von Frank Stein
Der vorliegende Sammelband vereint die Ausgaben #9-12 der 12-teiligen Event-Serie „Die Schlacht von Jakku“. Ursprünglich wurden die vier Hefte in den USA unter dem Titel „The Battle of Jakku: Last Stand“ zwischen Dezember 2024 und Januar 2025 veröffentlicht. Dieser deutsche Sammelband bei Panini folgte dann parallel im Softcover und im limitierten Hardcover im September 2025. Geschrieben wurden alle Comics von Alex Segura. Die Zeichnungen stammen von Jethro Morales und Leonard Kirk (der mit diesem Namen wirklich für „Star Trek“ zeichnen sollte, das nur eingeworfen ;-) ). Für die Farben sorgte Jim Campbell.
Der Comic startet auf Chandrila, wo eine hoch schwangere Prinzessin Leia gerade entspannt ihren Kugelbauch reibt. Doch nur eine Seite später explodiert bereits die Flanierpromenade. Die Akolythen des Jenseits sind zurück, jener fanatische Bund dunkler Machtnutzer, die sich mit dem manischen Imperialen Moff Adelhart verbündet haben, deren Loyalität allerdings ebenso wankelmütig ist wie ihre wahren Ziele unklar. Leia wird der Krise Herr, aber nicht ohne Opfer – ein fast zynisch anmutender Einstieg.
Luke glaubt unterdessen nicht so ganz an das angebliche Ableben von Adelhart am Ende des zweiten Comics, und natürlich hat er recht. Der Moff ist nach wie vor gesund und munter (zumindest körperlich), allerdings mittlerweile ziemlich wütend auf die ganze Galaxis und reich an augenrollenden Brandreden. Für ihn heißt es nun: Entweder das Imperium wird mit ihm an der Spitze neu geboren – oder alle sterben bei dem Versuch. Damit wird er zu einem unberechenbaren Joker in den Plänen des Restimperiums unter Großadmiralin Sloane und Berater Rax, die auf eine Entscheidungsschlacht mit der „Rebellenallianz“ drängen, die Schlacht von Jakku.
Wer Band 1 und 2 der Event-Serie gelesen hat, der wird von Band 3 nicht überrascht sein. Erneut setzt Alex Segura auf viele, teils extrem kurze Szenen und ein großes Personal, das in ein Netzwerk aus Verrat und Intrigen verstrickt ist. Dabei fällt es erneut vor allem Lesern, die nicht Chuck Wendigs „Nachspiel“-Romantrilogie gelesen haben, schwer, so ganz zu verstehen, was passiert. So wirkt die Schlacht von Jakku beispielsweise irgendwie an den Haaren herbeigezogen. Warum sammeln sich die Restimperialen ausgerechnet dort? Und warum geht die Neue Republik auf die Provokation ein? Was ist so besonders an Jakku, dass man darum kämpfen sollte. Admiral Ackbar, Mon Mothma und Leia Organa wissen, dass sie die Schlacht bestenfalls mit Glück gewinnen können. Warum das Risiko zu dem Zeitpunkt eingehen? Überhaupt bleiben die Motive von Berater Rax sehr vage. Und wo kommt diese Piratenbraut mit dem Supersternzerstörer her? Fragen über Fragen.
Recherchen im Internet bieten durchaus ein paar Antworten. Da ist von einer Waffenfabrik auf Jakku die Rede, die die Imperialen für sich nutzen wollen. Und man kann von einem Masterplan Palpatines lesen, den ich hier nicht spoilern werde. Solche Informationen vergisst der Comic. Sie wären aber durchaus wichtig gewesen, um dem Geschehen neben der krachenden Action auch inhaltliche Substanz zu verleihen.
Ich will nicht alles schlechtreden. Grundsätzlich gefällt mir die Stoßrichtung auch dieses Comics sehr. Die Geburtswehen der Neuen Republik, der Kampf und die Intrigen innerhalb des Restimperiums, unsere klassischen Helden nach der Schlacht von Endor: Das sind alles Dinge, über die ich sehr gern in einem „Star Wars“-Comic lese. Das fühlt sich nach den guten alten „Legends“-Zeiten an. Aber Alex Segura schafft es halt nicht ganz, dem großen Anspruch gerecht zu werden, eine vielschichtige und epische Saga in zwölf Comic-Heften zu erzählen. Er hätte mehr Platz gebraucht oder Platz vielleicht anders nutzen sollen, um der Handlung mehr Hintergrundinformationen hinzuzufügen. Denn es hat eben nicht jeder erst gestern die „Nachspiel“-Romane gelesen. (Die dem Vernehmen nach übrigens auch ein etwas chaotisches und fragmentiertes Bild rund um die Schlacht von Jakku bieten. Am Ende macht es dann wohl niemand ganz richtig.)
Auch visuell bleiben meine Vorbehalte leider bestehen. Die Cover, diesmal von E. M. Gist, machen erneut einiges her. Der Comic selbst leidet aber immer wieder unter verzogenen Gesichtszügen bei den Helden und Schurken, egal ob Luke Skywalker oder Reyna Oskura. Auch die Sturmtrupplerhelme wirken zerknautscht. Selbst die Raumkampfsequenzen sind diesmal oft nur mit rudimentärem Strich gezeichnet. Das ändert sich erst im letzten Teil der Reihe. Im Kampf um Jakku kommt schon ein Gefühl von Drama auf, das sich auch in ganzseitigen Panels niederschlägt. So muss das sein, wenn sich Großkampfschiffe im tödlichen Tanz gegenüberstehen. Das Ende eines gewissen Supersternzerstörers wirkt allerdings doch etwas hingerotzt. Das können die Beteiligten eigentlich besser.
Eine Covergalerie am Schluss gibt es nicht, dafür werden die einzelnen Episoden innerhalb des Sammelbands von ihrem jeweiligen schicken Cover voneinander abgetrennt, eine Lösung, die mir gefällt, weil man so auch die Schluss- und Anfangspunkte der Einzelhefte besser würdigen kann.
Fazit: „Das letzte Gefecht“ beendet den Event-Comic „Die Schlacht von Jakku“. Erneut wird viel Personal aufgefahren, Verrat und wechselnde Loyalitäten sind an der Tagesordnung. Die titelgebende Schlacht am Schluss kommt dabei fast zu kurz, außerdem unterschlägt Segura ein paar wichtige Informationen zum Wieso und Weshalb. Man bekommt eine Ahnung davon, wie groß diese Geschichte eigentlich hätte sein können. Doch ein Volltreffer ist den Machern nicht gelungen. Zu sehr wirkt der Comic wie eine späte Ergänzung zu Chuck Wendigs „Nachspiel“-Romantrilogie, deren Kenntnis allem Anschein nach geradezu vorausgesetzt wird. Für Fans der Ära des Aufstiegs der Neuen Republik ist der Comic schon empfehlenswert. Erwartet allerdings nicht zu viel von der Handlung. (Das Ende indes ist hübsch erzählt.)
Star Wars – Die Schlacht von Jakku: Das letzte Gefecht
Comic
Alex Segura, Jethro Morales, Leonard Kirk u. a.
Panini Comics 2025
ISBN: 978-3-7416-4322-4
104 S., Softcover, deutsch
Preis: 15,00 EUR
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