Mother Nature – Die Rache der Erdgeister

Die Cobalt-Gesellschaft sorgt für sauberes Wasser in dem von Dürren geplagten Catch Creek, bis sich herausstellt, dass sie eine nicht ganz so saubere Hintergrundgeschichte hat. Dies weckt einen mächtigen Naturgeist, der auf die harte Tour mit der Menschheit abrechnet.

von Alice

Die Cobalt-Gesellschaft hat eine umweltfeindliche Hintergrundgeschichte, da in der Vergangenheit mit Radium gearbeitet wurde und es später ein Ölförderprojekt gab. Nun soll dies wieder gut gemacht werden, indem Wasser zu Trinkwasser aufbereitet wird. Als es dabei zu Schwierigkeiten kommt, verfällt Cobalt jedoch in ein altes Muster und verbreitet Lügen, um ein Skandal zu verhindern. 

Nova Terrell musste in ihrer Kindheit mit ansehen, wie ihr Vater bei einem Arbeitsunfall brutal ums Leben kam. Sein Arbeitgeber war die Cobalt-Gesellschaft, weshalb sie einen unstillbaren Hass für diese empfindet und damit ist sie nicht allein: Mysteriöse Ereignisse deuten darauf hin, dass durch Cobalt ein mächtiger Naturgeist geweckt wurde. Dieser rechnet mit allen Menschen ab, die ihm in die Quere kommen. Eines Tages verschwindet auch Nova. 

Der Naturgeist basiert auf einer Geschichte, die man sich in der Kultur der Diné erzählt. Hierbei handelt es sich um einen der größten indianischen Stämme der Vereinigten Staaten. Geschichten der Diné sind eine eher unübliche Thematik für Graphic Novels, was „Mother Nature“ einen besonderen Reiz verleiht. In dieser Graphic Novel sorgt der Naturgeist mehrmals für schockierende, brutale Szenen, die blutig dargestellt werden. Die bedrohliche Stimmung wird zum einen dadurch erzeugt, dass die übernatürliche Kraft äußerst mächtig ist, aber vor allem kann es jederzeit jeden treffen. Der Naturgeist rächt sie nicht gezielt an Umweltverschmutzern, sondern rechnet mit der ganzen Menschheit ab und somit trifft es häufig Unschuldige, was eine beängstigende Stimmung erzeugt.

„Mother Nature“ ist aber nicht nur eine Horror-Geschichte, sondern bringt mit seinen stolzen 184 Seiten mehr mit als das. Es wird eine queere Liebesbeziehung thematisiert und darauf eingegangen, wie Nova gegen eine traumatische Erinnerung ankämpft. Zudem sind nicht alle Mitarbeiter von Cobalt schlechte Menschen. Viele meinen es ernst und wollen der Bevölkerung mit sauberem Wasser etwas Gutes tun. Im Laufe der Handlung gibt es jedoch immer wieder Szenen, die unlogisch erscheinen und auch später nicht erklärt werden. Möglicherweise liegt es an unglücklichen Formulierungen in den Dialogen oder daran, dass bei den Zeichnungen an den falschen Stellen etwas weggelassen wurde. Man hat häufiger das Gefühl, dass einem etwas entgangen ist. Zunächst gibt man sich der Hoffnung hin, dass es später aufgelöst wird, dann schaut man noch einmal nach, ob man etwas übersehen hat, nur um dann festzustellen, dass Fragen offenbleiben, die nicht hätten offenbleiben sollen. 

Die Graphic Novel liegt als Hardcover in einem Format von 18 x 27 cm vor, was sich zwischen DIN A4 und DIN A5 befindet und somit ausreichend Platz für die Illustrationen bietet. Die Zeichnungen sind sehr detailreich, zum Beispiel wurde bei einer Küche, die nur als Hintergrund dienen soll, jedes einzelne Gerät detailliert ausgearbeitet. Die Zeichnungen der Charaktere sind häufig fotorealistisch, was von der Farbgebung allerdings nicht vollendet wird. Die Koloration erinnert an Aquarell, was den Illustrationen einen hohen Wiedererkennungswert verleiht und in manchen Szenen auch beeindruckend schön erscheint. Insgesamt hat man jedoch häufiger den Eindruck, dass dieser Stil nicht ganz zur Graphic Novel passt. Die Farben sind zu bunt und fröhlich für solch eine düstere Geschichte. Immer wieder kommt es vor, dass Hintergründe sehr dominant wirken und stark von der eigentlichen Handlung ablenken.

Am Ende der Graphic Novel gibt es noch ein Nachwort von Brian Lee Young und ein Interview mit Jamie Lee Curtis und Russell Goldman, welche beide interessant zu lesen sind. Darin erfährt man unter anderen, dass „Mother Nature“ ursprünglich ein Filmdrehbuch war. Zusätzlich kann man die Entwicklungsschritte des Covers betrachten.

Leseprobe

Fazit: Mit dem Aufgreifen einer Geschichte eines indianischen Stammes und der Aquarell-Optik werden gleich zwei ungewöhnliche Ansätze verfolgt, die „Mother Nature“ zu etwas Einzigartigem machen. Die schaurige Atmosphäre kommt gut rüber, doch gibt es immer wieder Szenen, die unlogisch erscheinen, was für den Leser frustrierend sein kann.

Mother Nature – Die Rache der Erdgeister
Comic
Jamie Lee Curtis, Karl Stevens, Russell Goldman 
Panini Comics 2026
ISBN: 978-3-7416-3827-5  
184 S., Hardcover, deutsch
Preis: 29,00 EUR

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