von Oli Clemens
Das Kennerspiel „Skybridge“ versetzt dich in die fantastische Welt Thraen. Dort baut ihr an der Weltenbrücke und sammelt Machtpunkte. Das Volk, das es am Ende des Spiels am besten hinbekommen hat, dabei Rebellen zu bändigen und in der Gunst der Godheiten zu stehen, gewinnt.
Keine Sorge, falls dir der Name „Thraen“ noch nichts sagt – selbst als treuer Leser von Ringbote.de könntest du ihn bisher verpasst haben. Er stammt aus einer fantastischen Romanreihe von Franz Vohwinkel, die noch vor der Veröffentlichung steht. Das Brettspiel ist hingegen schon erhältlich.
Auf jeden Fall sind die Völker dort total darauf versessen, die besagte „Skybridge“ von ihrer Welt zum Augenstern zu bauen. Und wer könnte diesen Job besser übernehmen als du? Schnapp dir eins der doppelseitigen Völkertableaus mit dem farblich passenden Spielmaterial und mache dich mit der besonderen Startfähigkeit deines Anführers vertraut. Ab dann wirst du die meiste Zeit damit verbringen, Materialien anzuschleppen. Nur so kannst du an den insgesamt sieben Abschnitten der Brücke mitbauen.
Der Motor des gesamten Spielerlebnisses ist deine persönliche Auslage. Bei „Skybridge“ willst du dir eine potente Effekt-Kette aufbauen. Dazu spielst du Runde für Runde eine Karte aus der Hand an dein Spieltableau. Deine Karten tragen Runensymbole und können nur dort angelegt werden, wo Rune an Rune passt.

Die maximal fünf Karten in deiner Auslage werden dann von dir aktiviert. Sie versorgen dich mit dringend notwendigen Materialien, lassen dich Handel treiben oder bringen dir die Gunst der Godheiten. Ja, kein fantastisches Reich ohne eigene Götterwelt: Cyclosha, Rhagatt und wie sie alle heißen haben Geschenke für dich parat oder sorgen dafür, dass deine Treue am Ende des Spiels in Siegpunkte umgewandelt wird.
Am Ende deines Zugs kannst du am aktuellen Bauabschnitt der Himmelsbrücke bauen, sofern du die notwendigen Mengen an Steinen, Holz und Lasttieren organisieren konntest. Für alle gilt: Wer Siegpunkte will, muss alles auf einmal abgeben können. Teilzeitarbeit oder Joint-Venture-Aktionen gibt es in Thraen nicht.

Neben deiner Baustelle solltest du auch ein Auge auf die Rebellen in der Wüste werfen. Diese fangen an zu murren, wenn ihr mit der Brücke nicht schnell genug vorankommt. Gelingt es dir aber, deine militärische Präsenz in der Wüste zu etablieren, kannst du am Spielende noch ein paar wertvolle Punkte abgreifen.
„Skybridge“ endet, wenn der siebte Abschnitt der Brücke fertiggestellt wurde. Dann sind Thraen und der Augenstern miteinander verbunden. Bis dahin hast du auch mit dem Großen Drakhen Bekanntschaft gemacht. Und in echter Drachen-Art erschwert er natürlich eure Bemühungen.
Punkte bekommt ihr für die Bauabschnitte, an denen ihr mitgearbeitet habt, eure Bemühungen um die Godheiten und die Qualität, mit der ihr in der Wüste für Ordnung gesorgt habt. Wer so die meiste Macht angehäuft hat, gewinnt. Für weitere Partien gibt es noch mehr Völkerfertigkeiten zu entdecken – tob dich also aus!

Für eine Partie des Kennerspiels solltet ihr gut 90 Minuten einplanen. Eure Züge wollen wohlüberlegt sein: Wer beim Aktivieren der eigenen Kartenauslage nicht auf Effizienz optimiert hat, verliert schnell den Anschluss.
„Skybridge“ zaubert dir eine komplette Welt von der prima strukturierten Spielebox auf den Tisch. Jede Godheit hat einen eigenen Namen, unsere Anführer bringen ihre eigene Backstory mit, sogar die Karten für unsere Auslage tragen individuelle Namen. Dazu ist die optische Gestaltung vom Feinsten. Wer auf der Suche nach Flufftexten ist, wird hier fündig. Was das World-Building angeht, kann sich „Skybridge“ mit Spielen wie „Dune Imperium“ oder „Die verlorenen Ruinen von Arnak“ durchaus messen. Aber leider nicht bei der Immersion.

So offen und einladend die Welt auch vor mir liegt: Beim Spielen verblasst sie hinter dem Optimieren meiner Auslage. Ich spiele nicht die Karte „Das Herz von Salthras“, sondern die rote Karte mit dem Metallsymbol, die gerade an meinen Runenslot passt. Auch der imposante Name von Rhamakh, Godh der Taten und der Folgen, verblasst, wenn er erst einmal gegen ein Lastentier abgeworfen wurde. Und auch wenn der Augenstern als Ziel fast schon ikonisch klingt, bleibt der Bau der Brücke dorthin eine rein mechanische Arbeit.
Fazit: Vielleicht hätte mir „Skybridge“ mehr Spielfreude bereitet, wenn ich mich mehr mit Thraen vertraut gemacht hätte. Die Möglichkeiten dazu gibt es ja. Auch ohne den Roman in den Händen zu halten, gibt es auf www.theskybridge.de Textausschnitte und die Möglichkeit, in einem digitalen Tagebuch der Autoren zu blättern. Letztlich bleibt aber ein Tableaubuilding-Spiel, bei dem ich nicht immer das machen konnte, was ich wollte. Mal fehlten die Ressourcen, mal beschränkte mich der Zugriff auf die Kartenauslage. Und auch die Option, die Wüste militärisch zu regieren, fühlte sich leider sehr trocken an.
Skybridge
Brettspiel für 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahren
Michael Rieneck, Franz Vohwinkel
Deep Print Games 2025
EAN: 4250231743542
Sprache: Deutsch
Preis: ca. 49,99 EUR
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