von Sabrina
Inhalt
„Silverfrost“ enthält 1 Spielplan, 1 3D-Berg/ plus 1 2D Variante, 1 Bergtafel, 4 Leuchtfeuer, 24 Tiere aus Holz (je 6 Rote Pandas, Pinguine, Falken, Hasen), 4 Schneeschuhe, 248 Karten, 262 Plättchen sowie 1 Anleitung.
Zum Spiel
Wenn ihr dachtet, „Everdell“ hätte mit „Farshore“ schon alle Jahreszeiten der Idylle ausgeschöpft, dann wartet ab, bis ihr den ersten Schritt in die eisige Bergregion von „Silverfrost“ macht. Das vertraute Gefühl, ein kleines Wald- oder Küstendorf aufzubauen, ist zwar noch da – doch über allem liegt ein frostiger Hauch, der euch im wörtlichen wie übertragenen Sinne den Atem nimmt. „Silverfrost“ bleibt unverkennbar ein Spiel aus der „Everdell“-Welt, aber es hat eine kantigere, härtere Note. Ihr werdet nicht nur bauen, sondern gegen die Elemente und eure Mitspielenden ankämpfen. 
Wer „Everdell“ oder „Farshore“ kennt, findet vieles wieder, das sofort vertraut wirkt. Im Kern bleibt „Silverfrost“ dem „Everdell“-Spielgefühl treu: Ihr setzt eure Tiere ein, spielt Karten aus und bereitet euch auf die nächste Jahreszeit vor. Eure Stadt wächst Schritt für Schritt – und wie immer ist es belohnend, wenn ein Effekt geschickt den nächsten anstößt. In dieser Hinsicht bleibt „Silverfrost“ eng mit seinen Vorgängern verbunden.
Doch es gibt zahlreiche frische Elemente, die die winterliche Umgebung nicht nur thematisch einfangen.
Der Grund dafür liegt buchstäblich überall: Schnee. In jeder Jahreszeit fällt neuer Schnee (Plättchen) in eure Stadt und auf Orte des Spielplans, blockiert Effekte und zwingt euch dazu, kostbares Feuer für dessen Beseitigung zu sammeln und auszugeben. Dadurch wird der Stadtbau unberechenbarer, und ihr müsst genau überlegen, wann ihr welche Karten nutzt, bevor sie unter Eis begraben werden. Und der Schnee meint es nicht gut mit euch – er blockiert, hemmt und zwingt euch, einen Teil eurer Strategie immer darauf auszurichten, ihn im Zaum zu halten. Was ihr ausspielen wollt, was ihr aktivieren könnt, wann ihr bestimmte Orte nutzt – all das hängt plötzlich an der Frage: „Habe ich genug Feuer übrig, um die Kälte zu vertreiben?“ 
Feuer wird zur wichtigsten Ressource: Ihr braucht es, um Schnee zu schmelzen, manche Karten zu aktivieren oder die gewaltigen Riesenwesen auf dem Berg anzulocken. Diese Kreaturen sind mächtig und bringen spürbare Vorteile, doch ihr müsst erst den Leuchtfeuer-Ort besuchen und die nötigen Feuerkosten bezahlen – alles andere als selbstverständlich. „Silverfrost“ zieht die taktische Schraube merklich an.
Eine der spannendsten Neuerungen ist die Silberwache. Jede Partei erhält ein Tier mit Schneeschuhen, das besondere Regeln bricht: Die Silberwache darf sich auf besetzte Orte stellen, sofern dort kein eigener Arbeiter und keine andere Silberwache steht. Setzt ihr sie auf einen freien Ort, erzeugt sie zudem Feuer. Diese Figur gibt euch wichtige Flexibilität und bringt eine reizvolle interaktive Ebene ins Spiel.
Auch bei den Wertungen geht „Silverfrost“ neue Wege. Statt klassischer Ereignisse setzt das Spiel auf Aufträge. Hochlandaufträge liegen offen aus und belohnen die Person, die sie zuerst erfüllt. Tieflandaufträge bleiben geheim und bringen erst am Ende zusätzliche Punkte. Viele dieser Aufgaben vergleichen euch mit der Person links von euch, wodurch ihr stärker aufeinander achtet. „Silverfrost“ spielt sich dadurch weniger solitär und deutlich interaktiver.
