Happy Holiday

Mit „Happy Holiday“ bringen die Autoren Matthew Dunstan, Brett J. Gilbert und Claus Stephan ein leicht zugängliches Familienspiel auf den Tisch, das die Planung eures Urlaubs durch sieben beliebte Städte Europas zum zentralen Spielmechanismus macht. Doch wer schafft es, den perfekten Drei-Wochen-Trip zu konzipieren? Kommt hier echtes Urlaubsfeeling auf? Bekommt man danach vielleicht Lust, die nächste Reise zu planen?

von Daniel Pabst

Im Kern geht es in „Happy Holiday“ darum, über mehrere „Urlaubswochen“ hinweg Stadtplättchen auszuwählen und möglichst effizient in den eigenen Reiseplan zu integrieren. Die Start, Mittel- und Zielorte sind von Beginn an für jede Person bereits – durch Zufall – vorgegeben. Sodann gilt es, seine Reise über die drei Wochen zu planen. Möchtet ihr lieber nach Berlin, Amsterdam, Barcelona, Paris, Prag, Venedig oder London verreisen?

Die Ziele wie Barcelona, Paris oder Amsterdam liefern dabei die Kulisse für Sehenswürdigkeiten, Kulinarik und Kultur. Unterstützt wird das Urlaubsfeeling durch die kleinen Zeichnungen auf den Papierplättchen. Wer schon einmal in den Städten gewesen ist, der wird vieles wiedererkennen und kann die Bilder mit den selbst gemachten Fotos vergleichen. Spielerisch ist das Ganze schnell verstanden: Wer am Zug ist, nimmt eines der Plättchen aus der Auslage und legt es in den eigenen Urlaubsplaner. Zudem bekommt man, sofern man nicht das erste Plättchen genommen hat, zusätzliche Koffer. Diese sind notwendig, um anschließend mit dem passenden Transportmittel (Bus, Bahn oder Flugzeug) von einer Stadt in die nächste Stadt zu gelangen. Längere Aufenthalte in einer Stadt bringen mehr Punkte, genauso wie die effizientere – und umweltschonendste – Verbindung zwischen zwei Städten.



Das Spiel richtet sich klar an Familien und Gelegenheitsspieler. Mit einer Spieldauer von etwa 30 bis 45 Minuten und einfachen Regeln seid ihr direkt im Spielgeschehen. Besonders positiv fällt das liebevoll gestaltete Material auf, das echtes Urlaubsfeeling ins heimische Wohnzimmer bringt. Die Aktivitäten machen das Spiel lebendig. So besucht man in Amsterdam bei der Aktivität „Museum“ beispielsweise das berühmte Van Gogh Museum, während in Paris der Louvre lockt. Kulinarisch kann man in Barcelona die Crema Catalana kosten; in Berlin dagegen isst man eine knackige Currywurst. 

Die Interaktion zwischen den Spielern ist eher gering, da jede und jeder hauptsächlich seinen eigenen Plan optimiert. Nur wenn ein Stadtplättchen Mitspielenden zu viele Punkte bringen würde, muss man dieses notgedrungen wohl „wegnehmen“. So etwas sollte jedoch nur wenige Male pro Partie passieren. Auch der Glücksfaktor ist spürbar, da die verfügbaren Plättchen aus einem Beutel blind gezogen werden und daher nicht immer perfekt zur eigenen Reiseroute passen werden.

Mechanisch erfindet „Happy Holiday“ das Rad nicht neu. Es kombiniert bekannte Brett- und Kartenspielelemente, wie etwa das sogenannte „Drafting“ und leichtes Ressourcenmanagement, ohne dabei große Innovationen zu bieten. Dennoch funktioniert das Gesamtpaket einwandfrei. „Happy Holiday“ spielt sich flüssig, bleibt übersichtlich und eignet sich hervorragend als lockerer Einstieg im Rahmen eines Spieleabends. Zu zweit spielt sich „Happy Holiday“ übrigens besonders gut. Ganz im Sinne von Alain de Botton kann man hier also auch für einen ruhigen Abend in Zweisamkeit konstatieren: „Travel is a lot like love“. Zugleich weckt das Spiel die Sehnsucht, in eine der hier präsentierten sieben europäischen Großstädte zu reisen. 

Daneben ist „Happy Holiday“ auch alleine spielbar. Die Regeln werden hierfür minimal angepasst: Im Solospiel wird nach jeder Runde ein zufälliges Stadtplättchen entfernt. Hier gibt es also deutlich weniger Wettbewerb als mit echten Mitspielenden. Am Ende muss man dann versuchen, seinen eigenen Highscore zu schlagen. Ein kleiner Block, auf dem die Siegpunkte (in Form von Sternen) zusammengetragen werden, liegt dem Spiel bei, sodass dem „perfekten Holiday“ nichts im Wege stehen dürfte.

Fazit: „Happy Holiday” ist ein solides, familientaugliches Brettspiel, das ein charmantes Thema umsetzt und einen einfachen Zugang zu Brettspielen bietet. Es punktet durch seine Atmosphäre und Einfachheit. Dass es dabei spielerisch keine neuen Maßstäbe setzt, sollte einem vor dem Kauf bewusst sein. Im Gesamtergebnis bietet sich „Happy Holiday“ daher für all diejenigen an, die ein entspanntes, thematisch-stimmiges Spiel suchen. Vielleicht erhaltet ihr mit diesem kleinen Brettspiel sogar einen neuen Impuls und ein wenig Inspiration, um demnächst Europa – mit all seiner Schönheit – einfach mal selbst zu entdecken! Es müssen ja nicht direkt, wie bei diesem Spiel, drei Wochen im Voraus geplant werden. Oft reicht schon eine deutlich kürze Zeit außerhalb der gewohnten Umgebung aus, um sein Leben um neue Erfahrungen zu bereichern.  

Happy Holiday 
Brettspiel für 1 bis 4 Spielende ab 10 Jahren
Matthew Dunstan, Brett J. Gilbert, Claus Stephan 
Kosmos Spiele 2026
EAN: 4002051686604
Sprache: Deutsch
Preis: 34,99 EUR

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