Grundstein von Metropolis

Wann kommt denn endlich G4? Wenn ich das blöde Ding dem alten Immobilienmogul da hinten überlassen muss, kann ich mir mein schönes Wohnviertel in die Haare schmieren. Also muss ich wohl oder übel die Stadt mal wieder um Kohle anschnorren. Aber seien wir mal ehrlich. Ich habe schon so viel für diese Stadt getan, eigentlich müssten alle Steuern dieser Stadt direkt an mich überwiesen werden.

von KaiM

Ein bis vier Immobilienhaie versammeln sich um einen Tisch, um eine Stadt in diesem Plättchenlegespiel unter sich aufzuteilen. Auf einem Stadtplan werden Grundstücke verkauft, die in einem Raster aus Quadraten von A1 bis I9 aufgeteilt sind. Auf Grundstücke, die man gekauft hat, kann man Häuser verschiedener Formen und Wertigkeiten bauen. Am Ende von drei Jahren gewinnt man, wenn man die meisten Siegpunkte hat, aber dazu später mehr. In einer Stunde soll das möglich sein, und gewissenlose Ausbeuter ab 12 Jahren sollen daran Spaß haben. Es gibt nicht viel mehr dazu zu sagen, denn im Großen und Ganzen stimmt das alles. Also steigen wir ein, in die Welt der Blaupausen.

Das Material

Obwohl die Box selbst nicht spektakulär groß ist, macht sie dennoch etwas her: Solides Material, hohes Gewicht, UV-Spot-Beschichtung, Rundumgrafik. Die Erwartung, die diese Präsentation schürt, wird nicht enttäuscht. Öffnet man die Box, hat man unter dem Spielplan einen weiteren Kunststoffdeckel, der die Playerboards in der richtigen Position hält. Auch diese sind sehr präsentabel, denn alle Plättchen, die ein Spieler braucht, liegen bereits darauf, sodass nervige Sortiererei bei Spielbeginn entfällt. Große Holzsteine, die den Besitz von Grundstücken markieren, sind zusätzlich an Bord, sowie ein weiteres Spielbrett, also auch die Grundstückskarten.

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Die Regeln sind einfach, womit das Regelbuch eigentlich keine sehr schwere Aufgabe hat. Leider musste ich in letzter Zeit feststellen, dass auch die Regeln zu einfachen Spielen manchmal schwer verständlich aufgeschrieben wurden. Hier ist das zum Glück nicht der Fall und ausführliche Beschreibungen lassen keine Fragen offen.

Insgesamt eine tolle Präsentation mit robustem Material, was einen schnellen Spielaufbau unterstützt. Für ein Spiel dieser Klasse sicherlich ein Benchmark, auch wenn das ganze natürlich seinen Preis hat und die Box wirklich nicht gerade günstig ist.

Der Spielablauf

Die Regeln sind schnell erklärt. Zu Beginn haben wir eine leere Stadt, bestehend aus einem Quadrat von quadratischen Grundstücken. Nur einige Grundstücke werden bereits beim Spielaufbau zufällig an die Spieler verteilt. Das Ziel ist es, über drei Jahre hinweg möglichst geschickt Grundstücke zu kaufen und Häuser unterschiedlicher Form und Größe darauf zu platzieren, wobei man für größere Gebäude natürlich auch die entsprechend zusammenhängenden Grundstücke benötigt. Dies sind entweder Wohnhäuser, Kaufhäuser oder öffentliche Gebäude.

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Während Kaufhäuser Geld in die Kassen der Besitzer spülen, bringen öffentliche Gebäude am Ende der Partie Siegpunkte in Abhängigkeit von angrenzenden Gebäuden. Wohnhäuser tragen zur Bevölkerung bei und bringen jede Runde Siegpunkte. Hierfür wurde sich ein besonderer Mechanismus ausgedacht. Am Ende jeder der drei Jahre bekommen die Führenden auf der Bevölkerungsleiste ebenso viele Siegpunkte wie die Leiste anzeigt, plus einen Bonus, der sich von Jahr zu Jahr steigert. Die Nachfolgenden bekommen so viele Punkte, wie das nächsthöhere besetzte Feld auf der Leiste. Hat man also am Ende eines Jahres selbst nur 5 Bevölkerung, alle anderen aber zum Beispiel 20, 21 und 22, bekommt man 20 Siegpunkte. Hat man 19 Bevölkerung, bekommt man trotzdem 20.

Ist man am Zug, hat man drei Möglichkeiten: Geld einsammeln, ein Grundstück kaufen oder ein Gebäude bauen: Wenn man sich für Geld entscheidet, bekommt man einen festen Betrag von der Stadt (aus der Bank) plus einen Bonus für jedes kommerzielle Gebäude, das man gebaut hat.

