von KaiM und LarsB
Ringbote: Klaus, schön, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Magst du vielleicht zum Einstieg ein bisschen was über dich erzählen? Wie bist du zu Pegasus gekommen, wie lange bist du schon da und was bindet dich an den Verlag?
Klaus: Die Geschichte, wie ich zu Pegasus gekommen bin, ist sicher spannend, denn wir haben hier in der Spielebranche ja keine klassische Ausbildung. Ich habe vorher ganz andere Jobs gemacht. Ich bin Diplom-Biologe und Buchhändler, habe also erst das Diplom gemacht und dann extern die Buchhändler-Ausbildung drangehängt. Während der Elternzeit bin ich dann immer mehr in den Spieleladen gerutscht, für den ich Spiele-Nachmittage veranstaltet habe. Irgendwann fragte der Agentum-Verlag an, ob ich sie im Vertrieb unterstützen möchte. Das lief gut, und als dort jemand für die Redaktion gesucht wurde, habe ich das übernommen. Mein erstes Spiel dort war mit Hans im Glück, danach kam eins mit Martin Wallace. Und vier Jahre später, als ich mit meinen zwei Jungs alleine war und Geld brauchte, fragte Pegasus an, weil sie einen Redakteur suchten. So bin ich am 1. April 2012 zu Pegasus gewechselt. Seit 2015 leite ich das Redaktionsteam Spiel. Spiele machen ist ein toller Beruf. Wenn man seine Leidenschaft zum Beruf macht, fühlt es sich oft weniger als Arbeit an, auch wenn es manchmal stressig ist. Mit der „Dorfromantik“-Reihe habe ich zudem eine tolle Reihe mit wundervollen Autoren, die extrem viel Freude macht.
Ringbote: Das durften wir vorhin auch schon anspielen, das neue „Dorfromantik – Südsee“ hat uns in der Fünferrunde sehr gut gefallen. Du hast gesagt, dass du dein Hobby zum Beruf gemacht hast. Was sind denn für dich privat ein bis drei ganz besondere Titel, die du jederzeit aus dem Schrank ziehen und spielen würdest, wenn die Zeit dafür da ist?
Klaus: „Kingdom Builder“ ist definitiv ein Titel, den ich in den letzten Jahren sehr viel gespielt habe – mit sämtlichen Erweiterungen. Ich finde, die Jury zum Spiel des Jahres macht einen super Job. Ohne sie wäre „Kingdom Builder“ bei mir völlig untergegangen, für mich war „Las Vegas“ die klare Nummer eins. Auch wenn viele sagten, man ziehe ja nur eine Karte. Ich habe das dann zwei Jahre später angefangen intensiv zu spielen und finde es großartig. Ansonsten bin ich ein Vielspieler unterschiedlichster Genres. „Puerto Rico“ ist aber definitiv „mein“ Spiel. Es war damals das erste Kennerspiel, bei dem man viel tun musste und das Glück selbst erzwingen konnte. Das wäre immer meine Wahl für ein besonderes Spiel. Und als drittes nenne ich natürlich die „Dorfromantik“-Reihe. Wir spielen das rauf und runter, und sobald der nächste Prototyp da ist, wird der getestet. Das ist dann in Summe das wichtigste und beste Spiel, was ich jederzeit und immer spielen würde.
Ringbote: Hast du von „Puerto Rico“ auch eine Luxusvariante im Schrank stehen?
Klaus: Nein, für sowas bin ich nicht zu haben. Ich habe wirklich nur das Original zu Hause sowie die Zehn-Jahres-Ausgabe mit dem Golddruck von 2010. Von diesen Luxus-Editionen halte ich nichts. Die verdecken oft den Spielplan mit ihren 3D-Elementen. Ich gebe kein Geld für etwas aus, das zwar hübsch aussieht, aber die schnelle Erfassbarkeit des Spiels behindert. Da spiele ich lieber die Grundversionen aus Pappe. Ich halte auch von der Luxusversion von „Burgen von Burgund“ nichts, denn man kann den Spielplan gar nicht mehr richtig sehen, weil da irgendwelche 3D-Elemente rumstehen. Ich brauche nicht mehr Geld für etwas ausgeben, wenn es den Spielfluss hemmt. Wenn ich etwas mehr Geld ausgebe, dann vielleicht für etwas wie „Zug um Zug – Legacy“, aber dann deshalb, weil es einfach ein super Spiel ist. Auch bei „Las Vegas Deluxe“ war das keine Verbesserung.
