Pegasus Pressetag 2026 - Teil 2: „SPIEL Essen“-Neuheiten

Die Brettspielmesse „SPIEL Essen“ wirft ihre Schatten voraus. Pegasus hat die brettspiel-affine Presse und die „Content-Kreatoren“ eingeladen, die Spiele-Neuheiten von Pegasus kennenzulernen. Auch Deep Print Games als Brettspiel-Studio und Hidden Games haben ihre neuen Titel gezeigt. Wir wurden überrascht.

von KaiM und LarsB

Fünfunzwanzig echte Neuheiten konnte Pegasus präsentieren. Im Mittelpunkt standen die Zugpferde „Dorfromantik“ und „Boss Fighters QR“, deren Serien pünktlich zur anstehenden Spielemesse mit neuen Produkten fortgeführt werden. Dorfromantik bekommt nach „Sakura“ mit „Südsee“ einen weiteren Stand-alone-Ableger, wo die Serie ein Stück weit zu ihrem Ursprung zurückkommt: Der Prototyp von „Dorfromantik“ war damals in der Südsee angesiedelt. Außerdem gibt es noch einen „Kopf an Kopf“-Ableger, der als Zwei-Spieler-Variante einen anderen Spielmodus bietet als das im letzten Jahr erschienene „Dorfromantik Duell“. Die Plättchen werden vor dem Um-die-Wette-Puzzle gedraftet.

„Bossfighters QR“, ebenfalls vom total netten und zuvorkommenden Autorenduo Michael Palm und Lukas Zach, hat mit „Dschungelfieber“ seine Fortsetzung im tropischen Regenwald. Die Autoren haben herausgestellt, dass sie sehr viel Feedback und Wünsche aus der Community in das Spiel haben einfließen lassen. So beinhaltet „Dschungelfieber“ etwa auch den Paladin, den sich viele Spieler als Heldenklasse gewünscht haben. Ich hoffe, er kommt im Dschungel nicht zu sehr ins Schwitzen. Bis zum Ende des Jahres wird „Bossfighters QR“ über 100.000 mal in 17 Sprachen verkauft worden sein. Das sind Dimensionen, die normalerweise nur „Spiel des Jahres“-Gewinnern vergönnt sind.

„Medico“ als neuer Stefan-Feld-Titel soll sich sehr leichtgängig spielen. Rund drei Jahre hatte Pegasus mit Stefan Feld am Pick-up-and-Deliver-Spiel gefeilt, das auch etwas für Spieler sein soll, die dem Mechanismus nicht verfallen sind. Der Ringbote wird das Spiel gründlich unter die Lupe nehmen.

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Hidden Games hat seinen neuesten Fall „Alarmstufe Rot“ dabeigehabt. Hier wurde mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz zusammengearbeitet. Leider zeitgemäß, geht es um die Zerstörung kritischer Infrastruktur.

„Wolfsmond“ erinnert optisch an die „Werwolf“-Reihe. Es handelt sich aber eher um einen „Love Letter“-Ableger im Wolfspelz. Mit spannenden, neuen Dynamiken wird das Prinzip „Eine Karte ziehen, eine Karte spielen“ kräftig aufgefrischt. Natürlich können in „Wolfsmond“ eigentlich tote Mitspieler wieder in die Partie zurückkehren …

Gleich zwei Interviews konnten wir führen. Annika Heller hat uns verraten, was wir von „Deep Print Games“ für die SPIEL erwarten dürfen. Außerdem durften wir den Chefredakteur von Pegasus Spiele Klaus Ottmeier kennenlernen. Er hat mit uns über ausgewählte Pegasus-Neuheiten gesprochen. Natürlich hatten wir auch Zeit zum Spielen. Unsere gewonnenen Eindrücke wollen wir mit euch teilen. Beide Interviews findet ihr (bald) auf Ringbote Online.

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Kommen wir zu unseren spielerischen Eindrücken.

