von LarsB und KaiM
Auf der „Berlin Brettspiel Con“ wird übrigens nicht nur gespielt, sondern auch prämiert. Seit letztem Jahr wird der Jury-Preis „Goldene Tatze“ verliehen. 2025 hatte „Compile“ von Pegasus gewonnen. Der diesjährige Sieger „Yubibo“ (Edition Spielwiese) zeigt, dass Gemeinschaftsspiele auch ganz anders aussehen können. Kooperative Handakrobatik und dynamische Absprachen verlangen den Spielern Vieles ab. „Yubibo“ wird nicht ein Spiel für Jeden sein. Doch im passenden Setting vermag es Gefühle wachzurufen und Gruppen zusammenzuschweißen. Und es zeigt, dass die „Goldene Tatze“ innovative Spielkonzepte anerkennt. Bleibt abzuwarten, wie sehr das Spielkonzept von „Yubibo“ tatsächlich dauerhaft trägt …
Den „Berlin Brettspiel Con“-Interessierten und den rund 17.000 Besuchern 2026 sei das Datum für die Convention im nächsten Jahr schon verraten: 09.07. bis 11.07.27. Wieder wird sie im Estrel Convention Center beheimatet sein. Und das erscheint mir sehr gut so. Wer nicht so lange warten will, kann sich auf die „Bodensee Brettspiel Con“ im November freuen.
Wir kamen, sahen und spielten
Natürlich möchten wir unsere brettspielerischen Erfahrungen auf der „Berlin Con“ 2026 in gebotener Länge mit euch teilen. Um es verdaubarer zu machen, teilen wir den Spielereigen in zwei Teile.
Teil 2
Play (Kosmos)
„Play“ ist „Hitster“ Next Generation. Ich habe Zugriff auf einen Haufen an Bibliotheken und Plattformen (u.a. auch Amazon Unlimited, Youtube Music), Damit bin ich flexibel. Ich kann vorgefertigte Archive wählen, soll aber auch Listen selbst zusammenstellen können. Verschiedene Spielmodi sorgen für mehr Abwechslung.
Lars: Ich hoffe, dass es halten kann, was es verspricht. Dann bräche für „Hitster“ eine harte Zeit an.
Dito! (Game Factory)
Frisch gekürt zum Spiel des Jahres 2026 konnte das 3-bis-7-Spieler-Spiel „Dito!“ auch in einer Runde zu acht zeigen, dass es funktioniert. Dafür braucht man allerdings Material aus zwei Spieleschachteln oder einfach einen Zettel und einen weiteren Stift. Zu drei Begriffen schreiben wir jeweils drei Assoziationen in ein 3x3-Raster. Das Spiel belohnt gleiche Assoziationen mit Punkten – am besten in vollständigen Zeilen und Spalten. Auch Assoziationen, die in der Runde nur von einem einzigen Mitspieler genannt worden sind, bringen viele Bonus-Punkte. Hatte kein weiterer Spieler meine Assoziation, gehe ich leer aus – und kann die Bonuspunkte für die entsprechende Zeile oder Spalte auch knicken. Lars: Das Spiel funktioniert einfach und stellt eine interessante Alternative in der Kategorie Wortratespiele dar.
Kai: Funktioniert prima mit vielen Personen. In einer Runde zu dritt würde ich es wahrscheinlich eher weniger auf den Tisch bringen.
Nachts im Zoo (Albi)
Thomas Holek ist mittlerweile ein Autorename mit erheblicher Zugkraft. Natürlich mussten wir ein neues Werk begutachten. Thematisch müssen wir Tieren nachts in unserem Zoo zum Ausbruch verhelfen. Reihum wählen wir dafür Plättchen aus einer Auslage, die unseren Tieren entweder den Weg bereiten oder die Tierbewegungen auslösen. Die richtige Verwendung der ausliegenden Symbole auf den Plättchen, der zu überdeckenden Symbole auf dem Spielplan und dem richtigen Bewegungstiming in der Rundenende-Phase sind der Schlüssel zum Erfolg.
Lars: Ein durchaus solides Spiel ohne das große Hitpotenzial.
Morty Sorty Magic Shop (Schmidt Spiele)
Nominiert zum Spiel des Jahres sortieren wir farbige Zauberflaschen in drei unterschiedliche Regale. Dabei spielen Deckelfarben, Farbkombinationen und Zahlenwerte auf den Flaschen eine entscheidende Rolle. Alles mechanisch solide Kost, ansprechend gestaltet und schnell gespielt, mit der Möglichkeit auf ein paar Kombo-Züge. Nur bei den Deckelfarben sind wir durcheinandergekommen und mussten das Spiel abbrechen.
Lars: Wahrscheinlich war es schon zu spät für einen solchen Kracher.
Kai: Wirklich schnell erklärt und gespielt, kaum Wartezeiten und selten ist ein Zug komplett trivial. Nach dem Ersteindruck ein solides Familienspiel.
