Riffwelten: Nistzeit-Erweiterung

Wem das Grundspiel von „Riffwelten“ eine Spur zu solitär ist, der bekommt mit der gleichzeitig mit dem Hauptspiel erschienenen Erweiterung „Nistzeit“ die ersehnte interaktive Würze. Neben neuen Korallen und einer Verdopplung der Anzahl der Riffbewohner bringt ein cleveres Schildkröten-Wettrennen deutlich mehr Spannung an den Spieltisch. Warum sich das Riff jetzt komplett anfühlt, lest ihr im Test.

von LarsB

Direkt mit „Riffwelten“ sind gleich zwei Erweiterungen erschienen. „Gefährdete Fische“ ist eine „More of the same“-Mini-Erweiterung mit drei neuen Ökosystemkarten und vier hübschen neuen Holzfischen. Die „Nistzeit“-Erweiterung hingegen führt einen neuen Mechanismus ein, der das Spielgefühl ändert.

Auf die Plätze, fertig, los!

Ergänzend zu den Ökosystemkarten bieten uns im „Schildkröteninsel-Modul“ die 15 Nestplättchen pro Partie drei zusätzliche Punktequellen, die wir im Wettrennen-Modus erschließen – natürlich, möchte ich sagen, mit wunderschönen, bedruckten Holzschildkröten. Das Ganze ist aber so angelegt, dass niemand leer ausgehen muss. Die Schildkröteninsel hält mehr Punkte parat für den schnellen Ziel-Erfüller. Am Start der Partie zufällig zugewiesene Schildkröteneier bestimmen die Wertigkeit von Platz 1, 2 und 3. Wem das zu aufregend ist, dem sei gesagt, dass die Wertungen der einzelnen Nestplättchen nur wenig voneinander abweichen. 

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Nichtsdestotrotz führt das Wettrennen um die Punkte Spannung ein. In einem Zweispieler-Spiel kann der erste Platz ein Delta von 10 bis 14 Punkten bringen. Bei Endpunktzahlen von 170 bis 200 Punkten hat das schon einen erheblichen Einfluss auf Sieg und Niederlage. So denkt man zunächst. Im Zweispieler-Spiel allerdings hat der Nachzügler immer noch einen Platz an der Sonne auf der Schildkröteninsel und alle Zeit des Spiels, dieses Ziel zu erreichen. Damit gibt es nur ein paar Pünktchen Unterschied in der Wertung des Wettrennens. Zu zweit ist das Wettrennen damit eher ein freundschaftlicher Brustschwimm-Ausflug. Je mehr Spieler mitspielen, desto erheblicher wird der Ausgang des Unterfangens. Echter Wettrenncharakter kommt ab drei Spielern auf. 

Dann nimmt das Spiel den Solitär-Puzzlern geschützten Raum weg, für den sie „Riffwelten“ vielleicht so lieben. Wer allerdings mag, auch mal einen Blick auf das Riff-Tableau der Mitspieler zu werfen und wettzueifern, für den bringt „Nistzeit“ die vorher wahrscheinlich vermisste Würze in das Spiel. Mit dem „Schildkröteninsel-Modul“ erschließt sich „Riffwelten“ also eine weitere Zielgruppe. „Riffwelten“ bleibt allerdings auch mit diesem Modul ein friedliches Spiel, in dem man sich nichts gegenseitig zerstört. Auch das „Hate Drafting“ bleibt aufgrund der „Riffwelten“-DNA ein untergeordnetes Phänomen.

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Die Verwandtschaft kündigt sich an

„Nistzeit“ führt außerdem neue Korallenplättchen ein. Diese haben einen weißen Rand. Hier kann ein Fisch beliebiger Farbe liegen. Damit wird es leichter, Fisch-beachtende Riffbewohner in das eigene Rifftableau zu locken. Ich kann in solche Korallen nämlich einen Fisch beliebiger Farbe einziehen lassen. Das ist auch gut, denn es kommen Riffbewohner mit neuen Ansprüchen mit ins Spiel.

