Die Geister von La Spezia

Pat kann in Erinnerungen reisen und diese miterleben, als wäre sie selbst dabei. Sie kann währenddessen sogar interagieren und diese dadurch manipulieren. Eines Tages begibt sie sich in die Erinnerungen der durch „Frankenstein“ berühmt gewordenen Autorin Mary Shelley, um herauszufinden, woran ihr Mann gestorben ist. Schon bald hat Pat mehr Einfluss auf die Ereignisse als ursprünglich beabsichtigt.

von Alice

Im Jahre 1822 bekommt die Witwe Mary Shelley überraschend Besuch von einer Frau, Pat, die im Auftrag des Vaters ihres verstorbenen Mannes überprüfen soll, ob der Tod wirklich ein Unfall war. Marys Mann, Percy Bysshe Shelley, ist bei einem Segelunglück im Golf von La Spezia ums Leben gekommen, doch möglicherweise steckt mehr dahinter. Pat ist jedoch keine Polizistin, sondern untersucht den Fall, indem sie mit Hilfe eines außergewöhnlichen Geräts in Marys Erinnerungen eindringt. Hierbei hat sie nicht nur Zugriff auf Ereignisse, an die sich Marys bewusst erinnert, sondern auch auf alles, was ihr Unterbewusstsein abgespeichert hat. So kann selbst Mary noch die ein oder andere Überraschung erleben. 

Pats Reise beginnt mit einer mehr oder weniger zufälligen Begegnung mit Marys Freunden, die Pat herzlich aufnehmen. Zunächst ist Pat vor allem eine aufmerksame Beobachterin, doch bringt sie sich mit der Zeit immer häufiger ein und wird Teil des Freundeskreises. Gemeinsam spielen sie Theater, unterhalten sich über Literatur, gehen segeln oder schießen als Freizeitvertreib mit Pistolen. Pat lernt ihre neuen Freunde nach und nach besser kennen und erlebt mit eigenen Augen, wie leidenschaftlich, aber zugleich auch konfliktreich die Beziehung zwischen Mary und Percy ist. Als Pat sich unangenehmen Themen zu sehr nähert, wird sie von Mary jedoch zurückgedrängt und es kommt zu einer Unterbrechung der Erinnerungsreise.

Die beiden Frauen sprechen daraufhin darüber und Pat wird klar, wie misstrauisch und emotional erschöpft Mary ist, dennoch lässt sie es zu, dass sie erneut in ihre Erinnerungen eindringen darf. Wenn Pat zu neugierig wird, kommt es jedoch wieder zu Abbrüchen. Pat überlegt sich daraufhin neue Zeitpunkte und Themen, um einen anderen Einstiegspunkt zu erhalten und so gibt es immer wieder Szenenwechsel und Zeitsprünge. Nach einigen Versuchen findet sie sogar heraus, dass sie innerhalb einer Erinnerung, in die Erinnerung anderer Personen reisen kann, doch auch diese zeigen ihr Grenzen. Zu den schwierigen Themen gehören unter anderem zwei von Marys Kindern, die bereits in den ersten Lebensjahren verstorben sind, geheime Liebschaften und ein wissenschaftliches Experiment in einem Keller. Immer wieder entdeckt Pat zudem Risse in der Erinnerung, bei denen sie sich nicht sicher ist, ob es verdrängte Wahrheiten sind oder es eine andere Ursache gibt. 

Die Reise in die Erinnerungen hat viele Ähnlichkeiten mit einer Zeitreise, ein Thema, das vollkommen zurecht immer wieder in Romanen aufgegriffen wird. Die Variante in „Die Geister von La Spezia“ ist auf jeden Fall außergewöhnlich und bringt neue Ideen mit. Gleichzeitig erfährt man einiges über Mary Shelley und ihr damaliges Leben. Die Geschichte ist an sich zwar fiktiv, doch nimmt sie größtenteils Bezug auf historische Ereignisse. Durch diesen Roman erhält man einen guten Einblick, mit welchen Schwierigkeiten die Schriftstellerin zu kämpfen hatte. Wer gerne mehr über Mary Shelley erfahren möchte, eine Biografie aber zu langweilig findet, könnte mit diesem Werk eine neue Möglichkeit für sich entdecken, denn dieser Roman liest sich lebendig und atmosphärisch. Gleichzeitig ist „Die Geister von La Spezia“ anspruchsvoll und verlangt somit volle Aufmerksamkeit. Dies liegt unter anderem an einem komplexen Handlungsablauf durch die häufigen Szenenwechsel und an den zahlreichen Charakteren, bei denen man schon einmal den Überblick verlieren kann.

Leseprobe

Fazit: „Die Geister von La Spezia“ ist ein anspruchsvoller Roman, der auf ungewöhnliche Weise historische Ereignisse mit phantastischen Elementen verbindet. 

Die Geister von La Spezia
Fantasy-Roman
Oliver Plaschka
Hobbit Presse Klett-Cotta 2026
ISBN: 978-3-608-98885-7
416 S., Hardcover, deutsch 
Preis: 25,00 EUR

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