Dorfromatik – Südsee

Das Spiel sollte nun inzwischen wirklich fast jedem ein Begriff sein. In kooperativer Runde sitzen wir zusammen und legen reihum Plättchen mit dem Ziel, Aufgaben zu erfüllen, die wir am Anfang zufällig bekommen. Ist eine erledigt, puzzeln wir eine neue in die Plättchenauslage ein. Wenn alles sehr gut läuft, dann hat man alle Aufgaben geschafft, bevor die Plättchen aufgebraucht sind und das Spiel endet. Nun zählt man die Punkte zusammen und darf auf einem Kampagnenbogen Fortschritte ankreuzen. Dadurch darf man nach und nach weitere Inhalte freischalten, die das Spiel auch anspruchsvoller gestalten. Soweit unterscheidet sich „Südsee“ nicht vom Grundspiel, aber natürlich gibt es Neues zu entdecken, denn schon sehr schnell kommen kleine Boote ins Spiel, die man über den Plan bewegt, und man kann sich sicher sein, dass noch mehr spannende Dinge auf die Romantiker unter uns warten.

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KaiM: Einige wenige Partien „Dorfromantik“ habe ich bisher gespielt und jedes Mal waren wir maximal zu dritt. Ich bin davon ausgegangen, dass es zu fünft nicht besonders gut funktionieren wird, da es zu lange dauert, bis man wieder am Zug ist und mehr Meinungen in so einem Spiel der Spielgeschwindigkeit nicht gerade zuträglich sind. Es mag an der wunderbar lockeren Runde mit den Kollegen von „Brett und Pad“ und den Ringboten Amel und LarsB gelegen haben, aber es hat am Ende wirklich ausgezeichnet funktioniert. Ich gehe davon aus, dass ich in naher Zukunft noch mehr „Dorfromantik – Südsee“ spielen werde.

LarsB: Ich bin bisher so gar nicht Dorfromantiker gewesen. In unserer Runde hat mir das Spiel sehr gut gefallen. Zu fünft haben wir gemeinsam getüftelt, ohne dass die Partie an Geschwindigkeit eingebüßt hätte. Die Zusammenstellung von Anspruch und Schnelligkeit ist unglaublich gut gelungen. Auch das Spiel wird einschlagen!

Nokosu Dice

„Nokosu Dice“ ist die Lokalisierung des bei Engames schon 2016 erschienenen Experten-Stichspiels. Experten-Stichspiel?! Oh, ja! Und das obwohl es weiterhin im Kern „nur“ ein Stichspiel ist und kein Euro-Klopper mit angeflanschtem Stichspiel-Mechanismus.

Es fängt so harmlos an. Jeder bekommt einen Schwung Karten mit Zahlenwerten und Farben auf die Hand. Standardkost. Bedienzwang? Ja. Dann kommen die Würfel ins Spiel. Auch diese haben Farben und zählen wie die Karten zur eigenen Hand. Ein, zwei Würfel zieht man aus dem Säckchen und würfelt sie, den Rest der Würfel draftet man. Am Ende der Draftingphase bleibt ein Würfel übrig. Dieser Würfel zeigt an, welche Farbe und welche Zahl „Trumpf“ sind. Eine rote Drei bedeutet, dass alle Dreien und alle roten Karten in dieser Spielrunde Trumpfkarten sind. Die rote Drei (egal ob als Karte oder Würfel) übertrifft dabei alle anderen Trümpfe, während die Dreien anderer Farbe wertvoller sind die roten Karten und Würfel. Knoten im Kopf? Es kommt noch dicker.

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Beim Ausspielen der Karten und Würfel ist zu beachten, dass der letzte Würfel nicht mehr ausgespielt werden darf. Dieser zeigt mit seiner Augenzahl an, wie viele Stiche wir in der aktuellen Runde für die großen Punkte gewinnen müssen. In einer echt japanischen Wertung werden mit den Stichen einzelne Punkte gemacht und mit dem Versagen der Mitspieler Zehnerpunkte angehäuft. Schafft man es, seine Stichansage einzuhalten, erhält man gleich zehn Punkte für jeden Mitspieler, der seine Ansage nicht realisieren konnte. BAM!

Und dann gibt es da noch den schwarzen Würfel für die großen Punkte. Doch darf man dann auch wirklich keinen Stich gewinnen. Das werden alle Spieler am Tisch verhindern wollen … Eine Rezension auf Ringbote Online folgt bald.

KaiM: Wie bitte, was? Das Spiel fühlt sich an, als würde sich ganz langsam eine Schlinge um den Hals zuziehen und man versucht nur, sich irgendwie dort herauszuwinden. Aber ohne masochistisch veranlagt zu sein kann ich sagen: Es macht wirklich Spaß.

LarsB: Das Spiel hat mir in unserer Proberunde extrem gut gefallen. Spielbar von 3 bis 5 Spielern, ist es ein echter Stich-Klopper, der einen jeden Stichspielanfänger zur Verzweiflung bringen wird, aber mich als Stichspielveteran zu begeistern vermag. BEGEISTERN! Ich wollte das nur nochmal unterstreichen.

