cross-Over-Band „Aliens vs. Avengers“ eigentlich geben. Und natürlich, weil im Laufe der Jahre einfach alle großen Popkultur-Franchises im Comic zusammenstoßen. Die Crew der Enterprise hat sich schon auf dem Planet der Affen durchgeschlagen, die Justice League mit Godzilla und Kong angelegt und die Masters of the Universe sind auf die Thundercats gestoßen. Erst jüngst hatten Wolverine und Black Panther Ärger mit Predators. Jetzt also stehen Iron Man, Captain America, Hulk und Co den Xenomorphen gegenüber. Kann das für die Menschheit gut ausgehen?

von Kurt Wagner

Ich gestehe es ganz offen: Ich hatte eine gewisse Erwartungshaltung, als ich den Comic in die Hand nahm. Aliens geraten irgendwie auf die Erde, möglicherweise an einem halbwegs isolierten Ort, und es kann nur einen geben, der sie aufhält, nämlich die Avengers. Dann hätte es eine Reihe cooler Clashs gegeben und am Schluss einen Zaubertrick aus dem Hut, um der außerirdischen Gefahr wieder Herr zu werden. Leute wie Doctor Strange oder die Scarlet Witch hätten da sicher die ein oder andere Idee zu gehabt. Doch es kommt völlig anders!

Wir befinden uns in einem parallelen Universum, irgendwann in einer fernen Zukunft. Die Wakandaner haben ein galaktisches Sternenreich errichtet. Dabei stoßen sie auf ein paar größenwahnsinnige Synthetische – David-Modelle, bekannt aus den Filmen „Prometheus“ und „Alien: Covenant“ –, die alles Leben im Universum auslöschen wollen, weil sie es für unwürdig halten. Dazu bedienen sie sich der Xenomorphen-Plage, die sie mittels Brutkapseln auf alle Planeten großer Zivilisationen schicken, darunter auch die Erde. Dort kommt die Menschheit binnen weniger Panels unter die Räder.

Und dann befinden wir uns in der Hauptstory. Kaum mehr als ein paar Tausend Menschen, beschützt durch eine Truppe greiser, vom Leben gezeichneter Superhelden, sind noch am Leben. Doch auch die Restmenschheit befindet sich in einem verzweifelten Rückzugskampf. Dagegen sind auch Iron Man, Captain Marvel, Hulk, Spider-Man und Co machtlos. Schließlich entscheidet man sich schweren Herzens zu einer Evakuierung – doch die Reise in eine neue Zukunft müssen unsere Helden teuer bezahlen.

„Der finale Kampf“ – dieser Titel trifft es schon. Fatalismus, Endgültigkeit und Hoffnungslosigkeit prägen die Seiten dieses Comics. Da hat Autor Jonathan Hickman schon ein schweres Kaliber aufgelegt. Hier werden keine Gefangenen gemacht. Die Guten sterben in diesem Abnutzungskampf nacheinander immer mehr weg, das Böse scheint unüberwindbar zu sein. Allein durch seine schiere Masse. Diese Art pessimistischer Kost muss man mögen.

Ich hätte das alles trotzdem wohl noch ganz gut verdauen können – immerhin bietet der Comic gute Action, dramatische Entscheidungen und tragische Opfer (Stichwort: Hulk, episch) –, aber Hickman verkompliziert seine Handlung völlig unnötig. Beispielsweise führt er weitere Universen ein sowie Handlungen, die zum Teil tausend Jahre zurückliegen sollen. Die Synthetischen kommen aus solch einem Universum. Außerdem fliegen die Ingenieure (eine uralte Schöpferrasse, auch aus „Prometheus“ entliehen), ebenfalls aus einem Paralleluniversum, ein paar Mal etwas sinnfrei durchs Bild. Zumindest diese hätte es nicht gebraucht. Sie tragen zur Handlung praktisch nichts bei.

Zum Zweiten will Hickman in der zweiten Hälfte des hier versammelten Comic-Vierteilers unbedingt noch einen Marvel-Bösewicht einbauen. Der allerdings bringt einen theatralischen Zug in die Handlung, ganz zu schweigen von einer guten Prise Camp, was beides in die falsche Richtung führt. „Aliens vs. Avengers“ – diese Prämisse hätte vollkommen für einen spannenden Comic genügt. Wozu braucht es noch einen Operettenschurken? Nur um zu zeigen, dass sich der Mensch – oder hier: ignorante Superschurken – selbst der größte Feind ist?

Am Ende schließlich bleibt die Handlung so düster wie offen. Es wirkt ein wenig, als gehöre hierzu ein zweiter Band, der dann die Wende bringt. Es gibt allerdings bei Marvel bis zum jetzigen Zeitpunkt keinen Hinweis darauf, dass eine Fortsetzung in Planung wäre. Und die letzte Ausgabe der vier Comic-Hefte ist bereits im Juni 2025 erschienen (wobei tatsächlich zwischen den vier Ausgaben jeweils fast ein halbes Jahr lag; ziemlich ungewöhnlich für die Produktionsmaschine Marvel). So jedenfalls bleiben die Schicksale der Überlebenden ungewiss und die Zukunftsaussichten so schwarz wie das Weltall, aus dem die Xenomorphen kamen.

Die Optik von Esad Ribic und Ive Svorcina ist durchaus sehenswert, wenngleich ebenso wie die Handlung etwas anstrengend zu konsumieren. Ribic zeichnet mit feinem Strich, der perfekt das Wechselbad der Gefühle einfängt, durch das unsere Helden gehen. Svorcina koloriert das Ganze allerdings mit einer extrem dunklen, blassen Farbpalette. Das passt zweifelsohne zur Tristesse des Gezeigten und erzeugt eine düstere, trostlose Stimmung, macht es aber manchmal schwierig, Einzelheiten auf den Panels zu erkennen. „Angemessen“ möchte ich den Stil nennen, aber ein optischer Leckerbissen ist er in meinen Augen nicht.

Fazit: Ich bin, was den Comic angeht, ganz ehrlich zwiegespalten. Auf der einen Seite ist die Konsequenz, mit der Hickman den „finalen Kampf“ inszeniert, schon intensiv. Der Rückzugskampf der Avengers wirkt tragisch und beinahe aussichtslos. Dazu passt die triste Optik. Allerdings hätte ich auf den Operettenschurken in der zweiten Comic-Hälfte lieber verzichtet. Auch die etwas verschwurbelten Zeit-und-Dimensions-Exkurse hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht. Da steckt zu viel „Prometheus“ und zu wenig „Alien“ im Comic. Ganz abgesehen davon, dass ich mir sowieso eine völlig andere Begegnung der Avengers mit den Aliens gewünscht hätte – siehe Anfang. „Aliens vs. Avengers“ ist jedenfalls ein Comic, der in seinem Ansatz so eigen ist, dass ich allen Interessierten nur empfehlen kann, erst einmal eine Leseprobe anzuschauen, bevor man sich zum Kauf entscheidet. 

AVA – Aliens vs. Avengers – Der finale Kampf
Comic
Jonathan Hickman, Esad Ribic, Ive Svorcina
Panini Comics 2025
ISBN: 978-3-7416-4225-8
152 S., Softcover, deutsch
Preis: 20,00 EUR

bei amazon.de bestellen (Partnerlink)