von Alice
Ringbote: Hallo Peter, erzähl mal, wer du so bist.
Peter Osteried: Ich bin seit knapp 30 Jahren als Journalist tätig. In all der Zeit kam viel anderes dazu. Sachbücher schon sehr früh, hin und wieder Übersetzungen, vor ein paar Jahren der Verlag Immundula mit einem recht bunten Portfolio an Film- und Fernsehmagazinen. Und kurz vor Gründung von Immundula hatte ich auch mit dem Schreiben meines Romans „Mord in Geektown“ begonnen. Ich hatte davor nur einen anderen Roman geschrieben, der aber hier in einer Schublade schlummert. Wer weiß, vielleicht staube ich ihn irgendwann mal ab, falls er mir noch gefällt – ich habe seit Jahren keine Zeile mehr davon gelesen.
Ringbote: Was bedeutet das Geek-Sein für dich?
Peter Osteried: Auf jeden Fall nicht mehr, dass man Hühnern den Kopf abbeißt. Aber im Ernst: Im Grunde ist es nur ein Begriff. Will man’s ein bisschen eleganter, ist man ein Connaisseur oder Aficionado, und wo ist schon die Trennlinie zwischen Nerd und Geek? In erster Linie heißt es einfach nur, dass man Filme und Serien, Romane und Comics, Games und vieles mehr (aber nicht notwendigerweise alles zusammen) mehr liebt, als es ein Gelegenheitszuschauer tut. Wir brauchen Popkultur wie die Luft zum Atmen.
Ringbote: Was war deine Motivation zu „Mord in Geektown“?
Peter Osteried: Einen Roman zu schreiben, der sich weitestmöglich von meinem Debüt „Interview mit Marilyn Monroe“ abhebt. Die Idee dazu hatte ich schon vor vielen Jahren, aber da wusste ich nur, dass es a.) eine Stadt voller Geeks sein und b.) ein Mord passieren würde. Als ich mit dem Schreiben des Romans begann, hatte ich dann schon ein paar Ideen mehr, aber wie das bei mir immer so ist, war vieles nicht von vornherein in Stein gemeißelt, sondern entwickelte sich. Das fühlt sich, auch wenn es schräg klingt, so an, als würde die Geschichte ihr Eigenleben entwickeln, als würden die Figuren versuchen, auf ihre eigene Art zu agieren.
Ringbote: Wie lange hast du daran gearbeitet? Gab es Hürden?
Peter Osteried: Ich habe ziemlich genau ein Jahr für das Schreiben des Romans gebraucht. Hürden gab es eigentlich keine. Wenn ich doch mal nicht weiterweiß, bespreche ich das jüngste Kapitel mit meiner Frau Isi, die immer so geduldig ist und sein muss, das Buch als Fortsetzungsroman zu lesen – Kapitel für Kapitel, mit Pausen dazwischen.
Ringbote: Was darf bei deinem kreativen Schreibprozess auf keinen Fall fehlen?
Peter Osteried: Jack Daniels rechts der Tastatur, die Zigarre links davon. Nein, Spaß beiseite, da ich nicht rauche und trinke, würde mir das nicht viel bringen. Aber was ich schon brauche, ist Ruhe. Also ich mag es nicht, mich beim Schreiben von Musik berieseln zu lassen. Ich habe es lieber still.
Ringbote: Stell dir vor, du würdest selbst in Geektown leben. Wie würde dein Zuhause aussehen?
Peter Osteried: Das ist eine gute Frage. Eine, die ich mir selbst auch schon gestellt habe. Wenn man in einem Haus leben könnte, das aus einem Film oder einer Serie bekannt ist, welches wäre es denn dann? Auf jeden Fall was Geräumiges mit reichlich Platz für Regale – irgendwo müssen die ganzen Bücher und Filme ja unterkommen. Also vielleicht das Haus aus „Locke & Key“, da kann man sich gut ausbreiten. Das gläserne Haus aus „Ferris macht blau“ ist auch toll, aber wohin da mit den Regalen?
