Batman `89 – Echos

Ende 2022 kam bei Panini Comics ein spannendes Projekt heraus: „Batman `89“, die offizielle Comic-Fortsetzung von Tim Burtons großartigen „Batman“-Filmen, inszeniert von Sam Hamm persönlich, dem Drehbuchautor von „Batman“ und Story-Entwickler von „Batmans Rückkehr“. „Batman `89 – Echos“ setzt die Geschichte fort und bietet von allem mehr: mehr Schauspieler der 1980er, mehr Bösewichte, mehr Handlungschaos. Stürzen wir uns einmal mehr in die Nacht von Gotham City.

von Kurt Wagner

Ich gestehe, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. „Batman `89 – Echos“ will eine Menge erzählen und hat dafür – ich greife hier mal voraus – in meinen Augen zu wenig Platz. Zunächst einmal ist Batman verschwunden. Möchtegerns versuchen auf den Straßen seinen Platz einzunehmen, aber sie landen reihenweise im Leichenschauhaus, denn zu Batman gehören eben nicht nur ein williger Geist und vielleicht ein sportlicher Körper, sondern auch eine Menge technischer Gadgets, die Otto-Normal-Superheld nicht hat. Barbara Gordon, die Tochter von Batmans Polizei-Freund James Gordon und wie ihr verstorbener Vater ebenfalls ein Cop, bittet um Hilfe bei Alfred Pennyworth, doch auch der weiß nicht weiter.

Dann hätten wir da Harleen Quinzel, irgendwann die durchgeknallte Verbrecherin Harley Quinn, hier noch vor allem eine nach Ruhm und Aufmerksamkeit gierende Psychiaterin mit eigenwilligen Behandlungsmethoden, die ständig im Kampf mit dem TV-Sender ACN liegt, dessen Programm-Manager Chuck sie in ihren Augen nicht ernst genug nimmt. Das Spannungsfeld voyeuristische Medien hier und Selbstinszenierung von Kriminellen dort wird in dem Comic immer wieder in den Fokus rücken und mag auch ein wenig als Kritik des Autors am Sensationsjournalismus verstanden werden.

Einer dieser Kriminellen ist Firefly, ein Kriegsveteran, der Gotham City mit Bombenanschlägen bedroht hat, und nun im Arkham Asylum landet, um dort von Dr. Jonathan Crane behandelt zu werden. Doch, Überraschung, Firefly ist in Wahrheit Bruce Wayne alias Batman, der sich eingeschlichen hat, um den Tod seines Bekannten Dr. Hugo Strange zu untersuchen (ja, der Kerl ist eigentlich ein Superbösewicht im Bat-verse, aber hier wurde er irgendwie neu interpretiert). Dabei trifft Wayne unter den Insassen unter anderem auf den Riddler, den Kraftprotz Blockbuster und einen Überraschungs-Schurken, den ich hier mal nicht spoilern will. Dass Crane alias Scarecrow dabei alles andere als koschere Heilkunst betreibt, versteht sich von selbst.

Schon „Batman `89“ hatte ein paar Problemchen mit der Überfülle an Handlungsideen, die nicht alle zufriedenstellend beendet werden konnten. Bei „Echos“ tritt das Ganze noch verstärkt auf. Das liegt nicht zuletzt an Sam Hamms unglaublicher Freude am hemmungslosen Erzählen. So stellt er eine Star-Riege auf die Beine, die in Hollywood verdammt viel Geld gekostet hätte, einfach, weil er es im Comic kann. Neben Michael Keaton, Michael Gough, Winona Ryder, Marlon Wayans und Michelle Pfeiffer aus dem Vorgängercomic, treten hier neu Madonna, Jeff Goldblum (nicht gut zu erkennen), Martin Short, Harvey Fierstein, Ricardo Montalbán und Arnold Schwarzenegger (nicht als Mister Freeze) auf.

Das ist für Cineasten natürlich lustig, aber wenn so viele namhafte Protagonisten um Aufmerksamkeit buhlen, wird es schwer, eine runde Story zu erzählen. Catwoman lasse ich noch als Cameo gelten, ebenso den Riddler, aber schon die Konkurrenz zwischen Harleen Quinzel und „Scarecrow“ Crane sorgt praktisch für zwei parallele Handlungsstränge, die sich gegenseitig Seiten wegnehmen. Dass dann noch der von Ricardo Montalbán „verkörperte“ Bösewicht auftritt, ist dann völliger Overkill und zieht die Handlung nochmal in eine andere Richtung. Meiner Meinung nach wäre es besser gewesen, die Geschichte stärker zu fokussieren. Man muss nicht immer alles raushauen, was einem einfällt, nur weil es in einem Comic – anders als in einem Realfilm – geht.

Ein weiteres Problem hat „Echos“ auch vom Vorgänger übernommen. Erneut wird das Burton-verse eher behauptet als geboten. Denn Tim Burtons „Batman“-Filme waren eben nicht nur Michael Keaton und die anderen Schauspieler. Sie zeichneten sich auch oder vielleicht sogar vor allem durch ihre großartige, opernhafte Gothic-Atmosphäre aus. Das geht im Comic völlig verloren. Wir sind viel zu nah an den Figuren dran, als dass Raum für Architektur wäre. Es fehlen die großen Bilder, die atemberaubenden Ganzseiten-Panels. Dabei, das sei nicht unterschlagen, machen die Illustratoren Joe Quinones und Stacy Lee ihre Sache wirklich recht gut. Figuren sind eindeutig ihre Stärke. Man kann fast alle Schauspieler, die Pate gestanden haben, gut erkennen. Bloß, wie gesagt, es fehlt an Burtons besonderem visuellen Stil.

Fazit: „Batman `89 – Echos“ ist inhaltlich ein wilder Ritt. Sam Hamm will viel erzählen, am Ende zu viel. Dabei fährt er eine imposante Riege an Hollywood-Stars auf, die Joe Quinones und Stacy Lee perfekt aufs Papier bringen. Von der berühmten Tim-Burton-Optik, die die „Batman“-Filme maßgeblich geprägt hat, ist allerdings nichts übrig geblieben. Ich will nicht verhehlen, dass ich mit „Echos“ meinen Spaß hatte. Ich mag dieses Konzept eines als Bildergeschichte erzählten Blockbuster-Films. Jedoch wäre das Ganze noch gelungener ausgefallen, wenn die Macher das, was Burtons „Batman“-Filme so genial gemacht hat – die Optik und einen einzelnen starken Bösewicht –, mehr verinnerlicht hätten.

Batman `89 – Echos 
Comic
Sam Hamm, Joe Quinones, Stacy Lee
Panini Comics 2025
ISBN: 978-3-7416-4027-8
148 S., Softcover, deutsch
Preis: 19,00 EUR

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