Star Wars – Herrschaft des Imperiums – Die Maske der Angst

Im Herbst 2022 kam mit der Disney+-Serie „Andor“ ein „Star Wars“-Kapitel auf die Fernsehschirme, das Fans wie Kritiker überraschte. Denn „Andor“ war düsterer, ernster, „realistischer“ als die Saga bislang präsentiert worden war, ein Blick in den gefährlichen Alltag unter dem Joch des Imperiums. In diese Kerbe schlägt auch der Dreiteiler „Herrschaft des Imperiums“, dessen erster Band, geschrieben von Alexander Freed, vor Kurzem erschienen ist.

von Frank Stein

„Würden Sie lieber die Galaxis von einem Verrückten regieren lassen, als das Risiko einzugehen und sich gegen ihn zu stellen?“ – Bail Organa

Wir befinden uns kurz nach der Handlung von „Star Wars – Episode III: Die Rache der Sith“. Der Krieg gegen die Droidenarmeen der Separatisten ist vorbei, Palpatine hat sich zum Imperator ausgerufen und die Republik wird sukzessive in ein Imperium umgewandelt. In allen Bereichen wird das Leben nach und nach umgekrempelt. Vor allem unliebsame politische Gegner im Senat werden vom sehr übereifrigen Geheimdienstapparat drangsaliert. Auf den Straßen nimmt unterdessen die Sicherheitspräsenz zu, um Unruhen und Demonstrationen zu unterdrücken. (Ähnlichkeiten zu aktuellen Vorkommnissen in gewissen Teilen der Welt sind rein zufällig.)

In diesem Umfeld politischer und gesellschaftlicher Umwälzung wählt Autor Alexander Freed drei namhafte und drei neu erfundene Figuren aus, die versuchen, auf ihre Weise Widerstand gegen das neue System zu leisten. Die wichtigste ist vermutlich die auch auf dem Titelbild abgebildete Senatorin Mon Mothma von Chandrila, die in der klassischen Filmtrilogie noch auf einen kurzen Cameo auf dem Flaggschiff der Rebellion in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ beschränkt war, spätestens aber mit der Serie „Andor“ einiges an Profil und Hintergrund erhalten hat. Sie versucht, Palpatines konstanter Machtausweitung durch ein Gesetzespaket einen Riegel vorzuschieben, der die Arbeit des Senats stärken soll. Dazu muss sie im Geheimen zahlreiche Allianzen schmieden, während ihr die Sicherheitsbehörden im Nacken sitzen, die nach Belieben Systemgegner einzukassieren und zu schikanieren scheinen.

Gleichzeitig kann Senator Bail Organa von Alderaan nicht vergessen, was er in der Nacht der Order 66 auf Coruscant erleben musste. Der Mord an den Jedi und die nachträgliche Verunglimpfung des Ordens fressen ihn innerlich auf. So setzt er alles – auch seine Gesundheit und Sicherheit – aufs Spiel, um vor dem Senat beweisen zu können, dass Palpatine und seine Leute die Jedi auf Basis gefälschter Beweise zu Staatsfeinden erklärt haben. Dabei wird er bald von der alternden Agentin Haki begleitet, die eigentlich nur wissen will, was mit all ihren Kontakten und Feldagenten nach dem Krieg geschehen ist – und die dabei irgendwo im Spannungsfeld Systemtreue und Desillusionierung hin und her changiert.

Die dritte namhafte Figur ist der radikale Widerständler Saw Gerrera, der sich im Grunde sowohl von der Republik als auch dem neuen Imperium verraten fühlt und irgendwie generell vom Kampf gegen das System träumt. Gemeinsam mit seiner kleinen Rebellengruppe stolpert er über den Cyborg Soujen, ein Geheimprojekt der Separatisten, das den Kampf in 1-Mann-Manier fortführen sollte, wenn alles andere schon den Bach runtergegangen war. Soujen, der sich freiwillig zur halben Maschine hat umoperieren lassen, wittert in der Kapitulation der überlebenden Separatistenführer Verrat und will, wohl seiner Programmierung entsprechend, Rache an allem und jedem – jedoch hat er praktisch keine Mittel und ihm fehlen auch die konkreten Befehle, wie er den Kampf weiterführen soll. Das führt zu reichlich emotionaler Instabilität.

