von LarsB und KaiM
Bis auf „Thessaloniki“ haben wir die wesentlichen Titel auf unserer „Giant-Roc-To-Play-List“ schon gespielt. Jetzt starten wir ein wenig leichter mit ein paar Kobold-Spielen und schauen dann mal, was uns noch erwartet. „Trash Poker“ haben wir an diesem Wochenende komplett ausgelassen, obwohl es mit den Leuten bestimmt ein Fest gewesen wäre. Aber zu diesem Poker-Tableau-Chaos-Mischmasch könnt ihr unsere Meinung schon nachlesen. Schaut einfach in unseren Archiven.
Also stürzen wir uns wieder ins Getümmel.
Borealis (Kobold Verlag)
Wir sind auf einer Arktis-Expedition und möchten verschiedene Tiere erforschen. Dafür spielen wir Karten aus und bewegen unsere kleinen Forscher-Figuren zwischen drei benachbarten Forschungs-Pfaden hin und her. Karten dürfen wir nur ausspielen, wenn auf dem jeweiligen Pfad die passenden Forscher stehen. Zum Pfad-Fortschritt passende Kartensymbole geben uns weitere Punkte. Tiersets entlang eines Pfads sorgen für Punkte, wie auch gleiche Tiere in Reihen über die Pfade hinweg. Zielkarten bringen uns im Wettrennmodus Punkte. Und schließlich gibt es noch Spielende-Wertungen.
Meinung Kai: Man kann sich das Hirn zermartern, um den nächsten Zug zu planen, aber in einer Runde mit vier Personen wäre dann jede Partie einfach viel zu lang. Die Verwendung der Polarforscher ist aber ein wirklich cleverer Mechanismus, den ich gern auch noch in anderen Spielen sehen würde. Der wäre eigentlich optimal für Expertenspiele geeignet.
Meinung Lars: Was so putzig daherkommt, ist ein ganz schön heftiges Puzzle. So viele Dinge sind gleichzeitig zu bedenken. Dabei möchte „Borealis“ eigentlich ein flottes Spiel sein. Ich denke, die Spielerfahrung hier ist sehr gruppenabhängig.
Fernweh (Kobold Verlag)
Wie wäre es mit diesem Pitch: Mittels Uno-Mechanismus begeben wir uns auf eine lange, sehr lange Gruppenreise in die Berge. Wir müssen in diesem kooperativen Spiel Missionen schaffen, indem wir unsere Hände leer spielen. Wir dürfen allerdings erst über unsere Karten reden, wenn wir nur noch drei Karten auf der Hand halten. Durch das Spielen von Sonderkarten können wir uns gegenseitig beim Handleeren unterstützen. Ist der Nachziehstapel leer, haben wir die Runde verloren. Haben wir unsere Missionen vorher geschafft, haben wir die Runde gewonnen. Je nach Anzahl gewonnener Missionen dürfen wir entlang eines laaangen Weges ein paar Felder ankreuzen. Irgendwann im Spielverlauf gibt es neue Karten mit neuen Effekten.
Meinung Kai: Wenn man beim Spielen Fernweh bekommt …
Meinung Lars: Das Spiel ist zu mau mau! Es dauert einfach viel zu lang. Das Thema habe ich gar nicht gespürt. Zugegeben, wir haben die Partie abgebrochen. Mag sein, dass die Karten in der zweiten Hälfte des Spiels interessanter werden. Für mich der schwächste Titel des Wochenendes.
Leylines (Mirakulus)
Kennt Ihr noch „Auf Achse“? So ist „Leylines“ – nur krasser. Es fehlen allerdings die coolen LKWs. Wir bewegen unsere Figuren entlang eines Wegenetzes, sammeln dabei unterschiedliche Holzwürfelchen ein, um vorher ersteigerte Aufträge zu erfüllen. Auf besonderen Feldern können wir für unsere Steinchen auch Ausrüstung kaufen, die uns bei unserem logistischen Unterfangen weiterhelfen, neue Aufträge mittels Auktion kaufen und Trostpreis-Karten erhalten, die unserer Engine auf die Sprünge helfen.
Meinung Kai: Ohne LKW, dafür mit schönen Acrylfiguren. Mir hat der Planungsaspekt und das notwendige Timing sehr gut gefallen. Trotz des Bietmechanismus sehr solitär.
Meinung Lars: Durch einen Regelfehler war meine Spielerfahrung einfach sehr unbefriedigend: Ich konnte erst so spät Ausrüstung kaufen, dass es sich nicht mehr gelohnt hat, und war sehr langsam unterwegs auf dem Spielbrett. Ich bin folgerichtig krachend Letzter geworden. Der Grund? Würfelpech. Jedoch hätte ich für nur ein Goldstück beliebig viele Würfel erneut werfen dürfen … Ich brauche also noch eine Partie.
Psync (FunBot)
Das unterhaltsame Party-Spiel von Funbot stellt gemeinsame Assoziationen und treffende Einschätzungen in den Mittelpunkt. In jeder Runde nennt ein Spieler einen Begriff, während an den drei Ecken eines aus Hexfeldern bestehenden Spielfeld-Dreiecks unterschiedliche Beschreibungen ausliegen – wie etwa „könnte einen Shitstorm auslösen“ oder „wird oft besungen“. Nun platzieren alle Mitspielenden geheim hinter ihrem Sichtschirm einen Pöppel auf dem Raster, um den Begriff möglichst passend zwischen den drei Begriffspolen zu verorten. So gehört ein „Stirntätowierung“ etwa nahe an den Shitstorm, aber weit weg vom Lobgesang. Bei der abschließenden Auflösung gilt: Je besser die eigene Einschätzung mit der der Gruppe übereinstimmt, desto mehr Punkte gibt es.