Zwanzig neue Riffbewohner beschert uns „Nistzeit“ für mehr Puzzle-Herausforderungen. So schauen zum Beispiel Meeresbewohner wie der Teppichhai oder die Löcherkrake sowohl auf die umgebenden Korallen als auch auf die dort wohnenden Fische. Mit dem Grundspiel zusammen hat man 42 (!) verschiedene Riffbewohner, von denen in jeder Partie zehn ins Riffbewohner-Säckchen kommen, für ein unglaubliches Maß an Puzzle-Abwechslung. Das zusätzliche dritte Riffbewohner-Tray ist nun genauso picke-packe-voll wie die zwei Trays aus dem Grundspiel. Für das Einräumen wären beschriftete Trays ein Traum gewesen. Meine Augen …

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Heimliche Highlights

Die 42 Aufbaukarten sollen für eine schnelle, zufällige Zusammenstellung der zehn Riffbewohner für die nächste Partie sorgen. Aber der eigentliche Hauptnutzen dieser Karten liegt für mich in der Anzeige der im Sack befindlichen Riffbewohner. Ich möchte nie mehr ohne diese Karten spielen, weil sie das Spiel noch taktischer machen. Ich weiß, was noch kommen wird. Und entsprechend kann ich mein Riff formen als Wette auf die zukünftige Riffbewohner-Auslage.

Im Szenario-Modus gibt es zehn neue Herausforderungen, drei davon mit dem neuen Schwierigkeitsgrad „extrem“ für die ultimative Herausforderung. Ich mag diesen Modus besonders und hätte mir sogar noch mehr Szenarien gewünscht – auch gerne mit Zielen, wie im Grundspiel. Vielleicht gibt es ja nochmal Nachschub. Oder die Fan-Szene wird hier aktiv. Jedenfalls spielen wir hier für das Erreichen der Nistplättchenziele gegen die Zeit und nicht gegen die Mitspieler. So kann der Szenariomodus der Go-to-Modus sein für besonders harmoniebedürftige Spieler.

Alle Komponenten der Erweiterung passen in die Schachtel des Grundspiels hinein, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt. Dann ist da nicht mehr viel Luft drin. 

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Wer braucht’s?

Die Abwechslung über die zusätzlichen Riffbewohner ist beachtenswert. Ihre Anzahl wurde durch „Nistzeit“ fast verdoppelt. Auch die neuen Korallen nimmt jeder Riff-Puzzler gerne mit. Doch der Hauptbenefit dieser Erweiterung ist die Prise an Interaktion: zu zweit sehr dezent, zu viert schon recht salzig. Wem also „Riffwelten“ zu solitär ist, wer sich nach etwas Interaktion sehnt und wer sich zwischen all den Korallen und Riffbewohnern mehr Spannung wünscht, der muss bei „Nistzeit“ zugreifen. Im Spiel zu zweit werden allerdings nur die ganz sensiblen Spieler erhöhten Puls verspüren. 

Wer Wert auf ein besonders harmonisches Spielgefühl legt, wird sich dennoch am Plus an Abwechslung erfreuen. Für diese Zielgruppe ist „Nistzeit“ eine „Kann“-Erweiterung, bei der die Schildkröten immerhin als hübscher Tischschmuck zu erfreuen wissen. Die Szenarien bieten hier einen Ausweg an. 

Fazit: Für mich fühlt sich „Riffwelten“ mit der „Nistzeit“-Erweiterung komplett an – auch dank der Aufbaukarten. 

Riffwelten: Nistzeit-Erweiterung
Brettspiel-Erweiterung für 1 bis 4 Spieler ab 10 Jahren 
C.W. Yeom 
Strohmann Games 2026
EAN: 4262412340501
Sprache: Deutsch
Preis: 24,90 EUR

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