Ringbote: Was sind deine Lieblingsfilme- und/oder Serien und was begeistert dich besonders an diesen?
Peter Osteried: Ach, das ist eine uferlose Liste. Bei Filmen: „Meine teuflischen Nachbarn“, „Watchmen“, „Star Trek 1-6“, „Star Wars 4-6“, „Grüne Tomaten“, „Blade Runner“ und „Scream“ – das sind einfach solche, die ich dutzendfach gesehen habe. Bei Serien „Buffy“, „Space 2063“, verschiedene „Star Trek“-Serien, „Babylon 5“, „Vikings“, „Roseann“ und „Veronica Mars“. Aber die Liste könnte sich jeden Tag nach Lust und Laune ändern. Manches habe ich einfach im richtigen Alter gesehen, anderes spricht mich auf unterschiedliche Arten an.
Ringbote: Mit „Geschichten aus Geektown“ gibt es bereits einen erneuten Ausflug nach Geektown. Wird es darüber hinaus weitere Werke geben? Was erwartet den Leser?
Peter Osteried: Genau. Die Idee zu der Anthologie gab es während des Schreibens von „Mord in Geektown“. Ich hatte da immer Ideen für kleine Geschichten, die in der Haupthandlung keinen Platz gehabt hätten. Als ich dann mit dem Roman fertig war, schrieb ich erstmal einige davon, dann zeigte ich eine davon meinem Verleger Björn Sülter, der begeistert war, und so wurde „Geschichten aus Geektown“ zum zweiten Band der Reihe. Das Buch enthält 25 Geschichten, die sich tonal sehr unterscheiden. Manches ist witzig, anderes schräg, aber auch ernsthaft und dramatisch und bisweilen auch brutal.
Es kommen Figuren aus „Mord in Geektown“ vor, aber auch ganz neue, wobei eine davon im dritten „Geektown“-Buch auch dabei ist. Das trägt den Titel „Geektown sehen und sterben“ und wird Mitte des Jahres erscheinen. Ich fühle mich einfach sehr wohl in diesem kleinen, nerdigen Universum. Darum habe ich auch vor, das weiter peu à peu auszubauen. Zwar möchte ich als nächstes erstmal was anderes schreiben (was ich sagen kann: es hat einen realen Hintergrund und ist witzig), aber dann auch wieder zu „Geektown“ zurückkehren. Ich habe Ideen für die Geschichten der Romane 4 bis 6. Danach muss man mal weitersehen.
Ringbote: In „Mord in Geektown“ bleiben Fragen zum Drahtzieher offen. Werden diese noch aufgegriffen?
Peter Osteried: Findest du, dass das offenbleibt? Ich denke eigentlich schon, dass am Ende sehr klar ist, wer die Strippen warum zieht. Aber es wird nicht alles ausformuliert, da hast du vielleicht recht, weil die Figur auch künftig noch auftauchen wird. Ob dann als Antagonist oder nicht, wird sich zeigen. Ich versuche, bei der Figurenzeichnung eine Ambivalenz zu erreichen – niemand ist nur gut oder nur böse, und natürlich sieht sich ein Schurke sowieso nie als solchen.
Aber ja, die eine oder andere Sache wird wieder aufgegriffen. So gibt es in „Geschichten in Geektown“ eine Story, die ein kleines Mysterium aus „Mord in Geektown“ aufklärt, und eine andere, die parallel zu Ereignissen in „Mord in Geektown“ spielt und einen Cameo zweier Figuren des Romans beinhaltet. Es war nie wirklich geplant, aber ich merke, dass ich so langsam nach und nach ein richtiges „Geektown“-Universum aufbaue.
Ringbote: Wir sind auf jeden Fall gespannt auf die weiteren Geschichten und wünschen viel Erfolg damit.
