LEGO Minifiguren – Die offizielle Geschichte – Erw. und akt.

LEGO. Was einst bloß ein Konstruktionsspielzeug für Kinder war, begeistert mittlerweile dank zahlreicher Franchise-Partnerschaften wie „Star Wars“ und „The Lord of the Rings“ sowie Produktreihen wie „Ideas“ und „Creator Expert“ alle Altersgruppen. Ein besonderes Objekt der Sammlerbegierde waren und sind dabei die berühmten Minifiguren. Einen Erinnerungstrip durch fast fünf Jahrzehnte mit den fantasievollen Plastik-Püppis bietet das Buch „LEGO Minifiguren – Die offizielle Geschichte“, das jetzt in einer erweiterten und aktualisierten Ausgabe vorliegt.

von Frank Stein

Schon die Erstausgabe des vorliegenden Werks, die 2021 erschienen ist, war ein Brecher von einem Buch: großformatig, 1,8 kg schwer, 256 robuste, vollfarbige Seiten dick und dank der in den Umschlag eingebetteten exklusiven Minifigur eines orangefarbenen Astronauten nochmal doppelt so umfangreich von außen anmutend. Über 2000 Minifiguren aus vier Jahrzehnten wurden darin präsentiert und, ja, man konnte sich als LEGO-Fan wahrhaftig in dem Buch verlieren.

Die neue Ausgabe setzt von den Zahlen nochmal ein bisschen was drauf. An der Buchrückenbreite merkt man es interessanterweise kaum, aber das Werk hat mittlerweile 304 Seiten, wiegt gut 2 kg und präsentiert nun 2500 Minifiguren von 1978 bis 2025. Der Preis ist übrigens bis auf fünf Cent (50,00 statt 49,95 EUR) gleich geblieben. Ein kleiner Applaus hierfür in Richtung DK. Das ist ein guter Deal.

Als Extra ist diesmal ein schwarzer Astronaut aus der klassischen Blacktron-Serie dabei, der allerdings zerlegt beigefügt wurde, womöglich um ein paar Millimeter bei der Verpackung zu sparen, was ich begrüßenswert finde. Überhaupt: So nett die Beilage ist, sie frisst nach wie vor eine Menge Platz! Das Buch ist gute 4 cm dick. 1,5 cm entfallen davon auf viel Luft in einer Papphülle, in der ganz klein eine Minifigur steckt. Menschen, bei denen ohnehin notorisch Platzmangel im Bücherregal herrscht, könnten das Verschwendung nennen. Aber Bonusfiguren haben halt irgendwie Tradition bei den LEGO-Büchern des Verlags, egal ob zu „Marvel“, „Harry Potter“, „Ninjago“ oder „Star Wars“.

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Aber schlagen wir das Buch endlich mal auf. Besitzer der Erstausgabe stellen schnell fest, dass ihnen wirklich Vieles bekannt vorkommt. Der Inhalt ist unverändert in farbig markierten Jahrzehnte-Blöcken unterteilt, die sich wiederum in Einzeljahre aufteilen, jeweils pro Jahrzehnt um ein Kapitel zu einem speziellen Thema (Hüte, Frisuren, Köpfe usw.) ergänzt.

Nach dem Inhaltsverzeichnis folgt wie gehabt ein kurzer Exkurs zur Entstehung der Minifiguren. Diese wurden Mitte der 1970er entwickelt, weil man mit LEGO bis dato zwar toll Häuser, Autos und mehr bauen konnte, aber keine Figuren hatte, um wirkliche Geschichten zu spielen. Die erste LEGO-Familie, die noch aus Steinen gebaut werden musste, aber schon relativ aufwändige Köpfe und Gelenkarme aufwies, kam 1974 heraus. In zahlreichen Prototypenschritten wurde die Minifigur dann zwischen 1975 und 1978 verfeinert, bis sie ihr Aussehen bekam, das bis heute im Kern unverändert ist.

Auf der Folgedoppelseite wird definiert, was eine Minifigur genau ist. So ist eine typische Minifigur exakt vier LEGO-Steine hoch und besteht aus drei charakteristischen Elementen: Kopf, Torso und Beinen. In neueren Zeiten haben sich dabei viele Abweichungen eingeschlichen, etwa geformte Köpfe bei Aliens oder ein Flammenunterleib bei einem Feuermonster. Tatsächliches Kernelement scheint nur der Torso zu sein, der immer die gleiche Form hat. Skelette, „Star Wars“-Kampfdroiden und Friends-Figuren sind übrigens keine Minifiguren. 

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Wie eine Minifigur entsteht, erfährt man auf der Folgedoppelseite in aller Kürze. Ein netter Blick hinter die Kulissen im LEGO-Hauptquartier. Im Anschluss daran folgt ein vierseitiger Zeitstrahl, der die wichtigsten Entwicklungen bei den Figuren nachvollzieht. So erschien beispielsweise 1975 die erste Kopfbedeckung, eine rote Mütze, 1989 kamen für die Piraten erstmals unterschiedlich bedruckte Gesichter sowie Hakenarme und Holzbeine auf den Markt und 1994 wurden erstmals Minifiguren-Beine bedruckt. Um in der neuen Buchausgabe hinten Platz zu schaffen, wurden übrigens ein paar Einträge vorne gestrichen. Kurioserweise wurden auch Einträge geändert. In der Erstausgabe hieß es etwa noch, dass 1995 die erste metallisch glänzende Minifigurenkrone erschienen sei, nun lautet der Eintrag, dass 1995 die erste Figur mit Brille herauskam. Warum? Ich weiß es nicht.

