Avatar – Fire & Ash – Die illustrierte Enzyklopädie

Mit dem dritten Teil seiner „Avatar“-Reihe hat Regisseur James Cameron einmal mehr einen Mega-Blockbuster produziert. Dabei ist es nicht mal so sehr die doch recht klassische und dem Hollywood-Format folgende Handlung, die Zuschauer begeistert, als vielmehr die unfassbar bunte, fantasievolle Präsentation der CGI-Welt Pandora, samt all ihrer Tiere, Pflanzen und natürlich der einheimischen Na’vi. Im Kino sind viele liebevolle Details mitunter nur kurze Augenblicke zu sehen. Wer sich intensiver mit Camerons Schöpfung auseinandersetzen will, für den ist dieses Buch.

von Bernd Perplies

„Avatar – Fire & Ash – Die illustrierte Enzyklopädie“ ist ein 128-seitiger, vollfarbiger Hardcoverband mit Spotlack-Veredelung auf dem Cover und den sehr typischen Maßen für DK-Bände von ca. 26 x 30,5 cm. Das Buch ist also etwas größer als DIN A4, was den vielen Abbildungen natürlich ebenso zugute kommt wie das stabile Fotopapier der Seiten. Die Verarbeitung wirkt hochwertig und solide, inklusive Fadenbindung, das Äußere weiß also schon mal zu gefallen.

Im Inneren herrscht ein luftiges Layout vor, mit vielen, vor weißem Hintergrund freigestellten Bildern von Personen, Tieren, Ausrüstung und Fahrzeugen, die von kurzen Textblöcken und Textschnipseln flankiert werden, wie man das von anderen illustrierten Enzyklopädien aus dem Hause Dorling Kindersley kennt. Die Fotos sind fast durch die Bank knackscharf und von schöner Farbigkeit, sodass man auch die vielen kleinen Details gut erkennen kann, die in die Herstellung der Requisiten geflossen sind. Das Buch unterteilt sich in acht große Kapitel, die jeweils von doppelseitigen Filmausschnitten eingeleitet werden, welche leider etwas dunkel und unscharf wirken, so als hätte sie jemand von der Kinoleinwand abfotografiert.

Nach einem Vorwort von Colonel-Quaritsh-Darsteller Stephen Lang und einem zweiseitigen Überblick über die Welt Pandora und die Fraktionen, die dort leben, widmet sich der erste große Block der Familie Sully, den Protagonisten der „Avatar“-Filmreihe. Wir erfahren, dass die Familie seit dem Tod des ältesten Sohns in der Krise steckt und bekommen Einblicke in ihr Leben. Vor allem Waffen und Körperschmuck werden dabei präsentiert, die mit Bedeutung aufgeladen sind. Danach steht der Omatikaya-Clan, die Na’vi des Waldes, denen auch die Sully-Familie angehört, im Fokus. Neben wichtigen Persönlichkeiten werden unter anderem Spielzeuge und Alltagsgegenstände präsentiert, die alle aus tierischen und pflanzlichen Naturmaterialien – ohne Stein und Metall – hergestellt wurden, so wie es dem Glaube der Na’vi entspricht.

Im dritten Kapitel wird der Metakayina-Clan näher betrachtet, die am Meer lebenden Na’vi, die im zweiten „Avatar“-Film „Der Weg des Wassers“ eingeführt wurden. Auch hier werden die wichtigsten Persönlichkeiten vorgestellt, begleitet von allerlei Alltagsgegenständen aus schimmernden Muscheln, Fischbein und anderen Meeres-Ressourcen. Dass dabei jeder zweite Gegenstand wie ein kleines Kunstwerk wirkt, legt beredt Zeugnis davon ab, wie wahnsinnig viel Arbeit die Requisiteure der „Avatar“-Reihe in die Filme gesteckt haben, um Pandora als Welt so überzeugend lebendig wie möglich zu gestalten.

