B-Rex Tage 2026 (Teil 1)

Wie jedes Jahr lädt Frank Noack, der Geschäftsführer von B-Rex, zu den Pressetagen ein, damit die Spiele seiner sechs Hauptverlage (Giant Roc, Mirakulus, FunBot, Kobold Spiele, Grimspire und Corax Games) angetestet werden können. Es war ein Fest, die netten Menschen wiederzusehen, die dafür sorgen, dass uns das Spielmaterial nie ausgeht, und uns auch noch erklären, wie sie funktionieren.

von KaiM und LarsB

Drei Tage lang Zeit, um eine nahezu unendliche Flut von Neuheiten der B-Rex-Verlagsgruppe zu testen. „Das reicht niemals“, dachte ich mir so, und so war es auch. Aber wir gaben unser bestes und haben vierzehn Neuheiten angetestet, um vielleicht den einen oder anderen Hypetrain anzuschieben. Also fackeln wir nicht lange und legen wir los.

Yonder (Giant Roc)
Wir bauen ein kleines Reich mit Karten auf und versuchen mittels Workerplacement am Ende so viele Siegpunkte wie möglich zu sammeln. So weit, so unspektakulär. Aber die Autoren haben sich eine Menge einfallen lassen, damit das Spiel mehr ist, als die übliche Massenware. Fünf verschiedene Arbeitersorten haben je eine kleine Spezialfertigkeit und unterscheiden sich auch in der Art und Weise, wie sie ernährt werden müssen (nein, das Spiel ist nicht von Uwe Rosenberg). Zudem gehören uns die Karten nicht direkt, die wir vor uns ausspielen. Jeder kann sie nutzen, aber dafür verbleiben die Arbeiter in der nächsten Runde dann auch im jeweiligen Dorf, wo sie eingesetzt wurden. Es wurde also auf sehr elegante Weise eine Art Workermanagement eingeführt, das ich so noch nicht gesehen habe.

true

Meinung Kai: Mir gefällt der Grafikstil und der innovative Anteil am Workerplacement. Die Möglichkeit, die Karten der anderen zu nutzen und ihnen damit einen Worker zu schenken, der durch die Ernährung aber auch Probleme verursachen kann, fühlt sich frisch und spannend an. Weitere Partien dürfen folgen.
Meinung Lars: Wie herzlich sind diese Workerfiguren mit ihren Knopfaugen bitte?! Da bricht mir der innovative Einsetz-Mechanismus fast das Herz, weil ich sie gar nicht abgeben möchte. Das Spiel ist flott, interaktiv und angenehm komplex. Das erste Highlight der B-Rex-Tage!

Chamälio (FunBot)
Ein kleines Kartenspiel für zwischendurch. Wir sammeln Sets an farbigen Chamäleonkarten und ziehen dafür jede Runde eine Karte. Entweder vom verdeckten Stapel oder vom Ablagestapel. Hat man ein Set fertig, bekommt man einen Punkt. Aber wird ein Set in der Entstehung durch eine falsche Karte kaputtgemacht oder sammelt man aus Versehen ein zweites Set derselben Farbe, muss man wieder von vorn anfangen. Die Rückseiten der Karten sind individuell und geben einen Hinweis, um was für eine Karte es sich handeln könnte. Man zockt also nicht ganz blind drauflos. Der Clue und Ärgerfaktor: Man darf eine Karte auch an die Mitspieler geben, gegebenenfalls ohne sie sich vorher anzusehen. Das bringt ordentlich Interaktivität an den Tisch.

true

Meinung Kai: Ein kurzweiliger Absacker mit sehr wenigen Regeln, der uns einen schönen Einstieg in das Spielewochenende beschert hat.
Meinung Lars: Sehr schnell erklärt, mit schönen Spannungsmomenten. Man darf sich nie zu sicher sein. Einer der besten Funbot-Titel bisher.

