von Frank Stein
Die Serie „The Acolyte“ lief zwischen Anfang Juni und Mitte Juli 2024 bei Disney+ in einer Staffel mit 8 Episoden. Der vorliegende Tie-In-Roman erschien im Mai 2025 auf Englisch und Ende Januar 2026 auf Deutsch. Zur zeitlichen Einordnung ist vielleicht noch interessant zu wissen, dass die Handlung etwa 30 Jahre vor „The Acolyte“ spielt und etwa 70 Jahre nach dem Finale des literarischen Großprojekts „Die Hohe Republik“. Verweise gibt es in beide Richtungen – sowohl personeller als auch inhaltlicher Natur –, grundsätzlich steht der Roman jedoch sehr für sich selbst. Definitiv kann er ohne Kenntnisse der Serie „The Acolyte“ gelesen werden, was etwas eigenartig anmutet angesichts des Umstandes, dass das Buch als Begleitwerk zu „The Acolyte“ gehandelt wird.
Verbindendes Glied des Ganzes ist die auch auf dem Cover abgebildete mirialanische Jedi-Meisterin Vernestra Rwoh. Zum Zeitpunkt der Geschichte ist die unangepasste etwa 90-Jährige schon seit zehn Jahren eine sogenannte Wegsuchende, also eine Jedi, die weit draußen in der Galaxis unterwegs ist und überall da hilft, wo Not am Mann ist, während sie gleichzeitig maximalen Abstand zum Orden, seinen Regeln und seiner Politik hält. Um Vernestra an ihre Pflicht dem Orden gegenüber zu erinnern und nach Coruscant heimzuholen, schickt der Jedi-Rat, im Wesentlichen vertreten durch Meisterin Yaddle, die unerfahrene Archivarin Indara aus. Zur Einordnung: Yaddle ist der weibliche Yoda aus der Prequel-Trilogie; Indara die Jedi-Meisterin, die gleich zu Beginn von „The Acolyte“ ermordet wird; sie ist auch auf dem Cover im Hintergrund zu sehen, wenngleich in meinen Augen deutlich zu alt für eine 26-Jährige dargestellt.
Vernestra hingegen nimmt die verdatterte Botin erst einmal auf Piratenjagd mit. Dort stolpern die beiden Frauen ungewollt über eine gefährliche neue Waffe, einen Neutralisator, der Lichtschwerter auf Entfernung „abschalten“ kann. Tatsächlich wurde ein Prototyp bereits auf der Republik-Schau auf Valo vor 70 Jahren angeboten, damals weigerte sich die Republik aber, die Erfindung zu kaufen, und nach dem Angriff der Nihil verlor sich die Spur des Geräts. Nun scheint es in die Hände skrupelloser Waffenhändler gefallen zu sein, die den Neutralisator in Serie anfertigen lassen wollen, um damit gutes Geld auf dem Schwarzmarkt zu verdienen. Das darf Vernestra nicht zulassen und so macht sie sich mit Indara gemeinsam auf die Suche nach den Drahtziehern.
Der Roman zerfällt für mich in drei Teile. Am Anfang kommt man etwas schwer rein. Das liegt zum einen an dem seltsamen Perspektivwechsel, den sich Autorin Justina Ireland leistet. Sie schildert die Handlung aus zwei Blickwinkeln, nämlich Vernestras und Indaras – mit kurzen Abstechern zu den Bösen –, wobei Vernestra als Ich-Erzählerin auftritt, Indaras Szenen hingegen einen personalen Erzähler haben. Zum zweiten ist just Vernestra offensichtlich die zentrale Protagonistin der Geschichte, der Wesley Crusher des „Star Wars“-Universums. Schon als selbstbewusstes Wunderkind zu Zeiten der Hohen Republik war sie ganz sicher nicht jedermanns Lieblingsfigur, und auch hier muss man sich an die im fortgeschrittenen Alter und mit jahrzehntelanger Erfahrung nur noch herablassender gewordene Vernestra gewöhnen. Sie ist keine sympathische Type, was sich auch im Laufe des Romans zeigt. Die Jedi-Meisterin hat zwar viele Kontakte überall in der Galaxis – so treten beispielsweise Ty Yorrick und Deva Lompop auf –, aber an echten Freunden mangelt es.
Hat man diese ersten zwei Hürden indes erst einmal genommen, folgt eine erfreulich kurzweilige Abenteuergeschichte. Natürlich ist die Jagd nach dem Vier-Sieben-Neutralisator im Wesentlichen eine gradlinige Aneinanderreihung von kleinen Herausforderungen auf einem Planet nach dem anderen, also rein erzählerisch kein ganz großer Wurf. Doch die Handlung ist spannend genug, um eine bei Laune zu halten. Den meisten Genuss ziehen sicher Kenner der Zeit der Hohen Republik aus dem Lesestoff, denn wie schon angedeutet, spickt Justina Ireland die Seiten mit Cameos von früher. Selbst Tote haben kurze, indirekte Auftritte. So treffen Vernestra und Indara auf den Sohn von Avon Starros, fliegen mit dem Raumschiff Cantaros – benannt nach Vernestras Freund und Padawan Imri Cantaros – und zudem hat Vernestra mehrfach Hyperraumvisionen ihres alten Meisters Stellan Gios. Das macht alles durchaus Spaß.
Im Finale fällt der Roman dann wieder ab, denn das Ende kommt zu schnell und wirkt irgendwie etwas unspektakulär. Als kleines Nicken in Richtung „The Acolyte“ nehmen Vernestra und Indara schließlich ihre Rollen ein, die sie in der Serie haben.
Fazit: Das Buch trägt groß das Logo von „The Acolyte“ auf dem Cover, doch abgesehen davon, dass es sich grundsätzlich um eine Prequel-Geschichte handelt, hat es mit der Serie nichts zu tun. Viel stärker wirken die Einflüsse des Projekt „Die Hohe Republik“ nach, sowohl was das Personal als auch den Konflikt angeht. Die Geschichte ist rund und auch wirklich unterhaltsam erzählt. Den ständigen Wechsel von der Ich-Perspektive zur personalen empfand ich allerdings als holprig. Außerdem sollte man natürlich Vernestra Rwoh mögen, denn sie ist das strahlende und durchaus selbstverliebte Zentrum der Handlung. Lustig dabei: Mit Indara hat die Autorin eine Figur hinzugenommen, die mehr als nur ein paar Vorbehalte der Fans gegenüber Vernestra teilt. Vermisst habe ich Kelnacca. Der langlebige Wookiee, der wie Vernestra sowohl in den späten Büchern der „Hohen Republik“ als auch der Serie „The Acolyte“ auftritt, hätte als weiteres Bindeglied gut in die Handlung gepasst. Aber vielleicht hatte Ireland die Sorge, dass er ein zu starker Partner für Vernestra gewesen wäre – immerhin war er schon ein Meister als diese noch ihren Padawan-Zopf trug. Fazit im Fazit: Ein unterhaltsames Sequel für Fans von „Die Hohe Republik“; der Schriftzug „The Acolyte“ ist eher Mogelpackung.
Star Wars – The Acolyte – Die Suchende
Film/Serien-Roman
Justina Ireland
blanvalet 2026
ISBN: 978-3-7341-6432-3
381 S., Paperback, deutsch
Preis: 16,00 EUR
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