Gung Ho – Tanaka

„Gung Ho – Tanaka“ ist ein Prequel der fünfteiligen „Gung Ho“-Reihe, welche im Zeitraum von 2014 bis 2021 erschienen ist. Passend zum Erscheinungstermin der Gesamtausgabe wird nun die Hintergrundgeschichte von Tanaka erläutert. Tanaka ist der Kampftrainer der Jugendlichen, die in einer postapokalyptischen Welt gegen blutrünstige, affenartige Wesen ums Überleben kämpfen.

von Alice

Einst diente Tanaka Hasegawa in der japanischen Armee als Elitesoldat und Ausbilder. Später wird er Actionfilmstar. Aufgrund seiner Vorkenntnisse gelingt ihm die Darstellung von Kampfszenen besonders gut. Mit seiner Frau Kumiko und seiner kleinen Tochter Yuki reist er nach Paris, um der Premiere des Samurai-Films beizuwohnen, in dem er selbst der Hauptdarsteller ist. 

Einen Tag später nimmt das Leben der Familie eine drastische Wendung. Paris wird von einem Angriff durch blutrünstige, affenartige Wesen, die sogenannten Reißer, überrascht. Diese scheinen ungewöhnlich intelligent zu sein, weshalb sie Fluchtmöglichkeiten wie Bahnhöfe und Flughäfen belagern. Entkommen ist somit nicht möglich. Überall auf der Straße gibt es blutige Kämpfe und auch Tanaka muss sein Leben und das seiner Familie verteidigen, was ihm nur zum Teil gelingt. Seine Tochter Yuki kann er zwar retten, doch Kumiko stirbt. 

10 Jahre später lebt Tanaka mit Yuki immer noch in Frankreich und arbeitet inzwischen in einem Kill-Team, einer Spezialeinheit, die gegen die Reißer kämpft. Eines Tages erhält er eine Anfrage als Kampftrainer in „Fort Apache“ einzuspringen, da der bisherige Trainer verstorben ist. Er akzeptiert das Angebot und nimmt Yuki mit, auf die an ihrem aktuellen Wohnort keine schöne Zukunft wartet. Durch die Reise ergibt sich für sie eine neue Chance. 

Tanaka Hasegawa und seine Tochter Yuki sind beliebte Charaktere der „Gung Ho“-Reihe. Dass fünf Jahre nach dem letzten Band der Reihe noch ein Prequel erscheint, ist sehr erfreulich. Es gibt zahlreiche interessante Charaktere und auch in der Welt selbst noch reichlich zu entdecken, was genug Möglichkeiten bietet, die Hintergründe weiter zu beleuchten. In Textboxen werden kurz Vermutungen erwähnt, um was es sich bei den Reißern handeln könnte, doch auch dieses Mal liegt der Schwerpunkt der Handlung nicht auf dem Setting, sondern auf den Charakteren. Man erlebt Tanakas tragischen Verlust seiner Frau, was bereits bekannt ist, aber nun geht es darum, wie genau dies geschehen ist. 

Leider überzeugt die Szene nur bedingt. Kumiko versucht nicht einmal, mit ihren Verletzungen ins Rettungsfahrzeug zu gelangen, sondern gibt sofort auf. Tanaka versucht auch nicht, sie zu tragen oder Ähnliches, sondern nimmt ihre Entscheidung viel zu schnell hin. Vielleicht hatte er recht mit seiner Einschätzung und ein Versuch wäre tatsächlich gescheitert, eindeutig erkennbar wirkt es aber zu diesem Moment nicht, was die Szene etwas merkwürdig erscheinen lässt.

Aufgrund des traumatischen Verlusts seiner Frau beschließt Tanaka, seine kleine Tochter zu trainieren, um sie auf die gefährliche Welt vorzubereiten. Seine Herangehensweise ist ein militärischer Drill, was Yuki belastet, vor allem, da sie sich dadurch zwischenmenschlich stark distanzieren. Nach zehn Jahren Training ist es etwas verwunderlich, warum Yuki sich kaum wehren kann, als sie von Gleichaltrigen belästigt wird. Dies geschieht kurz vor der Abreise nach „Fort Apache“, und als sie dort ankommt, ist sie eine herausragende Kämpferin. Warum hat sie auf der Reise mehr gelernt als in den letzten zehn Jahren?

So schön es auch ist, die Hintergrundgeschichte nun besser kennengelernt zu haben, so ganz überzeugt die Handlungslogik leider nicht immer. Trotzdem ist die Geschichte grundsätzlich spannend und wurde auch optisch ansprechend umgesetzt. Die Zeichnungen sind detailreich und die eher düsteren Farben bringen die bedrohliche Stimmung gut zur Geltung. Wer die „Gung Ho“-Reihe kennt, wird sofort feststellen, dass es sich um einen neuen Künstler handelt. Der bisherige digitale Collagen-Stil war ein markantes Merkmal der Reihe, welchen Chaiko jedoch nicht übernommen hat. Stattdessen hat er einen gänzlich anderen Stil angewendet. Dieser ist zwar ebenfalls gelungen, passt aber nicht zu den anderen Werken.

Leseprobe

Fazit: Dass fünf Jahre nach dem letzten Band der Reihe noch ein Prequel erscheint, dazu noch mit den beliebten Charakteren Tanaka und Yuki, ist sehr erfreulich. Leider kommt „Gung Ho – Tanaka“ weder optisch noch erzählerisch an die bisherigen Werke heran.

Gung Ho – Tanaka
Comic
Benjamin von Eckartsberg, Chaiko
Cross Cult 2026
ISBN: 978-3-98666-851-8
80 S., Hardcover, deutsch 
Preis: 25,00 EUR

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