Mission Amazonia

Der Amazonas ist mehr als nur ein Sehnsuchtsort auf der Weltkarte – er ist Lebensraum, Klimaregulator und Konfliktzone zugleich. In „Mission Amazonia“ schlüpft ihr in die Rolle eines brasilianischen Teams von Regenwaldschützern, das sich der illegalen Abholzung, der Wilderei und dem zerstörerischen Goldabbau entgegenstellt.

von Sabrina

Zum Spiel

Das kooperative Spiel ist als Kampagne über zehn Kapitel angelegt, die jeweils in einer von drei Regionen spielen und neue Regeln sowie Herausforderungen mit sich bringen. Zudem erlebst du die Abholzung in 5-Jahres-Schritten, ab den 1989er Jahren und kannst die Veränderungen auf den Karten der 3 Gebiete, in denen „Mission Amazonia“ spielt, erschreckend nachvollziehen. Ziel jedes Kapitels ist klar definiert: Bevor zwölf Marker auf der Misserfolgsleiste landen, müsst ihr gemeinsam zwölf Tiermarker auf die Erfolgsleiste bringen – sprich, 12 Missionen erfüllen, um bedrohte Arten zu schützen.

Herzstück von „Mission Amazonia“ ist ein Deckbuilding-Mechanismus. Jede*r von euch startet mit einem eigenen Kartendeck aus Basis-Aktionskarten, die Bewegung über Land- oder Flusswege sowie das Generieren von Geld ermöglichen. In eurem Zug spielt ihr 4 Handkarten aus, um eure Spielfigur über asphaltierte Straßen, unbefestigte Waldwege oder Flüsse zu bewegen, Spezialkarten zu kaufen oder Unterstützungskarten zu nutzen. Am Ende zieht ihr wieder auf vier Handkarten nach. Das erinnert strukturell an klassische Deckbuilder, doch hier steht nicht das individuelle Optimieren im Vordergrund, sondern das effiziente Zusammenarbeiten unter Zeitdruck.

Die Missionen werden als Karten offen ausgelegt und mithilfe eines Missionsort-Finders auf dem Spielplan verortet. Ihr plant also nicht nur, wer welche Fähigkeit einbringt, sondern auch, wie ihr mit möglichst wenigen Zügen die oft weit auseinanderliegenden Einsatzorte erreicht. Um eine Mission zu erfüllen, müsst ihr die geforderten Bedingungen erfüllen – meist eine bestimmte Anzahl an Mut, manchmal zusätzlich Spezialfähigkeiten wie Tierpflegeausbildung oder Verhandlungsgeschick mit Indigenen. Gerade Missionen in indigenen Gebieten verlangen Fingerspitzengefühl und die passende Charakterauswahl.

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Konflikte gehören dabei zum Alltag. Viele Missionen zeigen ein Würfelsymbol: Dann kommt es beim Erfüllen zur Auseinandersetzung mit bewaffneten Holzfällern oder Wilderern. Mit dem Konfliktwürfel riskiert ihr Verletzungen. Zu viele davon führen zur Kündigung eines Teammitglieds – was nicht nur eure taktischen Möglichkeiten einschränkt, sondern auch einen Marker auf die Misserfolgsleiste bringt. Schutzwesten, Funkgeräte und andere Unterstützungskarten helfen, Risiken zu minimieren oder eure Aktionsmöglichkeiten zu erweitern. Besonders reizvoll ist, dass ihr Fahrzeuge sogar „vermieten“ könnt, um kurzfristig an Geld zu kommen – allerdings auf Kosten eurer Bewegungsoptionen in diesem Zug.

Erfüllte Missionen bringen nicht nur Geld, sondern vor allem Tiermarker in den Farben Grün, Gelb und Blau auf die Erfolgsleiste. Jede Farbe steht für eine Bedrohungsart – Abholzung, Wilderei oder Goldabbau – und für konkrete Tierarten, die im Anhang des Spiels ausführlich vorgestellt werden. Bleiben Missionen am Rundenende unerledigt, wandern entsprechende Marker auf die Misserfolgsleiste. Häufen sich dort identische Tierarten, kommen Rotelistenmarker hinzu, was den Druck weiter erhöht. Spätestens hier wird klar: „Mission Amazonia“ ist kein gemütliches Optimierungsspiel, sondern ein kooperativer Wettlauf gegen die Eskalation.