Excalibur (Roxley / B-Rex)
Metallene Schwerter teilen den Tisch in drei Regionen. Erhabene Chips verbergen dort Charaktere und Schwerter, die wir im Laufe des Spiels in unseren persönlichen Vorrat überführen. Jede Runde spielen wir einen Chip gleichzeitig und verdeckt aus. Reihum werden nun die Charakterfähigkeiten ausgelöst. Mit jedem ausgespielten Chip manipuliert man den Besitz der Chips. Am Ende des Spiels will man den Excalibur-Chip für den Sieg bei sich liegen haben. Das verfluchte Schwert am Spielende besiegelt hingegen die Niederlage. Doch das dritte Schwert bringt vielleicht alles durcheinander.
Lars: Anfangs zäh, haben wir uns immer besser eingegroovt. Mal hat man den Überblick und dann verliert sich die Spur von Excalibur wieder. Hat mit rund sechs Spielern wahrscheinlich seinen Sweetspot. Die Deluxe-Edition macht mich an.
Kai: Die ganzen Effekte können verwirrend sein und es hilft auf jeden Fall, sie zu kennen. Unbedingt sollte man dem Spiel eine zweite Chance geben, wenn es nicht sofort zündet.
Yubibo (Edition Spielwiese)
Beim Geschicklichkeits- und Koordinationsspiel „Yubibo“ zieht jeder reihum ein mikadoartiges Stäbchen und eine Karte. Auf dieser wird beschrieben, zwischen welchen Spielpartnern das Stäbchen fixiert werden und welcher Finger dabei beteiligt sein muss. Was anfangs noch kein Problem darstellt, wird mit zunehmender Zahl an Stäbchen immer kniffeliger und puzzleiger. Auch die Gruppe wird immer aufgeregter, weil hier oder auch da mal dringend mehr Druck auf das Stäbchen gegeben werden müsste, damit es nicht fällt. Werden nun noch genug Flauschbälle in das Stäbchengeflecht platziert, hat die Gruppe gewonnen. Gewinner der „Goldenen Tatze“!
Lars: Nette Idee, die mich aber nicht begeistert hat. Aus meiner Sicht wird das Spiel schnell uninteressant.
Kai: Geschicklichkeitsspiele gibt es in jedem Jahrgang einige wenige und auch kooperativ sind sie gern mal. Hier wurde eine Abwandlung raumfüllender Partyspiele von Kindergeburtstagen so auf den Tisch gebracht, dass auch Erwachsene ihren Spaß daran haben können.
Leaf it (Edition Spielwiese)
Erst legen die Spieler reihum ganz viele Blätterkarten auf eine baustammartige Kartenkonstruktion, dann räumen sie sie wieder ab. Welche Karte bringt wie viele Punkte? Das merkt man sich besser beim Aufbau. Doch vielleicht hat man Glück und sieht auf der Blätterkarte das Tierchen, was einem die Wertigkeit verrät. Es gilt „berührt, geführt“. Memory, Risikoabwägung und Geschicklichkeit sind die Zutaten zum Spielsieg dieses sehr flott gespielten Spiels.
Lars: Ich sage das selten: Ich bin so weit weg von der Zielgruppe dieses Spiels, dass ich kein Gefühl dafür habe, wem das Spiel Freude bereiten könnte. Die größte Stärke des Spiels liegt in seiner Kürze.
Die letzten Droiden (Strohmann)
Jede Runde werden Karten gezogen, verteilt und wieder ausgespielt. Die Droiden, die man dort bekommt, hatten mal unterschiedlichste Aufgaben, sind jetzt aber kaputt. Da hilft nur, sie zu reparieren und ihre Fähigkeiten zu nutzen oder sie ganz zu zerlegen und wertvolle Ressourcen zu bekommen. Dabei hilft jeder Droide auf seine eigene Art, damit man am Ende die meisten Siegpunkte hat. Im Spiel zu viert wird daraus ein Teamspiel, bei dem die Mannschaft gewinnt, deren Partner mit den wenigsten Siegpunkten mehr hat als der entsprechende Gegner.
Lars: Dieses Spiel hat mich überrascht. Der Teammodus mit vier Spielern hat mich überzeugt. Zugänglich und herzlich gestaltet und trotzdem nicht trivial.
Kai: Auf den ersten Blick scheint dieses Spiel nicht viel Neues zu bieten, vieles davon hat man schon gesehen. Aber was es macht, macht es hervorragend und das Spiel im Team und der Kartenauswahlmechnismus holen alles, und noch mehr, aus dem kleinen Enginebuilder heraus. Spannend und interaktiv.
Discordia (Iron Games)
Im Setting des alten Rom bauen wir über vier Jahre eine Stadt auf und haben eigentlich nur ein Ziel: Unsere Bevölkerung will beschäftigt werden. Also bauen wir Häfen, Kasernen, Märkte und Farmen, erschließen Land und stellen unsere Arbeiter ein. Alles ganz einfach über Dice-Drafting und einen anschließenden Aktionsauswahlmechanismus. Zusätzlich müssen wir uns noch gegen Feinde verteidigen und können Boni erforschen.