Kauft man ein Grundstück, muss man sich für eines aus der Auslage entscheiden. Es liegen immer mehrere Grundstücke in einer Reihe aus und wenn eines gekauft wurde, kommt ein neues hinzu, wobei die Grundstücke links in der Auslage am günstigsten sind. Hat man das Grundstück bezahlt, nimmt man sich die Karte und legt einen der dicken Holzmarker auf das passende Feld auf dem Spielbrett. Wie auch in anderen Spielen üblich, rücken alle Grundstücke in der Auslage dann so weit es geht nach links, um die Lücke zu füllen. Das neueste Grundstück ist dann auch erstmal das teuerste.

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Entscheidet man sich für den Bau eines Gebäudes, entfernt man entsprechend viele Marker vom Spielplan und platziert stattdessen ein Gebäude vom eigenen Tableau. Die Gebäude nehmen ein bis vier Grundstücke an Platz ein und sind unterschiedlich geformt. Natürlich muss man alle Grundstücke, die man besetzen möchte, auch besitzen. Ein Gebäude kann auch überbaut werden. Dafür entfernt man das erste Gebäude und legt es wieder auf das Spielertableau. Dafür platziert man dann ein Neues, was aber größer sein muss.

Ist der Stapel der Grundstücke für das erste Jahr aufgebraucht, kommt es zu einer Zwischenwertung. Am Ende des dritten Jahres, wenn alle Grundstücke verkauft wurden, werden alle Punkte zusammengezählt und der Bauherr mit den meisten Punkten gewinnt.

Das Spielgefühl

In einer Stunde voller Interaktion wird gekauft, gebaut und Geld eingeheimst. Die möglichen Aktionen sind simpel, aber die Entscheidungen reichen von super klar bis zu grübelig, wobei selbst langsame Runden die Downtime kaum spüren dürften. Die Regeln sind dabei ebenfalls super schnell erklärt und selbst die Bedeutung der Siegpunktgebäude ist schnell verinnerlicht. Also ja, die 60 Minuten einer Partie vergehen wie im Flug und so manches Mal kommt das Gefühl auf, man könne einfach noch eine Runde dranhängen. Die Mechaniken greifen da gut ineinander. Man kann prima auf kommerzielle Gebäude spielen und die guten Finanzen und die festen Siegpunkte einstreichen. Aber auch die Wohngebäude sind spannend. Durch den interessanten Bevölkerungsmechanismus entsteht eine schöne Dynamik und auch die Siegpunktgebäude haben es in sich.

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Dabei befindet man sich häufig in einer Zwickmühle: Baut man ein Gebäude zu früh, können die anderen kontern. Baut man es zu spät, entgehen einem vielleicht wichtige Siegpunkte. Kauft man zu teuer ein, fehlen die Spielzüge für die Geldbeschaffung später im Finale, kauft man nur das billigste, kommen andere an die guten Grundstücke. Es kommt fast immer darauf an, was die anderen machen, wodurch sich ein schönes Geflecht aus Entscheidung entspinnt. Auf der anderen Seite kann es aber auch manchmal zu ärgerlichen Situationen kommen, wo eine einzelne Person durch ihre Aktion bestimmt, wer die Partie für sich entscheidet. Auch hat man schnell das Gefühl, bereits alles gesehen zu haben, denn in jeder Partie stehen immer alle Gebäude zur Auswahl und auch über den Aufbau gibt es nur wenig Variabilität.

Alles in allem ist dieses Spiel ein leichtes Kennerspiel mit einem sehr trockenen, abstrakten Thema, was durch die Präsentation in Teilen wieder wettgemacht wird. Dennoch kommen im Spiel Emotionen hoch, da die Interaktion auf hohem Niveau das Spielgeschehen bestimmt. Dadurch ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild.

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Fazit: Das Spiel lebt von der Interaktion, dem Taktieren, der Planung. Ein wenig mehr Abwechslung mit unterschiedlichen Gebäuden wäre wünschenswert gewesen, und das Thema weiß mit Sicherheit nicht jedem zu gefallen. Aber die Partien sind nichtsdestotrotz spannend, die Regeln sind überschaubar und das Material ist über alle Zweifel erhaben.

Grundstein von Metropolis
Brettspiel für 1 bis 4 Personen ab 12 Jahren
Emerson Matsuuchi
Kobold Verlag 2025 
EAN: 4255682706108
Sprache: Deutsch 
Preis: ca. 51,99 EUR

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