von Alice
Ringbote: Hallo Oliver, erzähl mal, was du so tust.
Oliver: Ich schreibe und übersetze, und gelegentlich nehme ich auch Lehraufträge wahr.
Ringbote: Warum hast du dich dazu entschieden, Mary Shelley und den Tod ihres Mannes in den Mittelpunkt deines Romans zu stellen?
Oliver: Die Idee dazu entstand aus der Recherche für ein Seminar zu dystopischer und postapokalyptischer Literatur. Mary Shelleys „The Last Man“ gilt als früher, vielleicht erster Vertreter des Genres, und mich interessierte, welche persönlichen Erfahrungen sie zu einem so düsteren Thema getrieben hatten.
Ringbote: Welche Quellen und Materialien waren für deine Recherche besonders wichtig?
Oliver: Ich habe zu jeder Hauptfigur mehrere Biographien gelesen. Zum Glück ist die Quellenlage auch dank der Tagebücher und Briefe der Shelleys sehr ergiebig, man kann ihre Zeit in Italien fast lückenlos nachzeichnen.
Ringbote: Warst du in La Spezia oder anderen Schauplätzen des Romans vor Ort?
Oliver: Ich stand tatsächlich mal an dem Strand, an dem die Leiche von Percy Shelley 1822 eingeäschert wurde. Bloß wusste ich das damals noch nicht ...
Ringbote: Gab es bei deinen Recherchen Erkenntnisse, die dich verblüfft haben?
Oliver: Wie repressiv das politische System und die Moralvorstellungen der Menschen damals noch waren. Ein Leben ohne Monarchie und Gott galt als radikaler Gedanke. Allerdings dachten viele dieser Radikalen ihr Konzept von Freiheit noch nicht konsequent zu Ende. Gerade Frauen machte man es nach wie vor sehr schwer, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Ringbote: Wie lange hast du an dem Roman gearbeitet? Gab es Hürden?
Oliver: Etwa ein Jahr. Die größte Herausforderung war vielleicht die Erzählsituation – ich wollte Pats unverstellten Blick auf die Dinge, aber nicht zu früh ihre Hintergründe verraten.
Ringbote: Wenn Mary Shelley deinen Roman hätte lesen können – was glaubst du, wie hätte sie darauf reagiert?
Oliver: Damit berührst du ein schwieriges Thema: Ich schrieb über Menschen, die wirklich gelebt haben, und das vor gerade mal zweihundert Jahren. Viele von ihnen sind ikonische Figuren, und natürlich wollte ich ihnen mit Respekt begegnen, auch wenn ich sie zu Hauptfiguren eines phantastischen Romans machte. Ich gab mir große Mühe, sie so zu präsentieren, wie ich sie bei der Recherche kennenlernte, und ihren Stärken und Schwächen gerecht zu werden.
Ringbote: Wenn du selbst in die Erinnerungen einer Person reisen könntest, welche Person würdest du besuchen wollen, und warum?
Oliver: Eine schwierige Frage. Ich würde schon gerne zur bestimmten Orten und Momenten der Vergangenheit reisen, um zu erleben, was ich nur aus Büchern und Filmen kenne. Eine konkrete Person kann ich aber nicht nennen.
Ringbote: Mit welchen literarischen Werken befasst du dich aktuell am liebsten?
Oliver: Aktuell lese ich mich vor allem in Jugendliteratur ein, weil ich ein Seminar dazu vorbereite.
Ringbote: Hast du schon Ideen für dein nächstes Projekt? Arbeitest du bereits daran?
Oliver: Ich arbeite gerade an einem Historienroman, der hoffentlich Frühjahr 2027 fertig sein wird.
Ringbote: Herzlichen Dank für das Interview. Und viel Erfolgt beim Schreiben.