Zuletzt wäre da noch Chemish, ein Junge aus den unteren Ebenen von Coruscant, der von Haki anfangs aus Mitleid unter ihre Fittiche genommen wird, weil sie seinen Bruder, Homish, einen Agenten unter ihrer Aufsicht, nicht heil aus dem Feld zurückholen konnte. Chemish wird von Haki auf Coruscant zurückgelassen, als diese sich Bail Organa anschließt, und er versucht verzweifelt, seinem Leben einen Sinn zu geben, indem er weiter spioniert. Dabei gerät er in den Dunstkreis einer imperialen Bürgerbewegung, der 4040er, die sich gegen eine Wiedereingliederung der separatistischen Welten ins Imperium stemmt.

An dieser Stelle ist ein kleiner Exkurs nötig: Im englischen Original ist Chemish eine non-binäre Figur. Der Text verwendet „they“ als Pronomen. Im Deutschen wird das eindeutig falsche Pronomen „er“ zwar sorgsam vermieden, aber in der Übersetzung suggerieren Begriffe wie „der junge Mensch“, „der Neuankömmling“ oder „ein Spion“ durchaus einen jungen Mann. Dass Chemish eine non-binäre Person sein soll, ist an keiner Textstelle mehr zu erkennen. Nach „Star Wars – Die Hohe Republik: Auf der Suche nach Planet X“, wo Sky Graf vom „they“ zum „er“ wurde, ist das somit schon das zweite Mal, dass mir – wirklich durch Zufall – unterkommt, dass es eine non-binäre Figur nicht ins Deutsche geschafft hat. Ich weiß, dass non-binäre Personen das Deutsche grammatikalisch vor eine Herausforderung stellen. Der Intention eines Autors oder einer Autorin in der Übersetzung implizit (durch Verschleierung) oder explizit (durch Falschübersetzung) zu widersprechen, finde ich trotzdem ziemlich fragwürdig. Ende des Exkurses.

„Herrschaft des Imperiums – Die Maske der Angst“ ist tatsächlich ein eher ungewöhnliches „Star Wars“-Buch. Es gibt kaum Kämpfe, keine Verfolgungsjagden mit Speedern oder durchs All, auch exotische Schauplätze sind, von einer uralten Stadtwelt abgesehen, eher Mangelware. Es gibt keine Machtanwender, keine Schurken mit flotten Sprüchen auf den Lippen und keine Androiden, die wahlweise süß, lustig oder bedrohlich wären. Selbst Überbleibsel der so omnipräsenten Droidenarmee der Separatisten spielen keine nennenswerte Rolle. Stattdessen liest sich das Ganze wie ein Politthriller. Senatoren versuchen, heimlich gegen ein System vorzugehen, das sie für gefährlich halten. Dabei ist ihnen der Geheimdienst eben jenes Systems auf den Fersen. Das wirkt, gerade zu Beginn, doch etwas trocken, entwickelt aber im Laufe der Seiten durchaus einen Sog – womit auch hier eine Parallele zur Serie „Andor“ bestünde, die stellenweise ebenfalls etwas mehr Zug hätte vertragen können, nur um dann wieder durch irre Momente intensiver Inszenierung zu glänzen.

Fazit: „Herrschaft des Imperiums – Die Maske der Angst“ liest sich wie das Prequel zu „Andor“. Die Konzentration auf das politische Geschehen, auf geheimdienstliche Aktivitäten und sehr frühe Keime einer Rebellion erinnert schon sehr an die Streaming-Serie. Auch die ernste, ja stellenweise geradezu trockene Erzählweise teilen beide. Dass Darth Vader gleichzeitig mit seinen Inquisitoren lichtschwertschwingend Jagd auf die letzten Jedi macht, fühlt sich an wie aus einer anderen Welt. Fans der Macht und des exotisch-pulpigen Teils der „Star Wars“-Saga werden sich bei dem Buch womöglich langweilen, obwohl mit Mon Mothma, Bail Organa und Saw Gerrera interessante Nebenfiguren der Filme und Serien in den Fokus rücken. Wer allerdings das „erwachsene“, schmutzige und nachdenklich machende „Star Wars“ von „Andor“ liebt, der sollte sich das vorliegende Buch keinesfalls entgehen lassen.

Star Wars – Herrschaft des Imperiums – Die Maske der Angst
Film/Serien-Roman
Alexander Freed
blanvalet 2025
ISBN: 978-3-7341-6431-6
624 S., Paperback, deutsch
Preis: 17,00 EUR
        
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