Ringbote: In die Zukunft geschaut: Jetzt habt ihr hier drei anstrengende Tage [Pressetag, Händlertag, etc.]. Die Messe in Essen steht auch vor der Tür.
Klaus: Nein, das ist nicht anstrengend. Natürlich ist es eine Sache, ständig Halbstunden-Termine zu haben. Aber in Summe sind es superschöne Treffen mit Partnern. In der Branche trifft man eigentlich nur nette Menschen, mit denen man vernünftig umgehen kann, die respektvoll und wertschätzend sind. Auch wenn die Messe anstrengend ist, weil man wenig Schlaf bekommt und viel los ist, genieße ich sie sehr. Man kann endlich die fertigen Spiele zeigen, vermitteln und erklären, warum so viel Herzblut darin steckt. Das hat mir am Anfang gefehlt, als ich nur in meiner „Höhle“ in Essen saß und Termine mit Autor*in um Autor*in hatte und nicht zeigen konnte, wie toll „Die Zwerge“ eigentlich war. Da hat mir der Kontakt gefehlt und die Möglichkeit das weiterzugeben.
Ringbote: Die Vorbereitung fühlt sich doch sicher mehr nach Arbeit an als die Messe selbst, oder?
Klaus: Da müssen wir nicht mehr so viel machen. Wir müssen nur unsere Termine machen. Heutzutage schicken uns die Partner ihre Kalender. Dann schaut man nach gemeinsamen freien Slots und bucht es ein. Viel macht schon Matthias, und ich muss nur noch schauen, wen ich noch dazu reinholen will. Die Designer-Days können mal fordernder sein. Die hatten wir erst letzte Woche. Da haben uns 198 Autorinnen und Autoren in zehn Minuten Slots ihre Spiele vorgestellt. Aber auch davon lasse ich mich in meinem Alter nicht mehr stressen. Aber Messen habe ich immer schon schön gefunden. Stressig ist es höchstens, wenn es doofe Menschen gibt, aber das passiert auf sachlicher Ebene in der Brettspiel-Szene zum Glück selten. Die Allermeisten sind super verträglich.
Ringbote: Ein schöner Teil des Jobs ist ja sicher auch, am Ende die fertigen Boxen in den Händen zu halten. Wir haben hier einige vor uns stehen. Magst du uns kurz was zu den Titeln sagen?
Klaus: Wir haben hier einige Line-Extensions, also Erweiterungen. Zum Beispiel die „Championship Box“ für „Flame Rouge“, Mega-Sets für „Warhammer 40k“ oder Erweiterungen für „Bomb Busters“, „Light Speed Arena“ und „Pixies“. Zentral sind natürlich Titel wie „Boss Fighters QR“ oder „Dorfromantik – Südsee“, die wir pflegen und weiterentwickeln. Lokalisierungen für den deutschen Markt haben wir auch dabei. Eines der Highlights ist „Fragments“, in diesem Fall „Fragments: Solara“. Es wird noch weitere Teile mit jeweils vier Kapiteln geben. Das ist ein Puzzlespiel, bei dem man ein großes Bild, bestehend aus Fragmenten, zusammensetzt. Wenn man Rätsel löst und Symbole sichtbar werden, die man zusammenfügt und Plättchen dabei sind, die man umdrehen muss, treibt das die Geschichte voran. Man spielt ein Abenteuer, das nicht kartengetrieben ist, sondern eben durch diese Stanzteile. Dadurch kommt man in der Geschichte weiter, und das ist etwas, was es in dieser Form sicher noch nicht gegeben hat.
Ringbote: Was ich interessant finde: Ihr habt bei Fragments „Spielerzahl 1+“ auf die Schachtel gedruckt. Was steckt dahinter?
Klaus: Das haben wir gemacht, weil wir uns keine künstliche Begrenzung setzen wollten. Bei „Dorfromantik“ haben wir noch 1 bis 6 Spieler geschrieben, spielen es intern aber auch problemlos mit 8 oder 9 Leuten. Bei „Fragments“ puzzelt man gemeinsam. Wir haben das „1+“ in den Vordergrund geschoben, weil es eher ein Solospiel ist, als „Dorfromantik“. Ob ein Puzzleteil passt, muss man eben ausprobieren und sieht es nicht einfach. Aber zu zweit, dritt oder viert kann man das sicher genauso gut spielen. Spielbar ist es in etwa bis 120 Minuten, es ist in sich abgeschlossen und kann komplett zurückgesetzt werden. Das nächste „Fragments“ besteht dann aus vier Kapiteln.
