Star Wars – Jedi Knights: Jedi-Ritter – Wächter der Republik

Über tausend Generationen lang waren die Jedi-Ritter die Hüter der Alten Republik – vor der Dunkelheit des Imperiums. So werden die Jedi in „Episode IV: Eine neue Hoffnung“ von Obi-Wan Kenobi sinngemäß den Zuschauern vorgestellt. Seitdem bilden die Lichtschwertschwinger und Machtnutzer gewissermaßen das Fundament des „Star Wars“-Franchises. In der Comic-Reihe „Star Wars – Jedi Knights“ stehen sie, der Titel ist Programm, voll im Zentrum der Handlung. Aber brauchen wir wirklich noch mehr Jedi-Abenteuer?

von Frank Stein

Der vorliegende Softcover-Band enthält die ins Deutsche übersetzten Ausgaben der US-Comics „Star Wars: Jedi Knights“ #1-5, die zwischen März und Juli 2025 erschienen sind, sowie den One-Shot „The Moon of Death“ aus dem Mai 2025, der kostenlos zum Free Comic Book Day 2025 herausgegeben wurde. Bei uns ist das Ganze im Februar 2026 gleichzeitig im Softcover und im limitierten Hardcover bei Panini Comics erschienen. Geschrieben wurden die Geschichten von Marc Guggenheim. Die Zeichnungen stammen von Madibek Musabekov, mit Farben von Luis Guerrrero.

Beginnt man mit der Lektüre des 128-seitigen Bandes, muss man recht schnell eine Überraschung verdauen. Denn die Reihe „Jedi-Ritter“ erzählt keine fortlaufende Handlung, sondern bietet stattdessen episodische Kleinabenteuer, in denen jeweils zwei bis drei Jedi – bekannte Namen ebenso wie neu erfundene Nebenfiguren – im Fokus stehen. Die Abenteuer, die allesamt in den Jahren vor „Episode I“ angesiedelt sind, schließen zwar zeitlich gewissermaßen aneinander an, und hier und da gibt es auch Verweise sowie eine ominöse Bedrohung Qui-Gon Jinns durch einen schattenhaften Attentäter, doch im Zentrum stehen die eigenständigen Geschichten, und die fallen leider in den meisten Fällen in die Kategorie: „Kann man gelesen haben, muss aber nicht sein.“

Mal schlichtet eine ganze Armee Jedi in einem Konflikt zwischen zwei Planeten – indem sie deren Kriegsmaschinerie zerstört. Mal kommen die Machtnutzer einem Dunkelseiter auf die Spur, der alieneske Horden für einen galaktischen Feldzug züchtet. Mal flüchten sie in einem Comic, der fast nur aus brachialen Ganzseiten-Panels besteht – ein durchaus nettes Experiment – über einen Planeten voller Kaiju-Monster bis zu einem gestrandeten Schiff. Dann wiederum müssen sie sich mit einer trickreichen Diebin und einer Truppe Kopfgeldjäger herumschlagen. Zu guter Letzt retten sie Count Dooku vor wütenden Wookiee-Söldnern. 

Von der ersten Geschichte abgesehen, deren Auflösung ich in ihrer Zerstörungswut doch eher fragwürdig und wenig jedihaft finde, sind diese kleinen Abenteuer gar nicht schlecht. In den wenigen Minuten, die man mit der Lektüre verbringt, bieten sich durchaus solide Unterhaltung. Allerdings, ich schrieb es ja schon, tut den Abenteuern in den meisten Fälle die extreme Kürze nicht gut. Über Yodas Konfrontation mit dem Dunkelseiter Atha Prime hätte ich etwa wirklich gern mehr gelesen, zumal Atha Prime ein Kuriosum ist, das an sich schon mehr Raum verdient hätte. 

Denn der Bösewicht, der visuell stark an die Imperial Sentinels aus dem alten Legends-Comic „Star Wars: Dark Empire“ erinnert, ist ursprünglich ein Kind der 1980er und wurde seinerzeit nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ vom Spielzeugmacher Kenner entwickelt, um als neue Bedrohung für die Galaxis in einer frühen Inkarnation eines Expanded Universe zu dienen. Letztlich wurde die Idee von Lucasfilm abgelehnt und ein kohärentes Expanded Universe erst Anfang der 1990er mit Timothy Zahns „Thrawn“-Trilogie gestartet. Diese unerwartete Rückkehr von Atha Prime ist für Altfans daher durchaus ein Leckerbissen – den man an vorliegender Stelle leider nur kurz genießen kann.

Auch die Kaiju- und die Dooku-Geschichten hätte mit mehr Platz an Tiefgang und Unterhaltungswert gewonnen. Einzig die Trickserei der Diebin Phaedra – hier holt Marc Guggenheim seine eigene Figur zurück, die er 2022 für die Miniserie „Star Wars: Han Solo & Chewbacca“ erfunden hat – funktioniert in der Kürze und auf die Pointe hin geschrieben sehr gut.

Visuell gibt es wenig zu kritisieren. Madibek Musabekov zeichnet mit feinem Strich und einem guten Auge für Proportionen, Mimik und Gestik. Vor allem in Action-Sequenzen glänzt er und dass man ihm so viele Ganzseiter gestattet hat, nutzt er mit merklicher Begeisterung für dramatische Momente. Die Kolorierung von Luis Guerrero arbeitet in meinen Augen etwas zu sehr mit einer gedämpften Farbpalette, aber auch hier wurde gute Arbeit geleistet, sodass es durchaus Spaß macht, durch die Comic-Seiten zu blättern.

Eine Covergalerie am Schluss gibt es nicht, dafür werden die einzelnen Episoden innerhalb des Sammelbands von ihrem jeweiligen sehenswerten Cover von Rahzzah voneinander abgetrennt, eine Lösung, die mir gefällt, weil man so auch die Schluss- und Anfangspunkte der Einzelhefte besser würdigen kann. 

Fazit: „Jedi-Ritter – Wächter der Repulik“ ist eine Anthologie mit kurzen Jedi-Abenteuern, die etwas hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Teilweise fühlt sich das Erzählte belanglos an, wie etwa die zum x-ten Mal gelesene Vermittlung der Jedi zwischen zwei kriegsführenden Planeten. Teilweise bekommt man einen Appetithappen serviert – wie im Fall der Atha-Prime-Story –, der aber viel zu mager bleibt. Die Story auf dem Kaiju-Planeten ist ein visuell lustiges Experiment, hat aber fast gar keine Handlung. Die Rettung von Count Dooku, okay, durchweht gewissermaßen ein Hauch tragischer Ironie (sofern man das passende Hintergrundwissen hat). Richtig rund fühlt sich allein die Story um die Diebin Phaedra an. Man sollte auf jeden Fall Kurzgeschichten mögen, wenn man sich diesen Band zulegt. Ansonsten ist man von diesen Schlaglichtern im Leben der Mitglieder des Jedi-Ordens womöglich enttäuscht.

Star Wars – Jedi Knights: Jedi-Ritter – Wächter der Republik
Comic
Marc Guggenheim, Madibek Musabekov, Luis Guerrrero
Panini Comics 2026
ISBN: 978-3-7416-4509-9
128 S., Softcover, deutsch
Preis: 17,00 EUR

bei amazon.de bestellen