Marvel Studios Cross-Sections

Seit 20 Jahren schon – so ist dem Vorwort von Marvel-Studios-Co-Präsident Louis D’Esposito zu entnehmen – leben und atmen Kreative das mittlerweile berühmte Marvel Cinematic Universe, kurz MCU. Iron Man, Captain America, Thor, die Black Widow und wie sie alle heißen haben uns im Kino zu spektakulären Superhelden-Abenteuern entführt. Doch das MCU besteht nicht nur aus seinen Figuren, kaum weniger ikonisch sind seine Schauplätze, vom Avengers Tower über S.H.I.E.L.D.s Helicarrier bis zu Tony Starks Villa. Sie alle kann man in diesem Buch entdecken.

von Frank Stein

„Schauplätze, Fahrzeuge & Technik des Marvel Cinematic Universe im Detail“ verspricht das Buch auf dem Cover. Dem geneigten MCU-Fan läuft dabei das Wasser im Mund zusammen, gibt es doch so viele coole Schauplätze in den mittlerweile über 35 Marvel-Filmen, die man gern mal genauer in Augenschein nehmen würde. Und, so viel sei schon verraten, es gibt wirklich eine Menge auf den folgenden 200 Seiten zu entdecken.

Das Buch kommt als hochwertiger Hardcoverband in Vollfarbe und auf robustem Fotopapier daher. Das entspricht der allgemeinen Qualität beim Verlag Dorling Kindersley, der hierzulande einfach die beste Quelle für Sekundärbücher zu angesagten Franchises wie „Star Wars“, „Marvel“, „Avatar“ oder „Minecraft“ ist. Das Buch hat ein zweckdienliches Inhaltsverzeichnis, aber kein Register, was angesichts der insgesamt nur 20 Einträge zu verschmerzen ist.

Nur 20 Einträge? Das könnte einem wenig erscheinen. Doch man darf nicht vergessen: Zum einen ist das MCU kein Franchise der tausend speziell entworfenen Schauplätze und Fahrzeuge wie „Star Wars“, zum anderen konzentrieren sich so Cross-Section-Bände gern auf die großes Sets, in denen es auch etwas zu entdecken gibt. Und hier ist eigentlich alles Wichtige vorhanden, was mir spontan zum Thema MCU einfällt, darunter beispielsweise neben den im Teaser schon genannten Schauplätzen Captain Americas Ausbildungsstätte Camp Lehigh, Asgards Königspalast, das Raumschiff der Guardians of the Galaxy, Wakandas Zitadelle oder Doctor Stranges Sanctum in New York.

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Jeder Eintrag ist ungefähr ähnlich aufgebaut. Auf fünf Doppelseiten wird zunächst das „Kapitel“ vorgestellt (verschwenderisch großes Foto, wenig Text), dann folgt eine große Übersicht des Schauplatzes oder Fahrzeugs mit einigen Textkästen und vielen, vielen Info-Schnipseln, die auf verschiedene Bereiche weisen. Die dritte Doppelseite geht in die Details, indem einzelne Bereiche der Übersicht rangezoomt und mit eigenem Textblock näher beschrieben werden. Auf der vierten Doppelseite werden filmische Schlüsselmomente hervorgehoben, in denen der Schauplatz oder das Fahrzeug wichtig waren. Zu guter Letzt lädt uns die fünfte Doppelseite „Hinter die Kulissen“ ein und zeigt einige Produktionsentwürfe oder Fotos vom Dreh. Gerade dieser Teil ist für ein Cross-Sections-Buch eher untypisch, aber nichtsdestotrotz ein netter Bonus.

Das Konzept funktioniert sehr gut und gerade der Kern des Ganzen, die „aufgeschnittenen“ Schauplatzansichten, laden zum Verweilen und genauen Betrachten ein. Man muss allerdings sagen, dass manche Einträge besser funktionieren als andere. Während beispielsweise Tony Starks Villa genau die richtige Größe hat, um auf einer Doppelseite in tollen Details präsentiert zu werden, ist Asgards Königspalast so riesig, dass einerseits nur ein kleiner Teil wirklich aufgeschnitten präsentiert werden kann und man andererseits so gut wie nichts zu erkennen vermag. Da hilft dann die Detail-Doppelseite ein wenig. Trotzdem hat man das Gefühl, dass der Schauplatz einfach zu groß für das Konzept war. (Ähnliche Probleme gibt es auch bei Großraumschiffen in „Star Wars Cross-Section“-Büchern.)

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Leider muss man auch feststellen, dass nicht jede Künstlerin und jeder Künstler gleich talentiert oder arbeitswütig war. Während zum Beispiel Camp Lehigh, Tony Starks Villa oder das Baxter Building vor Details strotzen und wirklich zum Entdecken einladen, wirken Einträge wie Knowhere, Hank Pyms Labor oder auch Talokan mal etwas zu steril, mal etwas zu oberflächlich sowie stellenweise zu dunkel abgedruckt, sodass Details verlorengehen. Interessanterweise sehen gerade die CGI-Beiträge oft zwar auf den ersten Blick optisch schick aus, geben aber im Detail meist weniger her als die in fitzeliger Kleinarbeit erstellten Handzeichnungen. Man vergleiche hier beispielsweise Tony Starks Villa und den Avengers Tower (von dem ich mir echt mehr erhofft hatte).

Fazit: „Marvel Studios Cross-Sections“ ist ein wirklich schickes Buch für Fans des MCU. Es gibt viel zu erfahren und zu entdecken. Doch in meinen Augen wäre noch Luft nach oben gewesen. Während manche Einträge einen vor Detailfreude schier umhauen, wirken andere etwas wenig ergiebig, zumindest von der Optik her. Die ergänzenden Texte können da immer noch was rausreißen. Würden hier Noten vergeben, würde ich vielleicht eine 2 verteilen. Das Buch macht Spaß, gar keine Frage, stellenweise begeistert es sogar. Aber gerade auf den ersten Seiten wird die Messlatte so hoch angelegt, dass man die Schwächen weiter hinten umso deutlicher sieht.

Marvel Studios Cross-Sections
Sachbuch
Liz Marsham, Robert Bonchune, Kemp Remillard u. a.
Dorling Kindersley 2026
ISBN: 978-3-8310-5279-0
200 S., Hardcover, deutsch
Preis: 40,00 EUR

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