von Frank Stein
Na gut, einen Teil der Spannung nimmt schon die Rückseite des Comics, denn die verrät, dass der vorliegende Sammelband die US-Comics „Tales from the Rancor Pit“, „Tales from the Death Star“ und „Tales from the Nightlands #1-3“ enthält. Alle Comics sind ursprünglich bei Dark Horse erschienen und zwar in dieser Reihenfolge im November 2022, im Oktober 2023 sowie von Oktober bis Dezember 2025. Geschrieben wurde alle Geschichten von Cavan Scott, den Zeichenstift beziehungsweise Farbpinsel schwangen unter anderem Juan Samu, Andy Duggan, Ingo Römling, Soo Lee und Vincenzo Riccardi.
Abgesehen von ihrer gruseligen Handlung stehen alle drei Teile des Sammelbands eigenständig für sich. Tatsächlich sind die beiden „Tales“-Bände auch nochmal selbst Anthologien, verbinden also durch eine Rahmenhandlung mehrere sehr kurze Schauergeschichten.
In „Geschichten aus der Rancorgrube“ hängt ein gescheiterter Captain mit dem Kopf nach unten über eben dem im Titel genannten Monsterkäfig in Jabbas Palast und sieht seinem schmerzhaften Ende entgegen. Um Gangsterboss Jabba von der Vollstreckung des Todesurteils abzulenken, erzählt er drei Schauergeschichten über geisterhafte Droiden, die sich an einem gefühllosen Separatistenanführer rächen, die Monsterjägerin Ty Yorrick, die gegen ein fieses Monster antritt, sowie Han, Leia und Chewie, die in einer Wampahöhle unheimliche Kreaturen treffen. Während die ersten zwei Geschichten mit klassischen Schockmomenten enden, wirkt die dritte Story, vermutlich ihrer namhaften Helden wegen, eher brav und harmlos.
„Geschichten vom Todesstern“ folgt dem gleichen Prinzip. Auf dem Mond Kef Bir träumt ein junger Ex-Truppler der Ersten Ordnung davon, seinen Freunden seinen Mut zu beweisen, weswegen er dem im Meer vor der Küste liegenden Wrack des zweiten Todessterns einen Besuch abstatten will. Davon versucht ihn eine unheimliche Gestalt im Ringgeist-Look abzuhalten, indem sie erzählt, wie viel Grauen die Raumstation beherbergt. In diesmal vier Geschichten geht es um monstermäßigen Schädlingsbefall in den Eingeweiden des Todessterns, eine geisterhaft „wilde Jagd“ am Lebenstag, der eine TIE-Staffel zum Opfer fällt, einen verrückten Techniker, der beim Bau des Todessterns aus Effizienzgründen ein Sith-Artefakt stiehlt, um verstorbene Kameraden als Zombie-Arbeiter heraufzubeschwören, sowie Großmoff Tarkin, der für seine Karriere über zu viele Leichen geht, nur um dann von ihnen heimgesucht zu werden. Diesmal enden alle Geschichten atmosphärisch finster, die Rahmenhandlung dagegen bemerkenswert versöhnlich.
„Geschichten aus den Nachtlanden“ schließlich ist ein Dreiteiler, der je eine Heftausgabe in der Prequel-Ära, der Classic Ära und der Sequel-Ära ansiedelt. Verbindendes Element ist die Twilek Daesha, anfangs ein Mädchen, das noch einmal mit seinem verstorbenen Großvater sprechen möchte und aus Liebe und Trauer während einer speziellen Sternenkonstellation ein Portal ins Reich der Toten, die Nachtlande, öffnet. Dort jedoch wartet eine Entität, die von Liebe nichts wissen will, sondern sich nur von Verzweiflung ernährt. Insgesamt dreimal kehrt diese in dem Dreiteiler wieder und wird zur Herausforderung der jeweilig aktuellen Heldenriege. Doch Stärke und Verbundenheit sind ein veritables Gegenmittel und so kommt die Geschichte zwar durchaus spannend und dramatisch daher, man muss sich jedoch aufgrund der hohen Heldendichte wenig Sorgen um den Ausgang machen.
Es ist eine schöne Sammlung, die Panini hier vorlegt. Und es ergibt auch thematisch total Sinn, die Comics zu bündeln, nicht zuletzt, da sie als drei Einzelwerke möglicherweise nicht genug Kaufanreiz geboten hätten. Als Kollektion, gerade mit Halloween im Blick, macht das Ganze aber wirklich Spaß, und auch die Mischung aus pulpigen Schreckens-Enden und der hoffnungsvolleren Botschaft, dass man gemeinsam jedem Albtraum trotzen kann, geht völlig in Ordnung.
Ein großes Team aus Zeichern und Koloristen sorgt auch visuell für ein buntes Potpourri. Besonders hervorheben möchte ich die gelungen krasse Farbstimmung von Juan Samu in der Story „Geistermaschine“, die albtraumhaft unruhige Optik von Vincenzo Riccards in „Die Kreatur in der Müllpressanlage“ sowie in Teil 2 der „Nachtlande“-Trilogie, die Geisterhorrorstimmung, die Fico Ossio mit seinen Bildern in „Die Wilde Staffel“ heraufbeschwört, und zuletzt die trashige Zombie-Atmosphäre, die (einmal mehr) Juna Samu in „Wir verdoppeln unsere Bemühungen“ zu Papier bringt. Hier passen Handlung und Bilder wirklich wie Deckel auf Sarg.
Fazit: „Star Wars – Galaktische Geschichten des Schreckens“ mag kein Kanon-Werk sein, das Handlungsbögen für die große Saga liefert, die man unbedingt gelesen haben sollte. Wer den Band mit seinen Beiträgen abseits der wichtigen Erzähllinien links liegen lässt, verpasst garantiert nichts, auf das später nochmal groß Bezug genommen würde. Aber: Als teils pulpig-schauerlicher, teils versöhnlicher Grusel-Themenband macht die Sammlung verdammt viel Spaß! Sehr unterhaltsame Lektüre – nicht nur zu Halloween.
Star Wars – Galaktische Geschichten des Schreckens
Comic
Cavan Scott, Juan Samo, Ingo Römling u. a.
Panini Comics 2026
ISBN: 978-3-7416-4937-0
240 S., Softcover, deutsch
Preis: 35,00 EUR
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