Ringbote: Unter den vielen Spielen fällt mir noch „12 Rivers“ auf. Das hat eine sehr ansprechende Optik mit Murmeln, die eine Schräge hinunterkullern. Warum ist das als Kennerspiel eingestuft? Auf den ersten Blick sieht es eher wie ein Familienspiel aus.
Klaus: Das ist immer die schwierige Frage, wo man ein Familienspiel und ein Kennerspiel einordnet. Wir hätten es eigentlich bei den Familienspielen einordnen wollen. Da gibt es sicher einen Graubereich und es ist immer ein Versuch, die richtige Zielgruppe zu finden. Und auch wenn es dort erstmal sehr viel für Familien gibt: Wenn man die Schachtel öffnet und die 20-seitige Anleitung sieht, verliert man reine Familienspieler sehr schnell. Das Spiel hat einige Regel-Twists und Mechanismen, die am Ende aus unserer Sicht ein Kennerspiel daraus machen.
„Minikin City“ ist vielleicht noch etwas verknüpfter, aber die Regeln sind geradliniger und deswegen ist eben noch Familie. Dann haben wir im Gegenzug „Rooms and Roomies“, das vom Thema her perfekt für Familien passen würde und es lässt sich auch super einfach spielen, aber es hat eben doch einige Regeltwists drin, die es am Ende zu einem Kennerspiel machen.
„Positano“ ist hingegen ein klassisches Familienspiel und hat eine sehr schöne Aufmachung. Es hat auch eine Schräge, aber eine ganze Steilküste, die wir hier zu bieten haben und auf die wir die Gebäude bauen. In einzelnen Runden bieten wir mit einer Karte zugleich auf das Material, den Bauplatz und die Bauaktion. Am Ende ist es schon ein Hingucker, wenn die ganzen Gebäude an der italienischen Steilküste stehen.
„Kalypso“ ist hingegen ein klassisches Kennerspiel mit besonderem Material. Hier platziert man „Tetris“-Teile, die eine raue Oberfläche haben, damit sie nicht verrutschen. Denn auf die ersten Plättchen werden noch mal Plättchen platziert und man weiß, wie nervig es ist, wenn man etwas anlegen möchte und dann alles verrutscht. Aber mit dem Material verrutscht nichts und das erhöht die Spielbarkeit deutlich.
Ringbote: Vielleicht eine Frage dazu: Für uns zeichnet sich hier gewissermaßen ein Trend hin zu besonderem Material ab. Das sieht man bei „12 Rivers“, „Kalypso“, „Ras“ und vielleicht auch bei „Fragments“. Beobachtet ihr auch, dass man sich aktuell neue Mechanismen erschließt, indem man andere Spielelemente mit hinein bringt?
Klaus: Eher nicht als bewussten Trend. Letztes Jahr hatten wir zehn oder zwölf kooperative Kampagnenspiele und das war auch kein Trend in diesem Sinne. Kampagnen sind aber beliebt, weil sie viel Mehrwert und Abwechslung bieten. Sicher haben wir dieses Jahr ein paar mehr Spiele dabei, die durch das Material auf eine neue Ebene gehoben werden, aber ich würde es nicht wirklich klar als Trend sehen.
Ringbote: Die Zeit verging wie im Flug. Was erwartet uns in Zukunft von euch?
Klaus: Bei „Dorfromantik“ gibt es natürlich noch sehr sehr viele Ideen und Spielarten, die wir noch nicht begonnen haben. Bei „Boss Fighters QR“ auch, obwohl das deutlich schwieriger in der Umsetzung ist, und auch anspruchsvoller, daraus ein neues Produkt zu machen. Aber natürlich sind das die zwei Eigentitel, die Klassiker werden sollen. Dann gibt es noch Spiele wie „Istanbul“, das ist ebenfalls noch nicht zu Ende. Ansonsten versuchen wir, mehr Eigentitel zu machen, die wir dann weltweit verkaufen können. Aber die Lokalisierungen sind ein wichtiges zweites Standbein und da sind wir davon abhängig, was unsere Partner so machen und wir werden sehen, was in Essen und Nürnberg so kommt.
Ringbote: Klaus, vielen Dank für das Gespräch!