Eine Mechanik, die aus „Farshore“ übernommen wurde, ist das Stapeln doppelter Karten im offenen Markt – ein kleines, aber sinnvolles Detail. Die Schornsteine funktionieren ähnlich wie die Anker aus „Farshore“, sind aber flexibler und zugleich knapper. Ein Schornstein erlaubt euch, ein Wesen kostenlos auszuspielen, kostet aber 1 Feuer und muss auf ein Bauwerk gelegt werden, das das passende Symbol trägt. Da ihr nur zwei Schornsteine im gesamten Spiel erhaltet, wird ihre Platzierung zu einer wichtigen strategischen Entscheidung.
Für Solo-Spielende hält „Silverfrost“ mit „Klaue Hammerschlag“ einen clever konstruierten Gegner bereit, der über ein eigenes Kartensystem gesteuert wird und erstaunlich effektiv um Orte, Ressourcen und Aufträge konkurriert. Das sorgt für ein stimmiges, anspruchsvolles Solo-Erlebnis.
Eindruck
Mir und meinen Mitspielenden hat die Umsetzung gut gefallen. Die Neuerungen bringen frischen Wind in das bekannte „Everdell“-Gefühl, aber ohne den Kern zu überfrachten. Die erhöhte Interaktion – vor allem durch die Silberwache und die Auftragsvergleiche – kam gut an, weil sie das Geschehen auf dem Tisch lebendiger macht. Ich bin eher keine Freundin davon, sich ein Rennen um das Erfüllen von Zielkarten zu liefern. Daher finde ich die Einführung der persönlichen Ziele als große Bereicherung. Ebenso gefällt mir die Einführung von Riesenwesen mit Effekten sehr gut. Leider sind die Karten etwas klein. Je nachdem, wo man sitzt, ist das Lesen sehr mühsam bis unmöglich. Nun ja, etwas Bewegung hat auch beim Spielen noch niemanden geschadet.
Optisch hat mich „Silverfrost“ ebenfalls überzeugt. Die Illustrationen von Lukas Siegmon gefielen uns ausgesprochen gut; Texte sind, sofern der Platz ausreicht, größer, und Symbole, aus meiner Sicht, besser lesbar als bei den Vorgängern. Viele Spielende waren bei den Vorgängern mit dem Baum beziehungsweise dem Leuchtturm nicht voll zufrieden – dem einen war der Baum zu groß, der andere fand den Leuchtturm zu klein. „Silverfrost“ bietet hier mit dem 3D-Berg und der 2D-Variante einen guten Mittelweg.
Die Anleitung ist wie gewohnt gut und verständlich geschrieben. Die Einstiegshürde, insbesondere für Kenner*innen der Reihe, ist insgesamt eher niedrig. Zumal es wieder eine gute Übersicht mit Unterschieden zu den Vorgängern gibt und am Ende der Anleitung ein Glossar.
Einen kleinen Kritikpunkt gibt es: Einen Notizblock für Siegpunkte hätten wir bei diesem Preis erwartet. Die Essential-Edition kostet 59,99 Euro und enthält Pappmarker. Für hochwertigere Materialien ist ein Upgrade Pack erhältlich – für stolze 50 Euro. Ob man diesen Aufpreis zahlen möchte, muss jede*r selbst entscheiden. Ich persönlich werde mir Fimo-Token basteln.
Fazit: „Silverfrost“ ist eine gelungene Erweiterung des „Everdell“-Universums. Es bietet eine anspruchsvolle Spielerfahrung mit neuen Mechaniken, die sowohl für Fans der Reihe als auch für Neueinsteiger*innen spannend sind. Die Kombination aus bewährten Elementen und frischen Ideen macht das Spiel zu einem empfehlenswerten Titel für alle, die sich im „Everdell“-Kosmos wohlfühlen.
Silverfrost
Brettspiel für 1 bis 4 Spielende ab 10 Jahren
James A. Wilson, Clarissa A. Wilson
Pegasus Spiele 2025
EAN: 4250231742637
Sprache: Deutsch
Preis: 59,99 EUR
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