von Oli Clemens
London, Paris, Tokio und nun Berlin: Die populäre Flip-and-Write-Reihe macht also Halt in der deutschen Hauptstadt. Und weil die Stadt einst in Ost und West geteilt war, bauen wir nun auch immer an zwei Strecken gleichzeitig.
Stifte, Karten, Stadtplan zum Einzeichnen – am Inhalt hat sich auch im vierten Teil der Reihe nichts geändert. Dafür ist dein Spielplan in eine Seite mit Bär und eine Seite mit Krone unterteilt. Dementsprechend gibt es für jede Farbe auch zwei Startstationen: eine auf der Bären- und eine auf der Kronenhälfte. Durch die Wahl der Symbole hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Zum einen nutzt man die Historie der Stadt als Setting, zum anderen bekommt man einen anderen Blick auf die Ossi-Wessi-Situation, die sicher immer noch nicht in allen Köpfen Deutschlands aufgelöst ist.
Für Krone und Bär gibt es jeweils fünf Karten, die miteinander vermischt werden. Die Symbole sind die gleichen geblieben, auch die Jokerkarte mit der Weiche ist wieder dabei. Wird eine violette Karte mit einer Krone aufgedeckt, zeichnest du an der Strecke weiter, die rechts auf dem Plan beginnt. Erscheint eine orangene Karte, wird auf der Bären-Seite weitergespielt. Und da die Stadt historisch betrachtet wieder vereint ist, solltest du bestrebt sein, deine gleichfarbigen Strecken so zu führen, dass sie miteinander verschmelzen. Gelingt dir das, belohnt dich das Spiel mit Extrapunkten.
Diese Zusatzaufgabe ist nicht nur lukrativ, sondern stellt dich auch vor eine spannende zusätzliche Logikaufgabe. Sind die beiden Strecken erst einmal zusammengewachsen, spielt die Farbvorgabe für den Rest der Runde natürlich keine Rolle mehr. Meiner Erfahrung nach gelingt das vor allem in der ersten und zweiten Runde. Ist der Berliner Stadtplan bereits bunt, wird das Ganze herausfordernder – aber nicht unmöglich. Wie bei den Vorgängern gilt auch bei „Next Station: Berlin“: Kreuzungen und parallele Streckenführungen sind tabu! Außer es kommen die Durchgangseffekte ins Spiel!
Die solltet ihr unbedingt einbauen, wenn ihr euch mit den Grundregeln vertraut gemacht habt. Fünf dieser Effekte gibt es, von denen vier in jeder Partie zufällig den Durchgängen zugelost werden. So könnt ihr beispielsweise die nächste Karte vom Stapel schon sehen, Stationen doppelt werten oder Doppelgleise einzeichnen. Diese Effekte und der Zeitpunkt, wann sie in „Next Station Berlin“ aktiv werden, bringen eine erhebliche Dynamik in die Partien. Und natürlich könnt ihr eure persönliche Herausforderung noch zusätzlich damit würzen, indem ihr offene Zielkarten auslegt. Mit diesen Optionen, vom Grundspiel bis hin zur Fortgeschrittenen-Variante, bleibt sich die „Next Station“-Reihe einfach treu.
Die „Berlin“-Ausgabe wird durch die Kronen-Bären-Streckenführung im Vergleich zum „London“-Grundspiel auf jeden Fall komplexer und auch komplizierter. Spätestens wenn eine Kronenstrecke in den Bärenbereich überschwappt, verlor ich anfänglich gelegentlich die Übersicht. Auch insgesamt wird der Spielplan enger, weil du dich von zwei verschiedenen Startpunkten jeder Farbe aus durch das Liniengewirr hangelst. Aber auch da gilt: Das Auge gewöhnt sich, das Hirn folgt. Nach einer Handvoll Partien habt ihr diese Herausforderung gemeistert. Spätestens dann ist der Zeitpunkt die Durchgangseffekte dauerhaft in eure Partien einzubauen.
Wie immer gewinnt die Person das Spiel, die den besten Mix aus Punkten für alle farbigen U-Bahn-Linien, mögliche Zielkarten und Umsteigemöglichkeiten erspielt hat. Dabei hält aber „Next Station Berlin“ noch eine kleine Überraschung parat: Die Weiche ist eine Doppelweiche. Sie lässt dich an beiden Strecken gleichzeitig arbeiten und gibt dir die Möglichkeit, eine zusätzliche S-Bahn-Station einzuzeichnen. Dann kommt ein farbiger Rahmen an die zuletzt eingezeichnete Stationen. Mit solchen Markierung gibt’s mehr Punkte bei den Umsteigemöglichkeiten.
Wie auch bei den anderen Teilen spielt ihr etwa 20 bis 30 Minuten an einer Partie „Next Station Berlin“. Das hängt natürlich wie immer davon ab, wie zügig die Personen die Linien einzeichnen.
Fazit: Die Karawane zieht weiter und macht mit dem vierten Teil der Reihe Halt in Berlin. Wenn du das Grundspiel kennst und magst, wird dich auch „Next Station Berlin“ in seinen Bann ziehen. Der Twist, dass du zwei Linien gleichzeitig einzeichnest und ein Fleißbienchen in Form von Punkten bekommst, wenn sie zusammenwachsen, ist für mich das Alleinstellungsmerkmal, das ich gebraucht habe.
Next Station Berlin
Brettspiel für 1 bis 4 Spieler ab 8 Jahren
Matthew Dunstan
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Sprache: Deutsch
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