Meinung Kai: Ein lustiges und ebenso einfaches Spielkonzept. Nach der Erstpartie scheint es so, als wäre es weniger für Kinder geeignet. Aber grundsätzlich kann jeder mitmachen, und in größeren Runden lädt es zum Mitmachen ein.
Meinung Lars: Witziges und schnelles Party-Spiel. Funktioniert wahrscheinlich am besten in größeren Gruppen.
Weirdwood Manor (Grimspire)
„Weirdwood Manor“ ist ein kooperatives Abenteuerspiel, in dem die Spieler gemeinsam ein geheimnisvolles Anwesen vor dem Einfall eines düsteren „Dark Lords“ beschützen müssen. Das zentrale Highlight ist der mechanisch rotierende Spielplan, durch den sich Räume und Laufwege im Laufe der Partie ständig verändern. Um den drohenden Untergang abzuwenden, kombiniert die Gruppe strategische Aktionsauswahl, geschicktes Kartenmanagement und individuelles Helden-Positionieren.
Meinung Kai: Da geht jede Menge ab, auf dem Tisch. Am Anfang weiß man noch gar nicht, was man selbst alles machen kann, geschweige denn hat man im Blick, wie die anderen helfen könnten. Was der Gegner so tut, ist ebenso undurchschaubar. Rückblickend fällt es mir erstaunlicherweise schwer zu sagen, wie gut es mir gefallen hat. Auf jeden Fall kein schlechter Titel, den ich mindestens noch mal mitspielen würde.
Meinung Lars: An der einen oder anderen Stelle manchmal etwas kompliziert im Detail, aber stimmungsvoll düster-magisch mit einigen interessanten Mechanismen. Die erste Partie war eine Kennenlern-Partie. Ich brauche daher noch weitere Partien für eine erste Meinung. Insbesondere hinsichtlich der Koop-Erfahrung bin ich mir noch sehr unsicher.
Thessaloniki (Giant Roc)
„Die Sonne geht auf und im Hafen und im Forum herrscht bereits Trubel. Gerüchte von römischer Gunst und Handelsmonopolen machen die Runde. Und schön bald ächzen Schiffe schwer beladen mit Waren für ferne Häfen. Ein ganz normaler Alltag im Thessaloniki des 4. Jahrhunderts beginnt …“ So steht es hinten auf der Verpackung. Und dann geht’s wieder mal rund: Ressourcen, Aktionen, Geld, Siegpunkte. Wagenrennen, Handelsschiffe, Veredelungsprozesse, Handkarteneffekte und die ewigen Timingprobleme. Kern dieses T-Spiels ist dieses Mal ein Aktionsrondell, auf dem wir unsere Arbeiter im Kreis bewegen. Mit jeder Bewegung bekommen wir Ressourcen und Aktionen, die natürlich gut aufeinander abgestimmt werden müssen, damit am Ende alles ineinandergreift und man mit den meisten Siegpunkten als Sieger den Platz verlässt.
Meinung Kai: Ein T-Spiel. Mal wieder. Aber mal wieder ist es verdammt gut. Das Rondell, die Engines, die dezenten Interaktionsmöglichkeiten und offensichtlichen Wettrennen: Fand ich alles fantastisch. Mehr davon.
Meinung Lars: Ich mag T-Spiele. „Thessaloniki“ hat einen guten Eindruck hinterlassen, weil es so schön verzahnt ist. Hier sind viele Teller in der Luft zu halten. Sicherlich etwas für Fans von Brainburnern.
Wild Gardens (Kobold Spiele)
In „Wild Gardens“ streifen die Mitspielenden durch malerische Landschaften, um frische Zutaten für schmackhafte Gerichte zu sammeln. Die zubereiteten Speisen werden an anspruchsvolle Kundschaft serviert, die sehr genaue Vorstellungen von ihrem Wunschmenü hat. Über das Lesen von Fachbüchern lässt sich die eigene Aktions-Engine stetig ausbauen und optimieren, während Rezepte wahlweise reserviert oder direkt aus der Auslage gekocht werden. Trotz des idyllischen Themas ist das Spiel keineswegs rein „cozy“: Durch das Blockieren begehrter Felder und das Wegschnappen von Kunden sowie Rezepten herrscht ein spürbarer, interaktiver Wettbewerb am Tisch.
Meinung Lars: Die Gestaltung des Titels ist sehr freundlich. Die Entscheidungen in diesem Spiel fand ich eher trivial. Auf den ersten Blick sind die Bücherplättchen nicht balanciert. Und damit meine ich ÜBERHAUPT nicht balanciert. Mein erster Eindruck: eher ein schwacher Titel.
Das war es dann also wieder. Wir haben bei weitem nicht alles spielen können, was uns interessiert hätte, aber wir sind trotzdem müde und zufrieden. Viele echte Highlights und noch mehr Vorfreude auf die Titel, die bald noch erscheinen werden. Bis zum nächsten Jahr.