Dann geht es, wie gesagt, in jedem Kapitel ein Jahrzehnt voran, wobei es für jedes einzelne Jahr (von 1978 bis 2025) mindestens eine Doppelseite gibt (in jüngeren Jahren eher mehr aufgrund der vielen Lizenzen). Auf diesen Seiten sind vor allem ganz viele Minifiguren der entsprechenden Jahre abgedruckt, die ein Gefühl für die Vielfalt und die Entwicklungen im Laufe der Zeit bieten. DK-typisch sind diese Bilder flankiert von kleinen Textblöcken, die interessante Info-Schnipsel bieten. Das mag sehr fragmentarisch wirken, aber je mehr man sich von Seite zu Seite schmökert, desto deutlicher setzt sich das Mosaik zusammen, sodass man am Ende des Buchs eine schier unfassbare Menge an „unnützem Wissen“ angehäuft hat. 

Ein paar Beispiele gefällig? Die erste männliche Minifigur war ein Polizist mit beklebtem schwarzem Torso. Die erste weibliche eine Krankenschwester mit beklebtem weißen Torso und dem klassischen Doppelzopf-Haarteil. In gleich drei  neuen Spielwelten – Town, Castle und Space – wurden die neuen Minifiguren eingesetzt. Dabei waren die Ritterhelme Astronautenhelme in Grau mit Visier. Bis Ende der 1980er gab es eine endlose Variation von gelbgesichtigen Grinsemännle, deren Beine mal blau, mal schwarz, mal weiß und mal rot waren und deren Torsos Knöpfe, Shell-Logos, Posthörner, Ritterwappen und Mondraketen zierten. Vor allem die Ritter sahen damals regelrecht fortschrittlich aus, was daran gelegen haben dürfte, dass ihre Arme andersfarbig als der Torso waren und sie außerdem zweifarbige Beinteile aufwiesen.

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Ende der 1980er gab es einen merklichen Evolutionssprung, denn nicht nur die Drucke verbesserten sich zusehends, auch gaben die Piraten – wie bereits erwähnt – den Startschuss für unterschiedliche Gesichter. Das Ganze explodierte dann regelrecht in den 1990ern, was nicht zuletzt an zahlreichen neuen Spielwelten lag, die entsprechend fantasievolle Minifiguren benötigten. So wurden die Space- und Castle-Figuren immer ausgefeilter, dazu kamen Tiefseetaucher, Cowboys, Abenteurer im Indiana-Jones-Stil und 1999 die erste große Lizenz-Spielwelt: „Star Wars“, die für LEGO gewissermaßen eine Zeitenwende darstellte und den Weg für Marvel, DC, „Harry Potter“, „Jurassic Park“ und vieles mehr ebnete.

Im Vergleich zur Erstausgabe des vorliegenden Buchs ist übrigens sehr viel gleich geblieben. Viele Doppelseiten sind in Texten und Bebilderung exakt oder zumindest fast identisch. Aber gut: Was einmal sehr aufwändig und gut recherchiert worden ist, muss ja auch nicht geändert werden. An diesem Teil der Geschichte der LEGO-Figuren hat sich ja nichts geändert. Nur hier und da wurden kleine Umstellungen vorgenommen, aber die fallen wirklich kaum ins Gewicht.

Ab 2017 – genau genommen S. 214 – mehrt sich dann in der Neuausgabe die Verdichtung der Informationen. Figuren werden teilweise kleiner abgedruckt und „Nebensächliches“ weggelassen. So werden in den Jahren 2017 und 2018 eine Doppelseite und 2019 zwei Doppelseiten eingespart. Dafür ist 2020 in der Neuausgabe zwei Doppelseiten länger und ab 2021 – oder S. 248 – ist sowieso praktisch alles neu. Dabei zeigt sich, wie gerade in den 2020ern LEGO die Franchise-Partnerschaften auf die Spitze trieb. Egal ob „Fortnite“ oder „James Bond“, „Dune“ oder die „Sesamstraße“, alles wurde und wird in LEGO-Sets umgesetzt – und entsprechend gab und gibt es immer neue sehenswerte Minifiguren.

Ein umfangreiches Register schließt das Buch ab.

Fazit: Das Buch „LEGO Minifiguren – Die offizielle Geschichte“ ist auch in der erweiterten und aktualisierten Version ein unglaublich detailfreudiges Werk zu einem sehr speziellen Thema, das praktisch keine Wünsche offen lässt. Fans von LEGO werden hier über 2500 beliebte und seltene Minifiguren zu Gesicht bekommen, garniert mit einer Fülle an Informationen rund um die Entwicklung der kultigen Plastik-Kerlchen. Die exklusive Figur, hier ein Blacktron-Astronaut, macht das Buch für Sammler gleich doppelt zum Schmankerl, lässt das Werk aber auch unnötig dick werden. Besitzer der Erstausgabe stehen dabei vor der Qual der Wahl, ob sie noch einmal zuschlagen oder nicht. An die 200 Seiten dieser Neuausgabe sind inhaltlich praktisch identisch, erst ab 2017 werden die Informationen zunächst verdichtet und ab 2020 ist dann praktisch alles neu. Alles in allem ein echtes Liebhaberstück, das jedem Fan nur ans Herz gelegt werden kann.

LEGO Minifiguren – Die offizielle Geschichte – Erw. und akt.
Sachbuch
Gregory Farshtey, Simon Hugo, Daniel Lipkowitz u. a.
Dorling Kindersley 2026
ISBN: 978-3-8310-5275-2
304 S., Hardcover, deutsch
Preis: 50,00 EUR

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