Star Wars: Darth Vader – Phantome

Manch einer mag sich damals, beim ersten Schauen von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ gewundert haben: Darth Vader, zuvor in „Das Imperium schlägt zurück“ noch eine dunkle Macht, die völlige Kontrolle über das Geschehen hatte, wirkte seltsam gebrochen und fatalistisch, während er mit Luke über den Imperator sprach. „Du weißt nicht, wie stark die Dunkle Seite der Macht sein kann. Ich muss meinem Meister gehorchen.“ Wie konnte es dazu kommen? Dieser Comic will es erklären.

von Frank Stein

Der vorliegende Sammelband vereint die Ausgaben #48-50 der Reihe „Darth Vader (2020)“ sowie das „Star Wars: The Phantom Menace 25th Anniversay Special (2024) #1“. Ursprünglich wurden die drei Ausgaben in den USA zwischen Juli und September 2024 in Heftform veröffentlicht, das Special kam im Mai 2024 heraus. Auf Deutsch erschienen die Ausgaben der fortlaufenden Reihe zuerst zwischen Mai und Juli 2025 in Heftform bei Panini. Dieser deutsche Sammelband folgte dann parallel im Softcover und im limitierten Hardcover im November 2025. Geschrieben wurden die Comics von Greg Pak, die Zeichnungen stammen von Raffaele Ienco, Paul Fry, Luke Ross, Adam Gorham und Will Sliney, die Farben von Federico Blee, Frank William, Alex Sinclari und Guru-eFX.

Die Geschichte geht gleich in medias res. Sabé, die Zofe der verstorbenen Padmé, hat, um das Andenken der Senatorin zu ehren, eine ganze Weile das Gute in Anakin Skywalker gesucht, dabei in Darth Vader aber nur überschaubar viel davon gefunden. Nun wendet sie sich Luke Skywalker zu, um ihn zu prüfen. Könnte auch er zum Sith werden und damit zu einer Gefahr für die Galaxis?

Vader unterdessen, nach wie vor Kyberlanze und -schild bewaffnet wie ein mittelalterlicher Ritter, ist Luke weiter auf der Spur, wobei er auf den richtigen Moment lauert, um seinen Sohn zu verführen und auf seine Seite zu ziehen. Parallel dazu muss er sich noch immer mit dem imperialen Schisma unter Sly Moore herumschlagen, das schon wieder seine Meinung und Richtung ändert und sich gegen ihn auflehnt, da Moore Vaders Platz an der Seite des Imperators einnehmen will.

Es kommt zur Konfrontation zwischen Schisma und Luke, derweil greift das M.V.R. Korps – eine Spezialeinheit kybernetisch Aufgerüsteter der Rebellenallianz – Vader und sein Gefolge an, irgendwann landet Sly Moore ihre weltenaussaugende Todesmaschine auf der Außenrand-Welt Caranthanx B, wo sich die ganze hin und her wogende Handlung zuträgt, und schließlich greift Palpatine selbst ins Geschehen ein. Action und Drama geben sich die Klinke in die Hand und alles läuft auf den Moment hinaus, in dem Vader in einer Art kapitalen Nervenzusammenbruch erkennt, dass er seinen Meister mindestens ebenso sehr hasst wie sich selbst – und trotzdem nichts gegen sein Schicksal tun kann.

Der letzte Teil ist dann gewissermaßen als Epilog zu verstehen. Sabé erfüllt ihre selbst gestellte Mission, Sly Moore und Ochi von Bestoon dürfen sich noch einmal die Finger an Vader verbrennen, Anakins Kinderfreunde von Tatooine finden einander wieder und die Bühne ist bereitet für „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“.

Alles in allem zeigt die „Vader“-Reihe auch am Ende die bekannten Stärken und Schwächen. Handlungstechnisch bleibt sie weit hinter dem zurück, was man vielleicht gern gesehen hätte – den Kampf des Imperiums gegen die Rebellion. Stattdessen hat sich Greg Pak fast die ganze Zeit auf Vaders Innenleben konzentriert und ihn einem ständigen Wechselbad der Gefühle – Verlust, Trauer, Wut, Zorn – ausgesetzt. Auch hier passiert wieder rein äußerlich fast gar nichts. Ein paar Personen stehen auf einem Planeten herum und fallen sich in einem ständigen Kräftemessen gegenseitig in den Rücken. Es geht um nichts, außer sie selbst. Beim Lesen, wenn man nah dran ist, wirkt das durchaus spannend und kurzweilig. Tritt man jedoch einen Schritt zurück, fällt einem auf, dass sich Pak in den insgesamt 50 Heften unglaublich viel im Kreis gedreht hat. Genau wie auch Vader, der Imperator, Sly Moore und der Harlekin Ochi von Bestoon es getan haben.

Das angehängte „Special“ erzählt dann noch als Rausschmeißer die Handlung von „Episode I“ nach, konzentriert sich dabei aber auf Anakins kindliche Erfahrungen und sein Empfinden, die ihn zu dem formen, der er werden wird. Das wirkt auf der einen Seite sehr oberflächlich und hat doch auf der anderen Seite ein paar schöne Zusatz-Momente, die es im Film so nicht gab.

Optisch wird gemischte Kost geboten, wobei Vader durch die Bank sehr gelungen düster wirkt, viele Nebenfiguren aber mit mäßig gelungener Mimik zu kämpfen haben. Hier und da gelingen mal großformatige Wow-Panels und auch der explosive Einsatz der Kyber-Energie rauscht wuchtig durch die Seiten, aber so richtig werde ich Raffaele Iencos Stil nicht warm. Versöhnlich stimmen immerhin die Seiten am Ende, als Luke Ross und Will Sliney übernehmen.

Fazit: Es endet gewissermaßen wie es angefangen hat. Vader sieht sich mit sich selbst konfrontiert und muss im Ringen mit Sly Moore und dem Imperator erkennen, wer er wirklich ist – oder eben nicht. Die Idee der Schisma-Bewegung verpufft weitgehend, auch die Rebellion tritt nach wie vor nur in Form von Luke und dem M.V.R. Korps auf. In einem Moment des völligen Zusammenbruchs wird Vader psychologisch für „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ vorbereitet. Allerdings hatten wir solche Ausbrüche von Hass und Selbsthass schon in diversen Ausgaben zuvor. So richtig entwickelt hat sich in den 50 Heften eigentlich nichts. Dafür wurde viel potenzielles Abenteuer auf der Strecke liegengelassen – abseits der zwischenzeitlichen Cross-Over-Events wie „Crimson Reign“ oder „Dark Droids“ natürlich. Die Reihe hatte viele gute Ideen – den schmierigen Ochi von Bestoon, die Zofe Sabé, die das Gute in Anakin sucht, das imperiale Schisma –, doch wiederholt hat sich Greg Pak zu sehr in Intrigen und Gegenintrigen, Verrat und Gegenverrat verloren, ganz zu schweigen von ständig wechselnden und keineswegs immer glaubwürdigen Allianzen. Habe ich mich unterhalten gefühlt? Durchaus. Doch manchmal ist weniger wirklich mehr. Der „Vader“-Reihe hätte es gut getan, sich stärker auf eine mögliche äußere Handlung zu konzentrieren als nur auf sein Potpourri bösartiger Protagonisten.

Star Wars: Darth Vader – Phantome
Comic
Greg Pak, Raffaele Ienco, Federico Blee
Panini Comics 2025
ISBN: 978-3-7416-4328-6
128 S., Softcover, deutsch
Preis: 17,00 EUR

bei amazon.de bestellen (Partnerlink)