Quest GmbH (Mirakulus)
Als Organisator von Auftragsheldentum wetteifern wir mit den anderen um Kundschaft, die uns nach Erfüllung unserer Aufgabe mit Geld und Schätzen versorgt. Im Sinne eines „My-(War-)Hammer.de“ bieten wir reihum für ausliegende Aufträge, bis jeder einen Auftrag ergattern konnte. Mit hohen Geboten schmälern wir natürlich unsere Marge, aber da wir wissen, was für Schätze zusätzlich winken, kann sich das schon lohnen. Denn über die Schätze sammeln wir Sets, die uns am Ende noch mal jede Menge Gold bringen. Wer davon nach ein paar Runden am meisten hat, gewinnt. Jeder Auftrag benötigt eine bestimmte Gruppe von Abenteurern. Die Magier, Krieger, Bogenschützen etc. heuern wir in den Kneipen der Umgebung an, wofür wir wiederum Geld benötigen. Hier beginnt ein Wettrennen um die tollsten Helden, bevor wir uns in der dritten Phase einer Runde ins Abenteuer stürzen und unsere Aufträge erledigen.

true

Meinung Kai: Trotz schöner Gestaltung, interaktivem Bietmechanismus und dem Wettkampf um die Helden bin ich mit dem Spiel nicht warm geworden. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, muss eine zweite Partie Klarheit schaffen.
Meinung Lars: Humorvoll gestaltet, mit durchaus interessanten Entscheidungen, insbesondere in der Auktionsphase. Die Erledigung der Quests fällt allerdings ab.

Joyride – Schnell und Schrott (Grimspire)
Es wird gedrängelt, geschoben, gesprengt und zerstört. Wir heizen über einen Schrottplatz und zerdengeln dabei die Fahrzeuge, bis es jemand geschafft hat, den Parcours zweimal zu umrunden. Der Ablauf ist, wenn man es erst mal verstanden hat, superschnell und einfach. Würfel bestimmen das Schicksal, und wenn man den richtigen Gang einlegt und es schafft, sich an den Gegnern und Hindernissen vorbeizudrängeln, kann man sich am Ende an die Spitze setzen und den Sieg feiern.

true

Meinung Kai: Besonders schön funktioniert das Spiel, wenn man die Gegner wegdrängelt und so die ganze Planung durcheinanderbringt. Nicht, dass man viel planen müsste, aber es ist schon ärgerlich, wenn sich das eigene Auto durch gezielte Heck-Schubser um 180° Grad dreht und man auf einmal in die andere Richtung fährt. Ein schöner, chaotischer Spaß.
Meinung Lars: Was für ein Chaos! Aber durchaus sehr spaßig. Wenn ich überlege, wo ich überall lang gefahren bin… Der Catchup-Mechanismus scheint gut austariert zu sein. Wenn man die Bewegungsregeln drauf hat, spielt es sich flott. Könnte daher das sein, was „Thunderroad Vendetta“ zu sein versuchte.

Pirate King (FunBot)
Jeder bekommt ein Kartendeck, von dem immer gleichzeitig aufgedeckt wird. Wer die Hosen voll hat, steigt aus, alle anderen ziehen weiter. Wer am Ende die meisten Schwerter aufgedeckt hat, darf ein Monster erledigen. Und wer die meisten Münzen aufgedeckt hat, darf sich Schätze aus der Auslage nehmen. Die neu gewonnen Karten kommen ins eigene Deck. Dann werden neue Karten in die Auslage gelegt und die Runde geht von vorne los. Natürlich gibt es einen Haken, denn wenn man zu viel Totenköpfe aufdeckt, ist man für die Runde raus und bekommt gar nichts. Wer am Ende, wenn alle Monster besiegt und alle Schätze eingesammelt sind, die meisten Punkte hat, gewinnt.

true

Meinung Kai: Ein klassisches, chaotisches Push-your-Luck-Fest mit viel „Arrrrr“. Mir hat es Spaß gemacht, aber es scheint auch so seine Probleme zu haben. Ich bräuchte noch ein paar Partien ...
Meinung Lars: Ich bin in der Partie am Anfang abgehängt worden und habe keine Möglichkeit gesehen, wieder Fuß zu fassen. Vielleicht ein Problem der Fünfer-Partie? Ich mag das Setting und die Illustrationen. Ich bräuchte noch ein paar Partien.

