Halloween in 3D

„Cthulhu“ ist ein Horror-Rollenspiel, Halloween hatte schon immer eine Gruselattitüde. Da bietet es sich doch an, beide Namen miteinander zu verbinden. Die Idee ist zugegebenermaßen nicht ganz neu, ist dies doch bereits der dritte Abenteuerband, der gleich drei Abenteuer, die sich der Nacht vor Allerheiligen jeweils auf ihre eigene Art annehmen, versammelt.

von André Frenzer

So veröffentliche Pegasus in den letzten Jahren nicht nur den Band „Halloween“, sondern auch „Rückkehr nach Halloween“, was Spielleiter bereits mit einer recht ansehnlichen Menge cthuloider Halloween-Abenteuer versorgt hat. Bei den Abenteuern dieses Bandes handelt es sich um Übersetzungen aus alten Bänden der „Monographen“-Reihe. Schauen wir doch einmal, ob sich auch ein dritter Ausflug in diese spezielle Gruselatmosphäre lohnt. Und Achtung: Die folgende Rezension enthält Spoiler! Spielern sei daher angeraten, bis zum Fazit vorzuspringen.

Eröffnet wird der gruselige Reigen mit „Die Rückkehr des Magiers“. Die Investigatoren werden von einer aufgeregten Auftraggeberin kontaktiert. Ihr verstorbener Mann, einer der besten Magier seiner Zeit, hat verfügt, dass demjenigen, der ihn innerhalb von fünf Jahren nach seinem Tode wieder ins Leben zurückholen kann, die Hälfte seines Vermögens zusteht. Kurz vor Ablauf der Frist hat sich ausgerechnet der alte Bühnenassistent des Verstorbenen gemeldet und verspricht, den Toten im Rahmen einer Séance am Halloweenabend wieder zu beleben. Die Witwe wittert Betrug und schickt die Investigatoren auf Spurensuche. Diese führt die Charaktere bis nach Marokko, wo sie mit den Hintergründen der Geschehnisse vertraut gemacht werden. Hoffentlich können sie das falsche Spiel des Assistenten rechtzeitig durchschauen.

Weiter geht es mit „Die Maske der Moochie“, dem wohl ungewöhnlichsten Abenteuer im Band. Hier werden die Investigatoren von einem alten Freund gebeten, seinen entlaufenen Hund wiederzufinden. Was simpel beginnt, entpuppt sich als Reise in den Wahnsinn, den leider hat sich der Mops Moochie versehentlich mittels einer verzauberten Maske in eine bizarre Dimensionsfalte verflüchtigt – ein Schicksal, das auch die neugierigen Investigatoren erwartet. In dieser überdrehten, am Verstand nagenden Welt müssen sie sich nicht nur dreier Süßigkeiten sammelnder Kinder erwehren, sondern auch weiteren, wesentlich schlimmeren Widrigkeiten.

Das dritte Abenteuer, „Die Rache des Hei-Volkes“, spielt nicht in den 1920ern, sondern im Jahr 2007. Die Spieler schlüpfen in die Rollen einer Filmcrew, die in einer alten Festung während den Dreharbeiten zu ihrem neuesten Film eine Halloween-Party veranstalten. Natürlich ist das keine sonderlich gute Idee, und aus der Party wird schnell ein knallharter Kampf ums Überleben. Sehr „halloweenige“ Gegner sorgen für die passende Stimmung. „Die Rache des Hei-Volkes“ ist das einzige Abenteuer mit vorgefertigten Investigatoren – und spinnt interessanterweise die Geschichte einiger Investigatoren weiter, die wir bereits in „Petersens Abscheulichkeiten“ mimen durften.

Wie auch schon im Vorgängerband ist allen Abenteuern gemein, dass sie kurz und knackig präsentiert werden und problemlos an einem Abend durchgespielt werden können. Damit eignen sie sich hervorragend, um tatsächlich am namensgebenden Tag als Event-One-Shot angeboten zu werden. Als Kritikpunkt haben aber alle Abenteuer gemein, dass sie aus dem eigentlichen „Halloween“-Thema recht wenig herausholen. Insbesondere „Die Rückkehr des Magiers“ hätte zu jedem beliebigen Zeitpunkt spielen können. Zudem ist das Abenteuer recht geradlinig und eindimensional angelegt und macht zu wenig aus den Möglichkeiten, die die gut gewählten Lokalitäten mit sich bringen. „Die Maske des Moochie“ wiederum geizt nicht mit verrückten Ideen und ist ein wahrer Quell brutaler und gleichzeitig spaßiger Quälereien für geplagte Investigatoren. Leider ist das Abenteuer viel zu kurz geraten und auch hier ist der Halloween-Bezug eher dünn. „Die Rache des Hei-Volkes“ schließlich verströmt noch am ehesten Halloween-Feeling, bietet aber wenig mehr als einen simplen Survival-Plot im Closed Room. Das kann sicher Spaß machen, doch derartige Abenteuer gibt es bereits wie Sand am Meer.

„Rückkehr nach Halloween“ erscheint als Softcoverband in Schwarz-Weiß. Dabei möchte ich zunächst die Cover-Illustration lobend erwähnen – das ist wohl eines der schönsten „Cthulhu“-Cover der letzten Jahre geworden. Wie die übrigen „Cthulhu“-Publikationen ist der Band mit zeitgenössischen Fotografien bebildert, sauber gelayoutet und übersichtlich gestaltet. Auch Korrektorat und Lektorat haben saubere Arbeit geleistet. Lobend erwähnen möchte ich hier noch einmal die Handouts, welche optisch sehr ansprechend gestaltet wurden. Besonders angetan haben es mir in diesem Fall aber die schön gestalteten und übersichtlichen Karten, die es für zahlreiche Schauplätze gibt. Damit gibt es technisch wieder eine gute Note von mir.

Eine letzte Anmerkung sei noch erlaubt: Tatsächlich gibt es keine Pop-Up-Bilder im gesamten Band: Der Titel „in 3D“ soll wohl eher eine lockere Anspielung darauf sein, dass es sich um den dritten Halloween-Band handelt. Das Wortspiel gefällt mir aber zugegebenermaßen nicht sonderlich.

Fazit: Nein, „Halloween in 3D“ ist kein schlechter Abenteuerband. Die drei Abenteuer bieten handlungstechnisch Abwechslung, solide Gruselkost und teilweise auch extremere Ideen. Leider machen sie viel weniger aus dem Thema „Halloween“ als die Szenarien in den beiden Vorgängerbänden. Wer also wegen des Themas zugreifen will, darf noch einmal nachdenken; wer einfach weitere Abenteuer sucht, wird hier sicher fündig.

Halloween in 3D
Abenteuerband
Nick Davison, Simon Yee
Pegasus Press 2023
ISBN: 978-3969281062
80 S., Softcover, deutsch
Preis: 14,95 EUR

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