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Ab dem siebten geretteten Tier greifen zusätzlich Ereigniskarten ins Geschehen ein. Diese sind durchweg negativ und verändern Regeln teils dauerhaft für das Kapitel: Flüsse führen Niedrigwasser, Straßen sind blockiert oder politische Entscheidungen streichen euch Budgetkarten aus dem Deck. So entsteht eine dynamische Dramaturgie, die jede Partie anders verlaufen lässt und eure Planung immer wieder über den Haufen wirft.

Mit fortschreitender Kampagne kommen Erfahrungsmarker, neue Charaktere und zusätzliche Spezialfähigkeiten ins Spiel. Ihr könnt Zusatzbewegungen freischalten, Verletzungen heilen oder euch temporär zusätzliche Fähigkeiten wie Mut oder Verhandlungsgeschick sichern. Dadurch wächst nicht nur euer Deck, sondern auch eure strategische Bandbreite. Trotz des klar strukturierten Zugablaufs entwickelt sich so eine erstaunliche taktische Tiefe, bei der Timing, Absprache und Risikomanagement entscheidend sind.

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Neben der kooperativen Variante stehen auch ein kompetitiver Spielmodus sowie ein Solomodus zur Verfügung, die sich beide auf das zehnte Kapitel in drei unterschiedlichen Varianten beziehen. In diesen Modi entwickelt sich das Spiel zu einem Wettlauf um Forschungspunkte. Kapitel 10 muss dabei nicht zwingend als Abschluss aller anderen Kapitel gespielt werden, sondern kann flexibel jederzeit gewählt werden.

Spieleindruck

Thematisch und vom Material her ist „Mission Amazonia“ wirklich sehr schön umgesetzt. Das Spiel verbindet kooperative Mechaniken und Wissen mit einer deutlichen ökologischen Botschaft, ohne dabei ins Belehrende abzurutschen. Die bedrohten Tierarten werden vorgestellt, reale Probleme wie Quecksilbervergiftung oder Brandrodung benannt, und im Anhang finden sich Hinweise, was ihr im echten Leben zum Schutz des Regenwaldes beitragen könnt. Das verleiht dem Spiel eine Ernsthaftigkeit, die über das reine Spielerlebnis hinausweist.

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Spielerisch richtet sich „Mission Amazonia“ an Gruppen, die kooperative Planung mögen und bereit sind, sich auf ein Kampagnensystem einzulassen. Der Verwaltungsaufwand ist moderat, die Regeln sind klar strukturiert, und auch nach längerer Pause kommt man gut wieder ins Spiel rein. In jedem Kapitel gibt es ein Intro mit geschichtlichem Hintergrund und einen Überblick der Regelzusätze. So muss nicht mühsam in der Anleitung gesucht werden, sondern man hat alles passend zum Kapitel zusammengefasst. Der „Kartenüberblick“ hilft zusätzlich, nicht den Überblick zu verlieren, welche Karten für welches Kapitel benötigt werden. 

Die Altersangabe ab 10 sollte nicht unterschätzt werden. Wir sind alles Vielspieler*innen und es ist kein einfacher Durchmarsch gewesen. Insbesondere das 1. Kapitel ist schon recht knackig, also nicht den Mut verlieren oder bei der Erstpartie gleich mit 500/1000 $ starten. Zugegeben, wir haben die ersten drei Kapitel immer zweimal spielen müssen, sodass wir dazu übergegangen sind, immer gleich mit 500 $ zu starten.

Definitiv hilfreich: Es gibt ein Regelvideo (siehe QR-Code auf der Rückseite der Spielanleitung).

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Ergänzend dazu stehen begleitende Unterrichtsmaterialien sowie ein didaktisch ausgearbeitetes Konzept für den Einsatz im Schulunterricht als Download bereit. Einfach über die Homepage melden, um den Download-Link zu erhalten. Wer das Spiel in der Schule einsetzen möchte, sollte es definitiv selber erst einmal ausprobieren und einschätzen, ob die Zielgruppe den Anforderungen gewachsen ist, damit der Spielspaß auch gegeben ist.

Fazit: Uns hat „Mission Amazonia“ nicht nur gefordert, sondern auch wirklich Spaß gemacht. Wir haben immer gleich mehrere Kapitel hintereinander gespielt und ich beziehungsweise wir haben uns immer schon auf die nächsten Partien gefreut. Ein Spiel, welchem ich gut und gerne eine Empfehlung aussprechen möchte. 

Mission Amazonia
Brettspiel für 2 bis 4 Spielende ab 10 Jahren
Markus Lehmann, Victor Sales
Humming Games 2025
Sprache: Deutsch 
Preis: 49,00 CHF 

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