Widerstand – Oranje wird siegen (Giant Roc)
Wir befinden uns in den Niederlanden zur Zeit der Besatzung durch Nazi-Deutschland. Sicherlich kein leicht verdauliches Setting. Wir spielen als friedliche Widerstandsgruppe und müssen uns in mehreren Szenarien bewähren. Durch unser persönliches kleines Kartendeck werden unsere besonderen Fähigkeiten abgebildet. In dieser kooperativen Erfahrung sind Absprache und Koordination wichtig. Einige Entscheidungen müssen wir jedoch allein treffen, weil nur wir Kenntnis von kommenden Ereignissen haben, über die wir kein Sterbenswörtchen verlieren dürfen. Wir interagieren auf der Karte mit verschiedenen Orten und laufen immer wieder Besatzern oder Kollaborateuren über den Weg. Bloß nicht auffallen, aber manchmal muss man etwas riskieren für die gute Sache. Als Spielgruppe müssen wir auf gleich mehrere Dinge achten, um nicht zu verlieren: Die Zeit geht uns aus, die eigene Tarnung fliegt auf, usw.

true

Meinung Kai: Sehr stimmungsvoll, ein wenig beklemmend. Aber mit jeder gemeisterten Situation steigt die Gewissheit: Oranje wird siegen. Die Zusammenarbeit ist essenziell, und alle müssen ihren Beitrag leisten. Die individuellen Fähigkeiten steigern die Immersion noch mal deutlich: Bargeld schmuggeln im Kinderwagen? Hammer.
Meinung Lars: Oh mein Gott, hat mich die erste Partie geflasht! Der Besuch des Anne-Frank-Museums in Amsterdam ist erst zwei Monate her. Mir hat sich die Kehle zugeschnürt während der Partie. Ein tolles Spiel, was entgegen meiner Erwartung durchaus zugänglich ist. Wer ein ganz thematisches Spiel mag und eine etwas komplexere Abwechslung zu „Pandemie“ sucht, sollte schnell tätig werden. Die Auflage ist leider klein. Und seit vorgestern gibt es mindestens ein Restexemplar weniger. Ein Highlight!

March of the Ants (Giant Roc)
Wir alle spielen in diesem ansprechend gestalteten 4X-Spiel jeweils ein Ameisenvolk und wetteifern um Siegpunkte. Dabei kämpfen wir gegeneinander um die Vorherrschaft auf verschiedenen Garten-Hexagonal-Feldern, bauen die Fähigkeiten unseres Ameisenvolkes aus und evolutionieren uns von Kopf bis zum Schwanz. Nahrung und Larven halten uns aktionsfähig, doch beides gibt es nicht im Überfluss. Daher sind das gezielte Aufbauen von Fähigkeiten-Kombinationen, die Sicherung von Nachschub durch Ausbeutung von Garten-Hexfeldern und die passende Gestaltwandlung im durchaus anspruchsvollen „March of the Ants“ Schlüssel zum Spielsieg.

true

Meinung Kai: Gegen „Die Ameisen von Amyra“ hat es dieses Jahr jedes Ameisenspiel schwer. Dabei macht dieses Spiel zwar einiges richtig, es hat sich mir aber trotzdem nicht sofort erschlossen. Vielleicht bringt die Asymmetrie der fortgeschrittenen Ameisenvölker hier den entscheidenden Kick.
Meinung Lars: Das Spiel hat schon etwas. Ich mag das Tableau-Building und die unterschiedlichen Ausrichtungen, die man damit im Spiel verfolgen kann. Ich sehe noch nicht, inwieweit Konflikte auch wirklich vorteilhaft genug sind. Ein Ersteindruck: Damit steht und fällt das Spiel.

Jetzt ist es etwa Samstagnachmittag und wir müssen erst mal eine kurze Verschnaufpause einlegen. Wir können einfach nicht alles auf einmal spielen.