Lars: Keine Ressourcen und keine Siegpunkte. Wie erfrischend! Guter Entscheidungsraum, der das Spiel zugleich interessant und flott hält.
Kai: Schnelle, taktische Aktionen, mit denen man alle seine Arbeiter in Lohn und Brot bringen möchte. Ein wenig schade an dem Spiel ist ausschließlich, dass ich es erst jetzt für mich entdecke.
Believe in me! (please) (Wyrmgold)
Unglaublich, was dieses Spiel sich traut. Wir starten alle als Möchtegerngötter, müssen im Laufe des Spiels Gestalt annehmen und am Ende während der Götterdämmerung die meisten Gläubigen um uns versammeln. Dabei wird geklaut, geopfert und geboten. Außerdem werden Relikte erschaffen und Monumente gebaut. Man schickt Missionare los, eignet sich Prophezeiungen an und erlässt Gebote. Na klar macht man das, denn es steht geschrieben: „DU SOLLST BEIM RÜCKWÄRTSGEHEN PIEPEN.“ Also piept man halt. Hier gibt es keine Karte oder Ecke oder auch nur einen Quadratzentimeter, wo man nicht etwas entdecken kann.
Lars: Zotiger Humor, der meinen Geschmack trifft, und hervorragend illustriert. Auf den ersten Blick hier und da etwas kleinteilig. Aber das Spiel nimmt die Spieler gut an die Hand. Hab Bock auf eine erneute Manifestation als Gott. Das Taufbecken ist aufgestellt, gefüllt und Volkers Vorhaut liegt als Relikt auch schon parat.
Kai: Extrem interaktiv und mit viel Stoff für Schadenfreude spielt man sich durch mehrere Runden. Wir konnten keine ganze Partie spielen, aber das muss dringend noch passieren. Nichts für Menschen, die mit derbem Humor nichts anfangen können.
Amarok (Huch!)
In diesem schnellen Kartenspiel versucht man insgesamt drei Runden zu gewinnen und jede Runde spielt man (im Normalfall) nur zwei Karten aus. Dafür spielt man von der eigenen Hand, zieht von einer fremden Hand oder nimmt Karten aus der Auslage. Das ganze Deck besteht nur aus wenigen Karten, weshalb man aus den verfügbaren Informationen abzuleiten versucht, welche Karte man nehmen sollte. Die wenigen Zusatzeffekte der Karten bringen Würze ins Spiel ohne es zu verkomplizieren.
Lars: Einfach erklärt und schnell gespielt. Alles ist möglich bis zur letzten Karte. Das macht es spannend. Ist einen genaueren Blick wert.
Kai: Mal wieder ein Spiel mit Team-Modus, wenn man zu zweit, viert oder sechst spielt. Die kurze Spieldauer scheint es ideal als Absacker oder zur Eröffnung machen. Es werden weitere Partien folgen.
Eter (Smart Flamingo)
Kann man aus „Tic Tac Toe“ ohne viel Aufwand ein Spiel machen, dass auch Brettspieler hinter dem Ofen hervorlockt? Jedenfalls wurde das versucht. Lustige Illustrationen von Dämonen und Magiern sollen anlocken und schließlich findet man Vier-(in der Basisvariante Drei-)Gewinnt mit allerlei Variationen und einem entscheidenden Kniff: Die Karten, mit denen man eine Reihe bilden will, dürfen überdeckt werden, wenn sie eine größere Stärke aufweisen. Außerdem gibt es noch diverse Extra-Karten und Modi, um das Spiel langfristig interessant zu halten.
Kai: Bei uns hat es gezündet. Meine sehr große Skepsis hat sich schnell in Luft aufgelöst.
The Crew – Jagd um die Welt (Kosmos)
Im dritten Teil der Crew hat sich der Autor einiges einfallen lassen. Bewährtes bleibt erhalten, aber durch die Reise um die Welt kommt frischer Wind ins Spielprinzip. Es gibt nun keine Einzelmissionen, sondern eher Rundenziele, die über mehrere Partien erreicht werden müssen. Dabei kann man wählen, ob eine Runde eher schwierig oder einfach sein soll, und je mehr man sich zutraut, desto mehr schneller kommt voran (wenn man gewinnt). Viele kleine Extraregeln scheinen es interessant zu machen, ohne unübersichtlich zu werden.
Lars: Es freut mich, dass „Die Crew“ einen weiteren Teil mit einigen frischen Ideen bekommt. Wir laufen warm und werden das auf jeden Fall durchsuchten.
Kai: Hier wurde deutlich mehr gemacht, als nur eine alte Suppe aufzukochen. Das Expeditionsfieber hat uns gepackt.












