von Alice
In Orméa benötigt man weder Schlaf noch Nahrung, damit man sich ununterbrochen den reichlich vorhandenen Abenteuern stellen kann. Für einen erfahrenen Ritter wie Prinz Kaltbluth mag das eine passende Umgebung sein, doch der besonnene Qwert ist damit schnell überfordert. So kommt es dazu, dass er schon bald versehentlich ein gefährliches Wesen befreit und dadurch die Riesengletscherzwerge namens Fünf, Sieben, Drei, Vier, Zwei, Sechs und Eins gegen sich aufbringt. Als wäre dies nicht bereits problematisch genug, begegnet er schon bald weiteren Feinden, die eine Rechnung mit Prinz Kaltbluth offen haben. Da Qwert nicht einmal weiß, was er angeblich verbrochen hat, sind Verhandlungen schwierig. Wie gut, dass ihm sein treuer Knappe, der Gnom Oyo, und sein tapferes Reitwürmchen Schneesturm zur Seite stehen.
Die Handlung ist absurd komisch und geistreich zugleich, voll unerschöpflicher Fantasie und Sprachgewandtheit. In Orméa begegnet man Wesen wie den Flederfröschen, die quakend durch die Gegend flattern, und rostigen Gnomen, die nicht mehr rosten können, weil sie bereits rostig sind. Zudem sind sie wahre Rechenkünstler, leiden jedoch hin und wieder unter Zahlenschluckauf. Schneesturm sollte eigentlich der Name eines weißen Rosses sein, ist hier aber ein Reitwürmchen.
Ein beliebtes Stilmittel in diesem Roman sind Kofferwörter, wie man es zum Beispiel von Brunch her kennt: eine Kombination aus Breakfast und Lunch. Hier kommt es zu Neuschöpfungen wie „Spongesprü“ oder „Unwarzu“, was für „spontane Gedankensprünge“ und „unwahrscheinliche Zufälle“ steht. „Qwert Zuiopü“ ist jedoch kein Kofferwort, stattdessen scheint Walter Moers’ Katze wohl quer über seine Tastatur gelaufen zu sein.
Wem Zamonien bereits ein Begriff ist, der erhält mit diesem Roman genau das, was er erwartet. Alle anderen haben nun ebenfalls die Gelegenheit, grandiosen Humor in einem einzigartigen Fantasy-Setting zu erleben. Vorkenntnisse sind grundsätzlich nicht notwendig, doch Kenner freuen sich über die Begegnung mit bekannten und auch weniger bekannten Figuren, wie dem Protagonisten dieses Werkes, der bisher nur eine Nebenrolle in „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ hatte. Die entsprechende Szene wurde als Bonus am Ende des Buches hinzugefügt. Danach wird es noch einmal verständlicher, warum Orméa für den aus einer amorphen durchsichtigen Gallertmasse bestehenden Prinzen so befremdlich ist.
Der Roman liegt als Hardcover vor und ist mit 17 x 24 cm relativ groß. Somit ist für die über 70 Illustrationen reichlich Spielraum geboten, welcher auch genutzt wird. Manche Abbildungen sind vollflächig oder ziehen sich komplett über das untere Drittel einer Doppelseite, andere befinden sich einfach mittendrin. Der Preis von 42 Euro mag zunächst abschreckend erscheinen, doch sobald man das Buch genauer betrachtet hat, wird dieser nachvollziehbar. Die erste Auflage bringt übrigens eine kleine Besonderheit mit sich: Nur diese hat einen Kopffarbschnitt. Neben außergewöhnlichen Zeichnungen findet man auch Besonderheiten in der Typografie. Das kann ein Angstschrei sein, der über die ganze Seite geht, oder eine eigene Schriftart für Auszüge aus dem „Handbuch des edelmännischen Ritterstandes“ und die geheimnisvolle Stimme, die hin und wieder zu Qwert spricht.
Fazit: Wem Zamonien bereits ein Begriff ist, der wird diesen Roman lieben. Alle anderen haben nun ebenfalls die Gelegenheit, absurd komischen und zugleich geistreichen Humor in einem einzigartigen Fantasy-Setting zu erleben.
Qwert
Fantasy-Roman
Walter Moers
Penguin 2025
ISBN: 978-3-328-60427-3
592 S., Hardcover, deutsch
Preis: 42,00 EUR
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