Bloops

„Komm, wir spielen Bloops, der Fisch“, fordert mich mein Jüngster auf und hält mir eine kleine blaue Schachtel mit einem orangefarbenen Fisch, der große Augen macht, entgegen. Ich bin nur mäßig begeistert. Ich habe das Spiel geschenkt bekommen, und eigentlich gehört es nicht so ganz in mein Beuteschema. Aber um die Spielfreude des Juniors zu fördern, sage ich natürlich zu. Und werde überrascht.

von Bernd Perplies

„Bloops“ ist ein kleines, schnelles Kartenspiel von Asmodee für 2 bis 5 Spieler ab acht Jahren – wobei clevere 7-Jährige von den Regeln auch nicht überfordert werden. Es kommt in einer extrem handlichen Schachtel daher und enthält nichts weiter als 65 Karten und eine Spielanleitung im Flyerformat. Die primären Layoutfarben sind Hellblau und Orange, wobei das zentrale „Spaß-Element“ ein kleiner Fisch ist, der mal freundlich, mal allwissend, aber ganz oft einfach total verpeilt dreinschaut.

Vor Spielbeginn werden die Karten gemischt – nachdem die „Bloops“-Karte beiseitegelegt wurde – und alle Mitspieler bekommen jeweils sechs Karten, die sie unbesehen in zwei Dreierreihen vor sich auslegen. Dann dürfen sie sich die unteren drei Karten anschauen. Auf diesen sind Zahlenwerte zwischen 0 und 20 zu sehen – und natürlich „Bloops, der Fisch“. Die Zahlenverteilung ist dabei nicht einheitlich. Karten mit 0-5 gibt es je 4x, Karten mit 6-12 gibt es je 5x, wobei alle einen Sondereffekt haben, die Karte 15 gibt es 4x, die Karte 20 nur 1x, alles dazwischen fehlt.

Ziel des Spiels ist es, durch das geschickte Austauschen der eigenen Karten eine möglichst geringe Summe zu erhalten, denn wer nach Spielende die kleinste Gesamtzahl vor sich liegen hat, gewinnt die Partie. Das Spielende wird sofort ausgelöst, wenn jemand die Karte mit der 20 abwirft – oder wenn jemand „Bloops“ sagt und sich die „Bloops“-Karte nimmt; dann dürfen die Mitspieler alle noch einmal handeln und danach wird abgerechnet.

Die Spielablauf ist denkbar einfach: Gespielt wird reihum. Wer am Zug ist, zieht sich eine Karte vom Zugstapel und schaut sie sich verdeckt an. Entweder wirft er sie dann ab oder tauscht sie gegen eine der eigenen Karten aus. Das bietet sich natürlich an, wenn die gezogene Karte einen möglichst kleinen Wert hat. Egal welche Karte man abwirft, alle (auch man selbst) haben danach die Chance, zu kontern, indem sie eigene Karten des gleichen Werts ebenfalls abwerfen.

Die Karten 6-9 haben Soforteffekte. Wird eine 6 abgeworfen, nimmt man sofort eine Karte vom Zugstapel und legt sie verdeckt einem Gegner hin. Wird eine 7 oder 8 abgeworfen, darf man sich eine Karte der eigenen oder gegnerischen Auslage anschauen. Wirft man eine 9 ab, tauscht man eine Karte mit einem Gegner, ohne sich eine der beiden Karten anzuschauen. Das kann für einiges Chaos am Tisch sorgen – und man muss ziemlich aufpassen, welche Karten man nun eigentlich in der eigenen Auslage hat. Denn nach dem Anschauen der drei Karten in der unteren Reihe zu Spielbeginn ist ein Überprüfen der Kartenwerte streng verboten, es sei denn, man wirft eine 7 oder 8 ab.

Für risikofreudige Naturen besitzen die Karten 10-12 eine Endwertungseffekt. Diese weisen einen Stern auf. Hat man beim Aufdecken am Schluss drei oder mehr Sternkarten in der Auslage, werden diese alle vor dem Zusammenzählen entfernt. So werden aus 30 und mehr Punkten überraschend (oder taktisch geplant) ganz plötzlich 0. Man darf nur nicht kurz vor Ende eine der Karten an einen Gegner verlieren!

„Bloops“ ist flott gespielt und bietet als kleine Zahlenknobelei durchaus Spaß für Zwischendurch. Wie herausfordernd sich eine Partie gestaltet, hängt dabei zum einen von der Spieleranzahl ab (je mehr, desto mehr Störmanöver können die eigenen Planungen ruinieren), zum anderen von der taktischen und gegebenenfalls aggressiven Spielweise aller Beteiligten. Während der Partie mit meinem Jüngsten haben wir uns eher darauf konzentriert, die eigene Auslage zu optimieren. Aber natürlich kann man auch durch das Ablegen von 6ern, 7ern, 8ern und 9ern andere Mitspieler ziemlich ärgern. Wenn man sich denn merken kann, welche Karten die anderen vor sich liegen hatten.

Am Schluss noch einen kleinen Kritikpunkt. Gerade wenn man zu zweit spielt, kann man eine Partie ziemlich erfolgreich abwürgen und zu seinen Gunsten entscheiden, wenn man gute Startkarten hat und dann nach vielleicht ein oder zwei Runden direkt „Bloops“ ruft. Dass der Gegner zu dem Zeitpunkt sein eigenes Deck schon hinreichend optimiert hat, ist eher unwahrscheinlich. Um das zu vermeiden, ließe sich zum Beispiel als Hausregeln einführen, dass man erst nach 5 Runden „Bloops“ rufen darf. Oder man lebt damit, dass das Dasein als Fisch einfach mal schnell und unrühmlich nach zwei Minuten enden kann.

Fazit: „Bloops“ ist ein ebenso flottes wie unterhaltsames Spiel für Zwischendurch. Der taktische Anspruch steigt mit der Spielerzahl und dem Grad der Erfahrung der Mitspieler. Der Einstieg fällt leicht, die Optik mit dem verrückten Fisch sieht lustig genug aus, um Kinder anzusprechen, und dank des handlichen Formats kann man es eigentlich überallhin mitnehmen. Damit empfiehlt sich „Bloops“ nicht zuletzt als platzsparendes Familienspiel für Reisen. Ich werde das während unseres nächsten Nordsee-Urlaubs direkt mal testen.

Bloops
Kartenspiel für 2 bis 5 Spieler ab 8 Jahren
MontiBearnar, Mathieu Lidon
Zygomatic/Asmodee 2026
EAN: 3558387000986
Sprache: Deutsch
Preis: 15,99 EUR

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