Gruselkabinett 197: Das Grauen von Dunwich

Die 197. Ausgabe der langlebigen Reihe „Gruselkabinett“ bedient sich ein weiteres Mal aus dem Fundus des schriftstellerischen Erbes H. P. Lovecrafts. „Das Grauen von Dunwich“ basiert dabei auf der gleichnamigen Kurzgeschichte, welche zu Lovecrafts bekanntesten Werken zählt, nicht zuletzt dank vieler bereits erfolgter Adaptionen. Wie gelungen ist dieses Hörspiel?

von Jens Krohnen

Der Anfang des 20. Jahrhunderts (1890-1937) lebende amerikanische Schriftsteller H. P. Lovecraft gilt als einer der einflussreichsten Autoren im Bereich der phantastischen Literatur und hat dem Horror-Genre eine Unmenge an wundervollen Geschichten hinterlassen. Seine Werke sind eine Mischung aus Weird Fiction, deren Ziel es ist, den Leser zu verunsichern, Regionalliteratur, bezogen auf sein halbreales Neuengland, und den Anfängen von Science-Fiction. Der Horror, den H. P. Lovecraft erschuf, ist dabei von subtiler aber endgültiger Natur. Neben seinem Prosawerk war Lovecraft auch ein begeisterter Briefschreiber, Poet und Essayist. Allein seine Essays füllen fünf Bände und das Ausmaß seiner Briefe lässt sich nur schätzen.

Zum Inhalt: Die Geschichte beschreibt eine Reihe von Ereignissen, welche später als „Grauen von Dunwich“ bekannt werden sollten. In den abgelegenen Wäldern von Massachusetts liegt das Dorf Dunwich, wo die alten Geschichten von Hexerei noch lebendig sind und wo zuweilen seltsame Geräusche von den unheimlichen Hügeln herabhallen. Hier wird eines Tages im Jahre 1913 der kleine Wilbur Whateley geboren. Aufgrund seines ungewöhnlichen Wachstums und Aussehens wird das Kind schon bald von allen gemieden, zumal keiner weiß, wer der Vater ist. Der alte Whateley, Wilburs Großvater, war in seiner Jugend wegen Zauberei verschrien. Als er stirbt, beschließt der junge Wilbur schließlich, den Gerüchten nachzugehen und mehr über seine Herkunft zu erfahren. Doch damit setzt er eine Kette tragischer Ereignisse in Gang, die schließlich das namenlose Grauen zum Leben erwecken, das unter Dunwich geschlummert hat …

Zunächst einmal freut es mich aufrichtig, dass sich „Gruselkabinett“-Mastermind Marc Gruppe endlich an „Das Grauen von Dunwich“ begeben hat. Neben dem ikonischen Dorf Dunwich, einem der zentralen Orte „Lovecraft Countrys“, führte Lovecraft in dieser Geschichte noch eine Reihe weiterer, fest mit unserer Vorstellung des „Cthulhu“-Mythos verankerter Motive ein. Daher ist die Geschichte ein echter Klassiker, der in dieser Form auch noch einmal eine weitere Zielgruppe ansprechen wird.

Denkbar undankbar für eine Umsetzung als Hörspiel ist allerdings der ursprüngliche Aufbau der Geschichte. Das titelspendende „Grauen“ spielt sich nämlich binnen weniger Tage ab; um die Hintergründe der Geschehnisse zu verstehen, beschreibt Lovecraft jedoch eine mehrere Jahre umfassende Zeitspanne in der Retrospektive. Gruppe schließt sich diesem – zugegebenermaßen spannungsfördernden – Aufbau zwar grundlegend an. Allerdings umgeht er geschickt lange Monologe, indem er die Hintergründe von den drei Miskatonic-University-Angestellten Dr. Armitage, Prof. Rice und Dr. Morgan, welchen allesamt im Finale eine Rolle zufallen wird, abwechselnd erzählen lässt. So erhalten wir trotz längerer Rückblickspassagen Abwechslung auf die Ohren. Außerdem sucht Gruppe immer wieder einzelne Szenen heraus, welchen wir als klassische Hörspielszene lauschen dürfen. Das Ganze gipfelt dann in den Ereignissen, welche später als „Grauen von Dunwich“ bezeichnet werden und wechselt zu diesem Zeitpunkt in die Gegenwart der Erzählung. So ist die Umsetzung als Hörspiel gut gelungen.

Ein weiteres Mal hervorragend gelungen ist die technische Umsetzung dieser „Gruselkabinett“-Episode. In den passenden Toneffekten erkennt man Gruppes routinierte Handschrift, auch die Musikauswahl ist – wenn auch aus der Reihe bereits recht gut bekannt – passend und schafft Spannung im richtigen Moment. Die umfangreiche Sprecherriege weiß absolut zu überzeugen, allen voran Thomas Balou Marin, Bert Stevens und Peter Lontzek, welche als Erzähler die Hauptlast tragen müssen. Übertroffen werden sie allerdings noch von Julian Tennstedt, welcher seinem Wilbur Whateley eine ernsthafte Boshaftigkeit in die Stimme legt, die nachhallt. Bei dem umfangreichen Cast, denen oft nur kleine Sprechrollen zugefallen sind, ist es schön, echte Veteranen der Hörspiellandschaft wie Bodo Primus wiederzufinden – Qualität bis in die kleinste Nebenrolle. Einziger Wermutstropfen mag sein, dass Bastian Ephonsus Coverillustration zwar wie gewohnt hübsch anzusehen ist, allerdings ein wenig am Thema vorbeigeht. Das ist aber bei der Qualität des Hörspiels freilich zu verschmerzen!

Fazit: Wer sich für die „Gruselkabinett“-Reihe oder H. P. Lovecraft erwärmen kann, der sollte hier unbedingt zugreifen. Eine tolle Geschichte in atmosphärischer Umsetzung – Punktum.

Gruselkabinett 197: Das Grauen von Dunwich
Hörspiel nach einer Erzählung von H. P. Lovecraft
Marc Gruppe
Titania Medien 2026
ISBN: 978-3-7857-8797-7
1 CD, ca. 89 min., deutsch
Preis: 9,99 EUR

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