von Frank Stein
Der vorliegende, großformatige Hardcover-Band enthält die ins Deutsche übersetzten Ausgaben #1 bis #4 der (damit vollständigen) US-Mini-Serie „Star Wars: Darth Maul – Black, White & Red“, die ursprünglich zwischen April und Juli 2024 veröffentlicht wurden. Hierzulande ist das Ganze Anfang Dezember 2025 bei Panini Comics erschienen. Geschrieben wurden die Geschichten von Benjamin Percy, Mark Russell, Erica Schultz und Greg Pak. Für die Zeichnungen waren Stefano Raffaele, Carlos Nieto, Leonard Kirk sowie Luca Pizzari, Will Sliney, Jay Leisten und Roberto Poggi verantwortlich. Die sehr reduzierte Kolorierung besorgten Raúl Angulo, Carlos Nieto und zweimal Andres Mossa.
Die Geschichten sind, wie uns die Einleitung von Marco Ricompensa verrät, allesamt noch vor „Episode I“ angesiedelt, also zu einer Zeit, als sich die Sith noch vor der Galaxis verbargen und Darth Maul zahlreiche Geheimmissionen für seinen Meister Darth Sidious durchführen musste, um dessen Pläne in vielen Winkeln der Galaxis zu befördern. Dabei hieß es meistens: schnell rein, schnell raus und keine Zeugen hinterlassen, die etwas von einem unheimlichen Lichtschwertschwinger mit roten Klingen erzählen könnten. Man könnte sagen, das waren Jobs genau nach dem Geschmack des stets kampfesdurstigen Zabrak-Kriegers.
Tatsächlich folgen drei der vier Geschichten dieses Comic-Bands besagtem Schema. In „Geisterschiff“ von Benjamin Percy wird Maul von Sidious losgeschickt, um einen Gefängnistransporter zu „sichern“, der von den Gefangenen übernommen wurde. Dabei handelt es sich um eine Gruppierung besonders gefährlicher Ungeheuer, die selbst den abgebrühten Sith-Krieger beinahe überwältigen. Stefano Raffaele (Zeichnungen) und Raúl Angulo (Farben) fangen dabei die zunehmend Richtung Wahnsinn abgleitende Stimmung eindrucksvoll ein, wobei mir besonders der Trick gefällt, die zunächst kühlen Schwarz-Weiß-Panels immer stärker in Rot einzufärben.
„Die Verbliebenen“ wechselt die Perspektive. Autor Mark Russell entführt uns auf die Moonbenderkolonie, eine Station im Äußeren Rand, an denen eine Truppe Außenseiter ein karges Dasein führt. Sie haben kaum etwas, nur sich und ihre Heimat. Dann taucht Darth Maul auf und fordert alle auf, zu gehen, angeblich auf Befehl der Republik. Als sich die Bewohner weigern, kommt es zum Gemetzel, das erwartungsgemäß blutig und endgültig verläuft. Die Pointe am Ende ist zynisch. Der Comic zeichnet sich immer wieder durch großformatige Action-Panels aus, den Einsatz von Rot beschränkt Carlos Nieto (Zeichnungen und Farben) jedoch eher klassisch auf Maul, Laserstrahlen und Wunden.
In „Die Mission“, geschrieben von Erica Schultz, entsendet Sidious Maul, um einen Piraten zu erledigen. Kein Job, der einen Sith-Krieger ins Schwitzen bringt, auch wenn der Schurke Coir Cion umgeben von harten Typen ist. Für Maul heißt es also einmal mehr, in wilden Action-Sequenzen seine Gegner niederzumähen. Dafür bekommt er am Ende einen Einblick in die Politik seines Meisters. Und die Moral von der Geschicht? Traue mächt’gen Leuten nicht. Auch in diesem Comic, gezeichnet von Leonard Kirk und koloriert von Andres Mossa, kommt die Farbe Rot eher dezent zum Einsatz und dient vor allem der Akzentuierung von Gewalt sowie natürlich dem Hervorheben von Maul und seinem roten Lichtschwert.
Die letzte Geschichte von Greg Pak ist beinahe ein Abschluss-Gag. Nach einer kurzen Kampfeinlage zu Beginn befiehlt Sidious seinem Schüler Maul, zum Sith-Tempel auf Ah Re Won zu fliegen und dort „in Stille und Ruhe“ über seine Wut zu meditieren. Leider ist an Ruhe nicht zu denken, denn ständig wird er von irgendwelchen lautstarken Nerf-Hirten gestört, die in der nahen Siedlung für Unruhe sorgen. Ganz klar sorgt Maul auf seine Weise dafür, dass der Frieden des Tempels wieder hergestellt wird. Optisch finde ich den von Luca Pizzari, Will Sliney, Jay Leisten, Roberto Poggi und Andres Mossa (was ein Team …) umgesetzten Comic eher mittelmäßig, auch die Farbe Rot wird kaum kreativ eingesetzt, aber als unerwartet humorvoller Rausschmeißer gefällt das Ganze dennoch ganz gut.
Fazit: Comics mit Darth Maul folgen gern einem speziellen Muster. Sie sind kampflastig, brutal und enden mit einem Sieg des Sith-Kriegers. Da bilden auch die hier versammelten vier Geschichten keine Ausnahme. Allerdings hat jede von ihnen ihren Twist, was unterm Strich schon zu guter Unterhaltung führt, obwohl in vielen Panels letztlich etwas repetitiv das Lichtschwert geschwungen wird. Die Zeichnungen hätten in meinen Augen noch etwas hochwertiger sein können, gerade angesichts des besonderen Farbkonzepts. Aber die Künstlerriege entspricht halt im Wesentlichen den üblichen Verdächtigen der „Star Wars“-Comics von Marvel. Kein Comic, an den man sich noch Jahre später erinnert, aber für Maul-Fans zweifellos ein sattes Action-Paket in tollem Großformat.
Star Wars: Darth Maul – Schwarz, Weiß & Rot
Comic
Benjamin Percy, Mark Russell, Erica Schultz, Greg Pak u. a.
Panini Comics 2025
ISBN: 978-3-7416-4512-9
136 S., Hardcover, deutsch
Preis: 29,00 EUR
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