Star Wars – Die Hohe Republik: In das Licht

Noch immer brennt die Galaxis an allen Ecken und Enden. Während die räuberischen Nihil in dem durch den Sturmwall abgetrennten Teil der Republik hemmungslos hausen, verfolgt ihr Anführer Marchion Ro seine eigenen finsteren Pläne. Die größte Bedrohung geht jedoch von der Verderbnis aus, einer Seuche, die buchstäblich alles, was sie berührt, in graue Asche verwandelt. Fieberhaft suchen die Jedi nach einem Gegenmittel, allen voran Reath Silas. Aber gibt es das überhaupt?

von Frank Stein

Im Frühjahr 2021 erschien in Deutschland bei Panini Books der erste Young-Adult-Roman des neuen „Star Wars“-Mega-Projekts „Die Hohe Republik“. Er trug den Titel „In die Dunkelheit“ und wurde von Claudia Gray verfasst. Ein noch jung und unerfahren wirkender Jedi-Padawan namens Reath Silas wurde damals mit seinem Meister Cohmac Vitus auf eine uralte Raumstation verschlagen, wo er nicht nur die kuriose Besatzung eines Raumschiffs namens Schiff kennenlernte – ein Mädchen, ein Hippie und ein Stein –, sondern auch auf die invasive Spezies der Drengir traf, fleischfressende Pflanzen mit ewigem Hunger, die in der Folge als zweite Bedrohung neben den Nihil die Republik in Atem halten sollte.

Mit diesem Buch nun liegt der Abschlussband der Young-Adult-Reihe vor. Vieles von damals findet sich hier wieder oder wird gespiegelt. Hoffnungsfroher heißt der Roman, erneut von Claudia Gray, „In das Licht“ und auch diesmal stehen Pflanzen im Mittelpunkt, denn das Ökosystem der Wookiee-Heimatwelt Kashyyyk wird von der Verderbnis bedroht, jener alles auflösenden Anti-Leben-Seuche, gegen die bislang kein Kraut gewachsen ist (pun intended). Vom Personal her steht erneut Reath Silas im Fokus – nicht nur auf dem Cover, sondern auch innerhalb der Handlung –, der sich mittlerweile allerdings deutlich weiterentwickelt hat. Er ist nun ein Anführer, ernst und entschlossen, der selbst seinem noch von Ereignissen der jüngeren Vergangenheit erschütterten Ex-Meister die Stirn bietet, wenn es nötig ist.

Abgesehen davon sind natürlich Affie Hollow, Leox Gyasi und Geode, die Crew der Schiff, wieder mit von der Partie, darüber hinaus fährt Gray ein interessantes Nebenfigur-Ensemble auf, wenn es darum geht, ein Team für die Mission nach Kashyyyk zu sammeln, das gerettet werden muss. Natürlich ist der Wookiee Burryaga dabei, außerdem leiht sich Gray aus der 100 Jahre später angesiedelten Streaming-TV-Serie „The Acolyte“ den Wookiee Kelnacca aus. Selbstverständlich kommen auch Cohmac Vitus und Reaths Freund Dez Rydan mit, der ebenfalls aus „In die Dunkelheit“ bekannt ist. Padawan Amadeo Azzazzo, relativ neu während Phase III des Projekts eingeführt, darf teilnehmen, außerdem Avon Sunvale alias Starros, die Tochter von Ex-Senatorin Ghirra Starros, die seinerzeit zu den Nihil übergelaufen war, um dort als Marchion Ros Geliebte Karriere zu machen. Zu guter Letzt sind die junge Nihil-Überlebenskünstlerin Nan (auch von Gray in „In die Dunkelheit“ eingeführt) dabei und der verrückte Ex-Jedi Azlin Rell, ursprünglich aus Phase II des Projekts, der am Rand der Dunkelheit taumelt, seit er eine fatale Begegnung mit den Namenlosen hatte.

Man merkt schon: Gray holt weit aus, um möglichst viele „ihrer“ Figuren wieder einzufangen und ihnen einen würdigen Abschluss zu liefern. Das hat zumindest anfangs den Nachteil, dass der Roman extrem lange einfach den Geschicken der Figuren folgt, ohne einen erkennbaren roten Faden zu haben. Erst auf Seite 117 von 416 Seiten taucht die Verderbnis auf Kashyyyk auf und gibt dem Roman eine echte Handlung. (Aber gut, es gibt Erzählschulen, die lehren, dass eine gute Geschichte aus 25% Exposition, 50% Konflikt und 25% Auflösung bestehen sollten, da wäre Gray fast mustergültig dran.)

Auf Kashyyyk angekommen, fühlt sich der Roman eine ganze Weile so an, als hätte die Autorin das Thema verfehlt, nämlich einen relevanten Abschlussroman für ihren Teil des „Die Hohe Republik“-Projekts zu schreiben. Ein weiterer Planet, der von der Verderbnis befallen wurde? Okay. Nett. Aber ist das wirklich relevant in einem galaktischen Umfeld, in dem eigentlich Endgame im Kampf gegen die Nihil herrschen sollte?

Tatsächlich ist es das, wie sich schließlich herausstellt. Denn obwohl sie eine Weile weg vom Fenster waren und kaum noch so richtig im Fokus standen: Es gab immer auch die von Gray selbst eingeführte Gefahr der Drengir, und die Drengir sind es letztlich auch, um die es wirklich geht. Die Nihil spielen dagegen so gut wie keine Rolle, auch wenn Marchion Ro mal kurz „in die Kamera winken darf“. Der Drengir-Handlungsbogen wird auch insgesamt sehr schön zu einem Abschluss geführt, was dem Roman dann am Ende doch die Relevanz verleiht, die man von ihm als Abschlussband erwartet hat. Auch von ihren Figuren verabschiedet sich Gray mit spürbarer Zuneigung, wenngleich es nicht für alle ein Happy End gibt.

Wollte man hier noch Kritik üben, könnte man anmerken, dass die Autorin für ihr Finale ein paar ziemlich schwere „Macht-Geschütze“ auffährt, die vorher im Kanon komplett unbekannt waren. Da schwebt ein Hauch von Deus Ex Machina durch die Seiten. Aber weil es sich so harmonisch ins Setting einfügt und für ein positive Auflösung sorgt, kann man darüber leicht hinweglesen.

Fazit: „Star Wars – Die Hohe Republik: In das Licht“ schließt den Teil der Young-Adult-Reihe des Megaprojekts „Die Hohe Republik“ auf sehr schöne, versöhnliche Art und Weise ab. Am Anfang fragt man sich ein wenig, wo das Ganze hinführen soll, und auch in der Mitte fühlt sich die Handlung noch nicht so richtig relevant an, aber am Schluss kriegt Autorin Claudia Gray gut die Kurve, wenngleich nur unter kräftiger Zuhilfenahme der Macht. Ein unterhaltsamer Roman mit einem schicken Star-Ensemble, der einen mit einem Lächeln entlässt – obwohl nach wie vor weder die Nihil und Marchio Ro, noch die Namenlosen oder die Verderbnis besiegt sind.

Star Wars – Die Hohe Republik: In das Licht
Film/Serien-Roman
Claudia Gray
Panini Books 2025
ISBN: 978-3-8332-4631-9
416 S., Paperback, deutsch
Preis: 19,00 EUR
        
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