Liebe so heiß wie ein Vulkan (Heldenwerk)

Zwerge! Schwarz-Tobrien! Liebe, so heiß wie ein Vulkan! Das neueste „Heldenwerk“ verspricht Großes – lassen wir uns überraschen, ob es sein Versprechen einhalten kann.

von André Frenzer

Ein wenig überrascht war ich tatsächlich schon, als ich den Titel des Abenteuers las – die April-Ausgabe des „Aventurischen Boten“ lässt doch noch ein wenig auf sich warten? Und fast noch mehr überraschte mich die Inhaltsangabe, welche ich an dieser Stelle einmal wortgetreu wiedergeben möchte:

„Die Helden helfen dem Zwergen Cobaltosch aus einer misslichen Lage und werden von seiner Sippe als Begleiter ausgewählt, um eine schwierige Mission zu erfüllen: Sie sollen das Amulett der begehrten Zwergin Turmaline finden. Wer ihr das Amulett zurückbringt, den möchte sie heiraten. Leider befindet sich das Kleinod in den Schattenlanden und die Helden und Cobaltosch müssen sich zudem einer harten Konkurrenz erwehren, die sich ebenfalls Hoffnung auf Turmalines Hand machen. Nach einer gefahrvollen Reise durch Tobrien gelangt die Gruppe an die Stelle, wo sie das Amulett vermuten.

Calador, der Zielort in den Schattenlanden, ist ein verlassener Ort voller Gefahren. Nur wenn die Helden mutig genug sind, in die verlassene Binge einzudringen und sich den zurückgelassenen Schrecken der Borbaradianer zu stellen, werden sie Erfolg haben. Zudem müssen sie entscheiden, welchem Konkurrenten sie trotz der Aufgabe trauen können und welcher ein falsches Spiel mit ihnen spielt.“

Wie sollte all das auf den üblichen 16 Seiten eines Heldenwerkes geschehen? Sorgen nicht einmal mehr die Formatvorgaben für reichlich Mängel in der Ausarbeitung?

Nun, tatsächlich hat mich „Liebe so heiß wie ein Vulkan“ nicht enttäuscht. Das liegt zum einen daran, dass die grobe Plotzusammenfassung teils ein wenig großspurig daherkommt – was den Wert des Abenteuers aber nicht schmälert – und zum anderen daran, dass Autor Carsten Weißmüller geschickt mit dem zur Verfügung stehenden Platz umzugehen weiß. So gelingt es dem Autor mühelos, alle notwendigen Hintergrundinformationen und Beschreibungen im Text zu platzieren. Zugleich gibt er einige interessante Begegnungen und Vorschläge für die bevorstehende Reise.

Dabei wird nicht der Fehler gemacht, das Abenteuer in einen zu engen Rahmen zu zwängen. Stattdessen finden wir Vorschläge und eine Art Baukasten, aus dem sich die geneigte Spielleitung die eigene Expedition in die Schattenlande zusammenstellen kann. Die „harte Konkurrenz“ kann ganz unterschiedlich eingesetzt werden, ebenso steckt Calador nur so voll von Gefahren, wie es die Spielleitung eben für nötig erachtet. Durch den gelungenen Aufbau lässt sich auch diese recht groß angelegte Geschichte problemlos aus dem „Heldenwerk“-Format heraus leiten.

Inhaltlich hat mich „Liebe so heiß wie ein Vulkan“ ebenfalls voll überzeugt. Das Abenteuer ist charmant in den aventurischen Hintergrund eingebettet, bietet heldenhafte Taten für tapfere Recken, eine plausible Handlung, glaubhafte Charaktere und führt auch endlich noch einmal in die Schattenlande, welche schon lange nicht mehr Thema eines „Heldenwerk“ waren.

Optisch erwarten den Leser keine großen Überraschungen. Die wenigen Illustrationen sind auf hohem Niveau. An eine Karte der zu findenden Zwergenbinge wurde gedacht, allerdings fehlt – wie so häufig – eine Überlandkarte, auf der die Helden ihren Reisefortschritt nachvollziehen können. Das Layout wiederum ist sauber und aufgeräumt, Textkästen mit Spielwerten erhöhen die Wiederauffindbarkeit derselben. Lektorat und Korrektorat sind gut gelungen.

Fazit: „Liebe so heiß wie ein Vulkan“ ist trotz des albern anmutenden Titels ein tolles Abenteuer und ein starkes „Heldenwerk“. Empfehlenswert.

Liebe so heiß wie ein Vulkan (Heldenwerk)
Abenteuerband
Carsten Weißmüller
Ulisses Spiele 2026
ISBN: n. a.
16 S., Softcover, deutsch
Preis: 5,95 EUR

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