von André Frenzer
Achtung: Schon die Zusammenfassung der Handlung enthält zahlreiche Spoiler! Spielern sei daher angeraten, diese Rezension gar nicht erst zu lesen!
Murknold, Sohn des Mallmoratsch, ist ein Schrat – oder Troll, wie der in der Fantasy geläufigere Begriff lautet – der besonderen Art. Denn nicht nur, dass er Seite an Seite mit den Menschen in der Dritten Dämonenschlacht gegen Borbarad kämpfte. Nein, nachdem er sich – schwer verletzt – in die Trollzacken zurückzog, freundete er sich mit der kräuterkundigen Travigrein an, welche Murknold gesundpflegte. Dummerweise allerdings wurde Murknold von einer Klinge aus daimonischem Qualkupfer verletzt – und die kleine Hildafrid, Travigreins Enkelin, verletzte sich ebenfalls an dem Bruchstück. Murknold wie Hildafrid standen nun unter dem Fluch der Klinge – wer versuchte, eben jene zu vernichten, fügte auch den beiden Verfluchten qualvolle Schmerzen zu.
Murknold zog aus, um magische Hilfe zu suchen. Nun, fünfundzwanzig Jahre später, kehrt er mit einem magischen Artefakt in die Trollzacken zurück. Leider weilt die alte Travigrein nicht mehr unter den Lebenden und Hildafrid hält ihre Erinnerungen an einen Troll für kindliche Fantasien. Kombiniert mit der Tatsache, dass Trolle und Menschen ein ohnehin eher kompliziertes Verhältnis haben und Murknold Schwierigkeiten mit der menschlichen Sprache hat, wirken seine verzweifelten Annäherungsversuche an das Dorf äußerst bedrohlich. Kein Wunder also, dass sich die verunsicherten Einwohner des Weilers Hendweiler an unsere Helden richten, um das „Problem mit dem Schrat“ zu beseitigen. Es steht zu hoffen, dass die Helden nicht allzu stumpf zu Werke gehen und das Geheimnis um die Vergangenheit Murknolds lösen können – nicht zuletzt für Hildafrid, welche immer noch unter dem Fluch der Qualklinge steht.
„Ein Wort wie Stein“ ist in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnliches Abenteuer. Sei es durch die ungewohnte Interaktion mit einem Troll oder sei es durch die märchenhafte Vorgeschichte der aktuellen Handlung: Das Abenteuer weiß mit seiner Prämisse voll zu punkten. Tatsächlich ist auch die eigentliche Abenteuerhandlung deutlich komplexer, als es der Auftrag vermuten lässt. Denn statt einer klassischen Trollhatz entspinnt sich eine Art Detektiv-Abenteuer, an dessen Ende hoffentlich das friedliche Zusammentreffen von Hildafrid und Murknold steht. Zugegeben: Ein wenig unsicher bin ich mir schon, wie die Helden alle Puzzlestücke, welche sich aus der Vergangenheit ergeben, richtig zusammensetzen und interpretieren sollen. Insbesondere, da Hildafrid als einzige Zeugin keine verlässlichen Informationen geben kann. Als Spielleitung wird man hier wahrscheinlich ein wenig nachhelfen müssen, damit die Charaktere die richtigen Schlüsse ziehen. Doch gibt das Abenteuer dafür schlussendlich alle Werkzeuge an die Hand, so dass ich mit der Aufarbeitung – gerade im Rahmen eines Heldenwerks – vollauf zufrieden bin.
Optisch reiht sich dieses „Heldenwerk“ nahtlos in die Reihe ein. Es gibt eine kleine Umgebungskarte, wenige aber ordentliche Illustrationen sowie einige zweitverwertete Vignetten. Das Layout ist sauber und aufgeräumt, Textkästen mit Spielwerten erhöhen die Wiederauffindbarkeit derselben. Lektorat und Korrektorat sind wie immer gut gelungen.
Fazit: „Ein Wort wie Stein“ bietet eine interessante Prämisse und reichlich Werkzeuge für die Spielleitung, um das Abenteuer zu einem guten Ende zu bringen. Empfehlenswert.
Ein Wort wie Stein (Heldenwerk)
Abenteuerband
Dominic Hladek
Ulisses Spiele 2026
ISBN: n. a.
16 S., Softcover, deutsch
Preis: 5,95 EUR
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