von KaiM
Bei diesem Spiel muss man sich nicht lange mit dem Thema oder anderen Nebensächlichkeiten auseinandersetzen. In gerade mal 15 bis 25 Minuten ist eine Runde gespielt und drei bis sechs Personen kann man für eine schnelle Partie an den Tisch bringen, selbst wenn sie Regeln noch nicht kennen. Die Autorin Charlène Chaps hat es einfach gemacht. Ein Erstlingswerk, das kein überambitioniertes Nerdprojekt mit 8 Jahren Entwicklungszeit ist, sondern so klein, so einfach und doch sehr clever daher kommt. Aber dazu später mehr.
Das gesamte Gameplay ist schnell erklärt. Es gibt rote und blaue Karten mit den Werten null bis neun sowie zwei Bärenfallen in den gleichen Farben. Alle Spielenden bekommen zwei Karten auf die Hand und zwei Karten kommen offen in die Mitte. Der Nachziehstapel wird verdeckt daneben platziert. Reihum nehmen wir uns eine Karte und legen sie vor uns aus. Wir können jede Karte nehmen, die wir sehen können, also egal ob eine eigene, von einem Gegner, eine offene aus der Mitte oder die oberste vom verdeckten Zugstapel. Sobald alle zwei Karten vor sich ausliegen haben, bestimmt die Summe der Auslage, wer die Runde gewonnen hat. Dann werden alle Karten wieder eingesammelt, neu ausgeteilt und die nächste Runde beginnt. Wem es gelingt, als erstes drei Runden zu gewinnen, gewinnt auch das Spiel.
Einige wenige Karten haben Effekte, die den Verlauf interessant gestalten. Beispielsweise gibt es zwei Karten, die die Siegbedingung ändern. Normalerweise gewinnt man mit der höchsten ausgelegten Summe, aber wird eine dieser Karten gespielt, drehen sich die Vorzeichen und man benötigt plötzlich die niedrigste Summe. Liegt die Bärenfalle in der eigenen Auslage, kann man die Runde nicht gewinnen und spielt man von zwei anderen Spezialkarten, darf man eine beliebige Karte aus der Auslage zerstören. Dann wird aber trotzdem so lange weitergespielt, bis alle zwei Karten in der Auslage liegen haben.
Aber vor allem zwei Kniffe verleihen diesem schnell gespielten Spiel einen besonderen Reiz. Zum einen ändert sich nach jeder Runde die Informationslage: Gewinnt man die erste Runde, muss man fortan eine Karte verkehrt herum auf die Hand nehmen. Somit haben alle anderen mehr Informationen und man selbst weniger. Hat man schon zwei Runden gewonnen, muss auch die zweite Karte herumgedreht werden.
Außerdem kann man „Amarok“ auch im Team spielen. Für drei bis sechs Personen ist das Spiel ausgelegt und bei vier oder sechs Personen kann man sich auch jeweils zu zweit zusammentun.
So fühlt es sich an
Das Spiel ist sehr schnell erklärt, wirklich flott gespielt und es gibt fast keine Downtime. Da nur zwei Karten pro Runde ausgespielt werden, ist jede Entscheidung von Bedeutung und man versucht vorherzusagen, wie sich die Situation am Tisch entwickeln wird. Eine Karte von einem Gegner zu nehmen, ist das totale Glücksspiel, aber es gibt Informationen preis und man nimmt dafür taktische Möglichkeiten. Je nachdem was in der Mitte liegt, kann das eine gute Wahl sein, aber es hängt immer davon ab, wie sich die Runde entwickelt und wie stark man Einfluss auf die Siegbedingung nehmen kann. In späteren Runden verschiebt sich die Informationslage, denn man (und damit auch die Gruppe) weiß immer mehr. Das hält die Runden frisch und bietet einen gewissen Aufholmechanismus, ohne dass die zuvor gespielten Runden beliebig werden. Dieses Mittelding aus Deduktion, Bluffen, Glück und ein wenig Trashtalk am Tisch macht eine gute Stimmung am Tisch. Ohne viel zu versprechen, liefert dieser Absacker ein paar spannende Entscheidungen und eine gute Zeit.
Noch besser wird die Zeit, wenn man im Team, am besten zu sechst, spielen kann. Auch wenn man nicht kommunizieren darf, schafft das Team eine Zusammengehörigkeit und reduziert die Zufallskomponente. Gewonnen oder verloren wird dann über die Summe der ausliegenden Karten und in diesem Modus deduziert man nicht nur die gegnerische Strategie, sondern auch, was der Partner beziehungsweise die Partnerin wohl machen wird.
Fazit: Ein kleines, feines Spiel in einer handlichen Box, das das Thema Deduktion auch für Wenigspielende zugänglich auf den Tisch bringt. Der Team-Modus und der Aufholmechanismus sind kleine, innovative Highlights. Ein Spiel, das man sich in den Schrank legen kann – und die Gelegenheit, es zu spielen, kommt ganz bestimmt. Schönes Ding.
Amarok
Kartenspiel für 3 bis 6 Personen ab 8 Jahren
Charlène Chaps
Huch! 2026
EAN 4260071885630
Sprache: Deutsch
Preis: ca. 11,99 EUR
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