Das Meer von Pandora wird mit einem eigenen kurzen Kapitel gewürdigt, das sich vor allem den Geschöpfen des Wasser widmet, die zugleich im Ansatz vertraut wirken, etwa an einen Buckelwal oder Oktopus erinnern, dann aber doch wieder exotisch davon abweichen. Danach geht es in die Lüfte, zu den Windhändlern, auch als Tlalim-Clan bekannt. Diese ziehen in organisch wirkenden Schiffen über Pandora hinweg, gezogen von kräftigen Windrochen und von riesigen, ballonartigen Geschöpfen namens Medusoiden am Himmel gehalten. (Wirklich praktisch, dass es auf Pandora genau die Art von Tieren gibt, die man braucht, um Bio-Flugschiffe zu bauen.)

Schließlich erreichen wir das titelgebende Land des Feuers, ein trister Landstrich, der einst von einem gewaltigen Vulkan verheert und so zur lebensfeindlichen Einöde wurde. Dort lebt der unheimliche Mangkwan-Clan, stolze (man könnte auch sagen: dumme) Na’vi, die ihre Heimat nie aufgeben wollten und ein Leben voller Bitterkeit und Entbehrungen führen, als aschefarbene Plünderer, die alle anderen Na’vi hassen. Die Andersartigkeit ihres Lebens zeigt sich auch sehr deutlich in ihrem Schmuck, den Waffen und Alltagsgegenständen, die zum einen sehr schlicht und finster daherkommen, zum anderen Metall verwenden, was bei anderen Na’vi kategorisch abgelehnt wird.

Ein ganz kurzer Vierseiter widmet sich den Sumpflanden Pandoras und hier vor allem giftig wirkenden Krabbelwürmern verschiedener Art.

Umso mehr Platz wird der RDA eingeräumt, der Resources Development Administration, oder anders gesagt: den menschlichen Antagonisten der Filmreihe. Hier wird es kalt und technisch, es geht um Eroberung und Ausbeutung der Wildnis von Pandora, und der Unterschied zur naturverbundenen Farbenpracht des Lebens der Na’vi könnte kaum augenfälliger sein. Forschungslabore, Waffensysteme und brachiale Fahrzeuge, die an gute alte „Aliens“- und „Terminator“-Optik erinnern, beherrschen die Seiten. Aber auch dem Avatar-Programm der Menschen (nach dem das ganze Franchise ja benannt ist) wird thematisiert. Hier schlägt das Herz von Fans futuristischem Heavy-Metal höher, aber es wird kein Zweifel daran gelassen, dass die Technologie auf Pandora das Böse ist.

Ein alphabetisches Register schließt das Buch ab.

Fazit: „Avatar – Fire & Ash – Die illustrierte Enzyklopädie“ entführt Fans der Filmreihe bilderreich und mit vielen Informationen auf die Welt Pandora. Im Fokus stehen dabei weniger Landschaften, Fauna oder Flora als vielmehr die verschiedenen Fraktionen auf dieser Welt, deren Lebensweise jeweils anhand zahlreicher abgebildeter Objekte – Waffen, Schmuck und Alltagsgegenständen – vorgestellt wird. Insbesondere wer mehr über die Na’vi wissen und über die Detailversessenheit der Filmemacher beim Erschaffen einer lebendigen Welt staunen möchte, der wird hier einigen Spaß haben. Die RDA und ihre technischen Spielsachen werden dagegen etwas oberflächlicher behandelt – wobei 30 Seiten nun auch nicht Nichts sind, man darf nur keine detaillierten Fahrzeug- oder Waffenbeschreibungen erwarten.

Avatar – Fire & Ash – Die illustrierte Enzyklopädie
Sachbuch
Reymundo Perez
Dorling Kindersley 2025
ISBN: 978-3-8310-5239-4
128 S., Hardcover, deutsch
Preis: 25,00 EUR

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