Star Wars – Die Hohe Republik: Hüte dich vor den Namenlosen

Seit Jabba, dem berüchtigten Verbrecherboss von Tatooine aus dem Film „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, steht die Spezies der Hutten im „Star Wars“-Universum für organisierte Kriminalität und Strippenzieherei in der Unterwelt. Nette, freundliche, selbstlose Hutts sind so rar wie Regen in der Jundland-Wüste. Und doch ziert das Cover des vorliegenden Buchs ein junger Hutt mit einem Käfer auf dem Finger. Die Neugierde ist geweckt …

von Frank Stein

Für die Jugendbücher des Megaprojekts „Die Hohe Republik“ gilt schon seit jeher, dass sie kaum bis gar nichts zur galaktischen Haupthandlung beitragen. Stattdessen schildern sie kleine Abenteuer an Nebenschauplätzen und nutzen die allgemeine Lage nur als Hintergrund. So ist es auch in Zoraida Córdovas „Hüte dich vor den Namenlosen“. Dabei ist die Ausgangssituation diesmal zunächst sehr ungewöhnlich, denn im ersten Kapitel lernen wir einen jungen Hutten namens Churo kennen. Churo ist alles andere als ein gewöhnlicher Hutte. Obwohl als Spross eines Gangsterkartells aufgewachsen, liebt er Pflanzen und Käfer, ist Vegetarier und hasst es, Lebewesen wehzutun. Zum Verbrecher eignet er sich überhaupt nicht, was ihn zum Spott seiner Verwandten macht. Um ihn einer Art Initiationsritus zu unterziehen, nimmt ihn seine große Schwester mit zum Planeten Mynos III. Dort will sie augenscheinlich Verhandlungen mit den Nihil führen, die sich in das Gebiet der „Familie“ vorgewagt haben. Doch das Ganze dient nur der Ablenkung, denn Churo soll eine höchst wertvolle Fracht stehlen: die ultimative Waffe gegen die Jedi. (Kenner der „Hohen Republik“ ahnen, was damit gemeint ist.)

Anschließend wird die Exposition klassischer. Eine Delegation Pacithhip bittet die Republik und die Jedi um Hilfe, weil sie beunruhigende Neuigkeiten von Mynos III erhalten hat. Monster sollen dort umgehen und die Nihil dort hausen. Natürlich wird eine Hilfstruppe entsendet, wenn auch etwas forciert an Bord der Innovator unter Jung-Captain Ram Jomaram. Hier wird die Verbindung zum Roman „Flucht von Valo“ gezogen, obwohl das nicht nötig gewesen wäre, zumal Rams Auftritt mehr oder minder Cameo bleibt. Aus Gründen, die fast so unglaubwürdig klingen wie die ewigen Sommerferien bei „Die drei ???“, befindet sich nämlich nach dem Start eine bunte Truppe Jünglinge an Bord: Kildo und Tep Tep, die wir ebenfalls aus „Flucht von Valo“ kennen, der schüchterne Jamil und die Senatorentochter Zenny Greylark. (Heißt das, der dekadente Axel Greylark aus Phase II hat tatsächlich irgendwann Kinder bekommen? Unfassbar!) Kaum sind sie unterwegs, da erhält die Innovator einen Notruf von der abgelegenen Welt Palagosal und die Jüngling-Truppe macht sich auf den Weg, dem nachzugehen. Hier beginnt dann gewissermaßen die eigentliche Handlung.

Stellenweise wirkt der Plot bis hierhin schon ein wenig erzwungen. Es muss halt so sein, damit die Kids ein Abenteuer erleben können. Andererseits sind wir bei „Star Wars“ und in einem Jugendbuch. Da gelten eh etwas andere Regeln. Immerhin werden Kildo, Tep Tep und die anderen zunächst von zwei Erwachsenen betreut, einer alten Jedi-Meisterin und einem weiblichen RVK-Lieutenant. Das ist okay. Auf Palagosal kommt es dann zu einem durchaus kurzweiligen Ausflug, der bisweilen von den Nihil und natürlich den titelgebenden Namenlosen gestört wird, die von den Nihil nach einem Überfall auf eine ansässige Siedlung von der Leine gelassen wurden. Und wie es sich für ein Jugendbuch gehört, wächst irgendwie jeder der jungen Leute – vor allem Jamil und Churo (ja, die Figuren treffen sich natürlich) – über sich selbst hinaus und finden somit nicht nur ungeahnten Mut in sich, sondern auch in gewissem Maße zu sich selbst. 

Dabei wird vor allem anhand von Churo schön durchdekliniert, was es heißt, ein Außenseiter zu sein. Er ist ein Hutte, passt aber nicht in die Gesellschaft der Hutten. Gleichzeitig hat er mit Vorurteilen zu kämpfen, denn alle glauben zu wissen, was ein Hutte für eine Art Wesen ist. Er möchte sich seiner Familie beweisen, weiß aber auch, dass er damit eigentlich etwas Falsches tut. Er will seinen Freunden treu sein, aber das steht im Widerspruch zu seiner Familienpflicht. Es ist eine Zwickmühle, die man sonst in einem eher zielorientierten Huttengemüt so nicht kennt. Schon allein das macht den Roman interessant.

Grundsätzlich bleibt aber auch „Hüte dich vor den Namenlosen“ der Linie der Jugendbücher treu. Die Geschichte auf Palagosal ist klein. Das Ergebnis mag ein nicht ganz unwichtiger Mosaikstein im Kampf der Jedi gegen die Nihil sein, doch es steht zu bezweifeln, dass in anderen Werken groß darauf eingegangen wird. Damit gilt, was auch für die anderen Bücher galt: Man kann es lesen. Es ist durchaus nett und stringend geschrieben, ohne Platz an den falschen Stellen zu verschwenden und dafür an ebenso falschen Stellen Seiten einzusparen. Doch man verpasst nichts für die galaktische Handlung Wesentliches, wenn man das Werk überspringt.

Fazit: „Hüte dich vor den Namenlosen“ erzählt keine für die Haupthandlung wichtige Geschichte. Wer das Buch links liegen lässt, verpasst also nichts Wesentliches. Trotzdem macht das Buch Spaß, denn es bietet ein unterhaltsames Kinderabenteuer, das von Mut und Freundschaft handelt, der Bereitschaft, anderen zu helfen, Vorurteile zu überwinden und seinen eigenen Weg zu finden. Das ein Großteil dieser Fragen anhand des Schicksals eines jungen Hutten behandelt wird, verleiht der Handlung einen besonders netten Dreh. Für junge Fans empfehlenswert (auch ohne Kenntnis des Vorgängers „Flucht von Valo“), nicht zuletzt deswegen, weil diesmal auf Liebesquerelen unter den doch sehr jungen Protagonisten konsequent verzichtet wurde.

Star Wars – Die Hohe Republik: Hüte dich vor den Namenlosen
Film/Serien-Roman
Zoraida Córdova
Panini Books 2024
ISBN: 978-3-8332-4567-1
302 S., Paperback, deutsch
Preis: 16,00 EUR

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