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Tax the Rich

Stichspiel die zweite. Im Wesentlichen gelten auch hier die bekannten Stichspielregeln inklusive Bedienzwang der angespielten Farbe. Vier besondere Twists hat das Spiel aber. Erstens: In einer Auktion schaukeln wir unsere Gebote nach oben, wie viele Stiche wir ansagen. Zweitens: Als Höchstbietender suchen wir uns für dieses Unterfangen einen Spielpartner aus. Die Stiche beider Partner zusammen zahlen in das Gebot ein. Drittens: Revolution! Habe ich nur noch Karten mit einem aufgedruckten Symbol auf der Hand, dann rufe ich die Revolution aus. Entweder sind nun die niedrigsten Karten am meisten wert oder, im Falle der feministischen Revolution, alle Frauenkarten zehn Punkte mehr. Eine Revolution pro Runde muss den Spielern aber reichen. Viertens: Jeder Runde gibt es eine Karte, die die Regeln der Runde leicht abwandeln. So kann etwa die 2er-Karte „Mutter“ als zwei Stiche zählen.

KaiM: Im ersten Augenblick kommt das Spiel hauptsächlich über das Thema, aber die erweiterten Regeln bringen  Abwechslung und mehr Tiefe in den Spielverlauf. Es bräuchte noch ein paar Runden, bis ich mir darüber im Klaren bin, wie gut ich es wirklich finde.

LarsB: „Tax the Rich“ lebt vom herrlichen Thema und unterscheidet sich damit von vielen Stichspielen. Unsere beiden Spielrunden waren von Überraschungsmomenten geprägt. Spannung bis zum Schluss? Check. Ich weiß aber nicht, ob das Spiel die Grenze zur Beliebigkeit in einigen Partien zu überschreiten droht. Ich müsste noch ein paar Partien spielen, um mir eine Meinung zu bilden.

Recall

Es ist mal wieder alles kaputt und eine neue Zivilisation begibt sich auf den Weg, die Welt wieder zu bevölkern. Es geht um das ewige Rad der Zeit und welche Spuren wir auf dieser Welt hinterlassen. Nunja, eine ähnliche „Story“ hatten wir auch schon bei „Revive“, dem von uns sehr geliebten Vorgänger. Und tatsächlich erinnert eine Menge dieses Spiels daran, denn es handelt sich wieder um ein Eurogame mit Interaktion, die hauptsächlich auf der Weltkarte stattfindet, indem wir uns attraktive Bauplätze streitig machen. Dieses Mal slotten wir keine Karten, sondern Module in unsere Aktionsauswahl und können damit, vor allem später im Spiel, kontrollieren, welche Boni wir für die Aktion bekommen. Über diesen Mechanismus werden kleine Figuren aufs Feld gebracht, Gebäude gebaut, die Welt erkundet, Ausgrabungen getätigt und noch einiges mehr. Es gibt durchaus auch kleinere Kettenzüge, aber alles geht recht zügig, womit die fünfzehn Züge bis zum Spielende relativ schnell abgehandelt sind. Natürlich gewinnt dann am Ende die Person mit den meisten Siegpunkten.

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KaiM: Wer „Revive“ gut fand, wird auch „Recall“ mögen. Es stellt uns vor ähnliche Entscheidungen und ist auch ähnlich belohnend. Dabei spielt es sich überraschend leicht, obwohl es eine Menge Regeln und Symbole gibt, die man im Kopf haben muss.

LarsB: Ein fluffiges Expertenspiel. Gibt es so etwas? Ja. Bei „Recall“ ist der Entscheidungsraum jeder Einzelentscheidung nicht überbordend groß. Trotzdem ist es ein hochvernetztes Spiel mit vielen Möglichkeiten. Es hat sich interessant, belohnend und schnell zugleich gespielt. Ein seltenes Spielerlebnis. Ein gutes Spielerlebnis.

Pegasus hat in diesem Jahr ein besonders starkes Line-up. In unserem Resümee mit unseren lieben Kollegen von „Brett und Pad“ kamen wir gemeinsam zum Schluss, dass uns viele Spiele positiv überrascht haben. Für einen Stopp am Pegasus-Stand auf der SPIEL in Essen empfehlen wir gutes Sitzfleisch. Es gibt Vieles zu entdecken.