von Markus Kolbeck
Inhalt
Alle drei Geschichten spielen in einer von Lovecraft erdachten literarischen Erfindung, den Traumlanden. Etliche Leser*innen, die sich diese Rezension zu Gemüte führen, werden die zugrunde liegenden Geschichten bereits kennen. Aus diesem Grund und weil ich nicht zu viel verraten will, halte ich mich mit den Inhaltsangaben kurz.
Die erste Umsetzung heißt nach der gleichnamigen Kurzgeschichte „Celephaïs“. Ein junger Adliger macht sich auf die Suche nach der Stadt Celephaïs, die er glaubt, in seinen Träumen bereits besucht zu haben, und deren Glanz jeden anderen Ort, den er kennt, übertrifft. Wiederholt versucht er, sie in seinen Träumen zu erreichen, und vernachlässigt immer mehr sein Leben in unserer Welt.
Die zweite Geschichte ist „Die Katzen von Ulthar“. Ein Jüngling namens Atal trifft auf eine Reisekarawane und lernt dort den Jungen Memes kennen, der sehr an seinem Kätzchen hängt, das für ihn das Einzige auf der Welt ist, das ihn über den Tod seiner Eltern hinwegtrösten kann. In der Stadt lebt ein Ehepaar, das einen schlechten Ruf hat. In ernsthaften Verdacht steht, dass Katzen, die sich in die Nähe verirrt haben, verschwinden. Da verschwindet das kleine Kätzchen und Memes ist untröstlich.
Die dritte Adaption trägt den Namen „Die anderen Götter“. In dieser Geschichte besteigt der gelehrte Hohepriester Barzai mit seinem Schüler Atal einen Berg, auf dem dann und wann die Götter verweilen sollen, in dem verbotenen Bestreben, dieser Götter ansichtig zu werden. Ob das gut gehen kann? Auf alle Fälle erleben sie Phantastisches.
Kritik
Während die beiden Suchen aus der ersten und der dritten Bildgeschichte in interessanter Art und Weise besonders bildgewaltig und phantastisch anmuten, geht es in der zweiten eher um moralische Aspekte: den Wunsch nach Vergeltung und Gerechtigkeit. Hier wird das Phantastische nur relativ kurz dargestellt, lässt aber den*die Leser*in am zufriedensten zurück. Mir gefallen phantastischere Geschichten normalerweise besser, aber in diesem Band gefiel mir das Drama um das Kätzchen am besten, auch wenn es in einer blutigen Darstellung endet. Die beiden anderen Storys wissen auf ihre, eben andere Weise, zu gefallen. Sie wirken länger als die jeweils zugrunde liegenden Geschichten und haben mir sogar mehr zugesagt als die beiden Originalwerke von Lovecraft.
Wie im Teaser eingangs bereits geschrieben, ist der Band künstlerisch interessant und handwerklich solide. Die Zeichnungen sind detailliert, realistisch und dynamisch durch wechselnde Größen der Panels, die sich manchmal sogar über zwei Seiten erstrecken. Ich finde den Schwarz-Weiß-Zeichenstil immer noch ansprechend; so bleibt das Ausmalen der phantastischen Szenen im Horror-Stil gewissermaßen der Fantasie der Leser*innen vorbehalten. Die atmosphärische Grundstimmung ist von Spannung und auch etwas Grusel geprägt.
Der Preis ist bei dem vom Verlag gewählten Ausstattung (Softcover, schwarz-weiß) und Länge (214 Seiten) angemessen und mit 14,- Euro sehr moderat ausgefallen. Lediglich die Lesedauer lässt etwas zu wünschen übrig. Wenn man zügig liest, ist man in rund 80 Minuten fertig!
Fazit: Die Geschichten entsprechen sowohl den Wünschen nach Phantastik („Celephaïs“, „Die anderen Götter“) als auch denen nach Drama und Moral („Die Katzen von Ulthar“). Höhere Mächte, Verderben und sich ergebende Gerechtigkeit sorgen für eine spannende und von Geschichte zu Geschichte abwechslungsreiche Mischung, die in Tragödien ungewöhnlicher Natur resultieren. Alle, die Lovecraft-Comics und Mangas mögen, sollten eine Anschaffung des Bandes in Erwägung ziehen; für Sammler der Lovecraft-Mangas von Gou Tanabe ist der Erwerb praktisch zwingend, nicht nur, um die Sammlung weiter zu vervollständigen. Jedoch da die zugrunde liegenden Werke nicht die typischen Beispiele für Lovecrafts Arbeit sind, bietet es sich für Neueinsteiger an, mit einer anderen Adaption von Tanabe zu starten.
H. P. Lovecrafts Die Katzen von Ulthar und andere Geschichten
Horror-Manga
Gou Tanabe
Carlsen 2025
ISBN: 978-3-551-80562-1
214 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: 14,00 EUR
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