Blut und Salz (Heldenwerk)

Die April-Ausgaben der „Heldenwerk“-Reihe entpuppten sich oft als humorvolle Experimente. Auch die neueste Ausgabe, „Blut und Salz“ kann sicherlich mit einem Augenzwinkern gelesen werden. Dennoch haben wir es mit einem heldenhaften Abenteuer zu tun.

von André Frenzer

Von archaischen, die erste Regeledition nutzenden Abenteuer über Ausflüge in das weirde Setting Ras-Tabor – die April-Ausgaben des „Aventurischen Boten“ bieten zumeist „Heldenwerke“ der besonderen Art. „Blut und Salz“ bleibt dabei erstaunlich bodenständig – oder eher „plankenständig“, kann aber dennoch als augenzwinkernde Hommage verstanden werden. Worum aber geht es eigentlich?

Das ist rasch zusammengefasst: Piraten! Untote! Untote Piraten! Ach ja, verfluchte untote Piraten. Wer bei diesen Schlagworten an einen angetrunkenen Jonny Depp mit reichlich Kajal um die Augenlider denken muss, der liegt sicherlich nicht ganz falsch. „Blut und Salz“ ist nun eine kurze aventurische Variante der bekannten „Fluch der Karibik“-Motivik. Zugleich erinnert das Abenteuer aber auch an den Klassiker „Schiff der verlorenen Seelen“. Die Helden befinden sich an Bord eines Handelsfahrers – Zweck und Ziel der Reise obliegen der Spielleitung – als sie unversehens von einem Geisterschiff angegriffen werden. Die Charaktere müssen ganz heldenhaft das gegnerische Schiff stürmen und dort versuchen, einen Fluch zu brechen, dessen Ursprung sie erst einmal herausfinden müssen.

Für die Spielleiter sei der aventurische Hintergrund näher ausgeführt: Bei dem Schiff handelt es sich um die „Reichsforst“, ein Kriegsschiff voller Rondrakrieger, welches zu Zeiten der Dämoneninvasion im Perlenmeer von einer Dämonenarche versenkt wurde. Der Kapitän des Schiffes verfluchte im Augenblick des Todes Rondra und ihr Wirken, was ihn auf unheilvolle Art an das Schiff band. Seither jagt er an Bord seines Geisterschiffs die Überlebenden des Schwesterschiffes „Eisenwald“, welches aufgrund eines Kampfschadens der Besatzung der „Reichsforst“ nicht zur Hilfe eilen konnte. Dummerweise ist eben jener Handelsfahrer, mit dem die Helden unterwegs sind, ein ehemaliges Mitglied der „Eisenwald“, sodass es nun an den Helden liegt, den Fluch zu beenden.

„Blut und Salz“ ist ein nahezu perfektes Abenteuer für das „Heldenwerk“-Format und leidet garantiert nicht unter dem öfters angesprochenen Platzmangel der Reihe. Sowohl Hintergrund als auch mögliche Handlungsoptionen für die Charaktere werden ausführlich dargestellt. Gleichzeitig gibt es genügend für die Helden zu tun, wobei neben den offensichtlichen Kampfbegegnungen auch gerätselt werden darf. Die Wahl eines Schiffes als Schauplatz sorgt dafür, dass sich den Helden nicht zu viele Optionen bieten. Gleichzeitig ist „Blut und Salz“ gut in die aventurische Geschichte eingebettet und greift bekannte Motive auf. Die Hommage an „Fluch der Karibik“ ist dabei gut gelungen, wenn auch in Summe ein wenig eindimensional geraten.

Optisch reiht sich dieses „Heldenwerk“ nahtlos in die Reihe ein. Es gibt einige hochwertige Illustrationen und eine gut gemachte, aber leider sehr klein abgedruckte Karte der geisterhaften „Reichsforst“. Das Layout ist sauber und aufgeräumt, Textkästen mit Spielwerten erhöhen die Wiederauffindbarkeit derselben. Lektorat und Korrektorat sind gut gelungen.

Fazit: „Blut und Salz“ spielt gekonnt mit bekannten Piraten-Motiven, ist sauber in den aventurischen Hintergrund eingebettet und liefert alles mit, was man für eine zünftige Prügelei mit untoten Piraten braucht.

Blut und Salz (Heldenwerk)
Abenteuerband
Stephan Pongratz
Ulisses Spiele 2026
ISBN: n. a.
16 S., Softcover, deutsch
Preis: 5,95 EUR

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