von Bernd Perplies
Leser meiner Rezension zu „George Lucas – Der lange Weg zu Star Wars“ mögen sich erinnern: Ich schrieb damals, dass es fast ein halbes Jahr gedauert habe, bis ich meine Vorurteile gegenüber diesem Comic überwunden hatte. Ich fürchtete seinerzeit einen doch etwas drögen, textlastigen Schwarz-Weiß-Sachcomic ohne richtige Spannung. Was wurde ich eines Besseren belehrt! Nachdem ich erst einmal mit dem Lesen angefangen hatte, war das Werk binnen eines halben Tages regelrecht aufgesogen – und ich war zuletzt so begeistert, wie ich es selten von einer Bildergeschichte gewesen bin.
Entsprechend lag das Rezensionsexemplar des Splitter-Verlags von „George Lucas – Episode II“ nicht lange bei mir, nachdem es mit der Post eingetroffen war. Eigentlich hätte ich zwar mein eigenes kreatives Werk weiterverfolgen müssen (mit dem ich auch ordentlich zu kämpfen gehabt habe), doch die „weiteren Abenteuer“ des jungen George Lucas waren zu verführerisch, sodass unbedingt eine Zwangspause eingelegt werden musste – die mir erneut höchstes Vergnügen bereitet hat!
Wieder folgen die Macher – Renaud Roche und Laurent Hopman – leidlich chronologisch den wahren Geschehnissen, aber natürlich werden die langweiligen Parts gestrichen, sodass zum einen vor allem die Anekdotendichte hoch ist, zum anderen einmal mehr eine Dramaturgie entsteht, die hollywoodverdächtig ist.
Dabei scheint die Ausgangslage diesmal eine ganz andere als bei „Star Wars“ zu sein. Nach dem Irrsinnserfolg des ersten Films ist George Lucas reich – reich und unabhängig. Er träumt von einer eigenen Ranch, einem Ort für Kreative abseits der einengenden Filmindustrie. Er plant „Star Wars“ zu einem Franchise aufzubauen, dessen Lizenzgebühren das finanzieren sollen. Und den nächsten Film will er ganz anders angehen: als entspannter Produzent, der den Stress der Dreharbeiten jemand anderem überlässt. „Ich werde jeden Abend um 18 Uhr zu Hause sein“, verspricht er auf Seite 25. Und eine ganze Weile scheint es wirklich so zu laufen, wie er es sich vorgestellt hat.
Doch die „Star Wars“-Filme waren nicht nur technisch ihrer damaligen Zeit spürbar voraus, sie waren auch unglaublich aufwendig in der Produktion, mit Drehorten und Sets, die das Chaos geradezu heraufbeschworen. Und so kommt es, wie es kommen muss: Dinge gehen schief. Immer mehr. Die Kosten explodieren. Und George Lucas muss feststellen, dass er vielleicht den größten Fehler seines Lebens beging, als er glaubte, er könne so eine Produktion einfach Freunden und Bekannten überlassen und selbst derweil einen ruhigen Alltag pflegen. Aus hervorragender Position erfolgt ein Absturz in Tiefen, die einmal mehr alles infrage stellen. Und schon ist auch „Episode II“ ein Page Turner, dessen Sog man sich einfach nicht entziehen kann, bis es schließlich am Ende doch zur spektakulären Filmpremiere kommt.
Ich schrieb es schon zu Band 1 und kann es nur wiederholen: Natürlich ist nichts von all dem ist wirklich neu. Je mehr man sich schon vorab als langjähriger Fan mit „Making ofs“ des Films beschäftigt hat, desto mehr Anekdoten und Herausforderungen kennt man bereits. Dennoch: Wohl niemand dürfte sich alle Hintergründe erschlossen haben, sodass sich selbst für Fans der ganz alten Garde noch nette Infoschnipsel im Text finden. Und für Fans der jüngeren Generation ist das Ganze sowieso eine wahre Fundgrube an Wissen über die Produktionsumstände der berühmten „Episode V“. Insofern besteht die wahrhaft bewundernswerte Leistung der Macher erneut nicht zuletzt darin, die enorme Menge an Quellenmaterial gesichtet und in eine konzentrierte, unterhaltsame Form gebracht zu haben. Einmal mehr umfasst die Bibliographie am Schluss ganze zwei Seiten kleingedruckten Textes, so als hätten Roche und Hopman einfach alles zusammengetragen, was man über „Das Imperium schlägt zurück“ wissen kann. Und dann haben sie sich für die Fans die Mühe gemacht, das Wesentliche auf absolut kurzweilige Art und Weise aufzubereiten.
Fazit: Wer „Star Wars“ liebt, für den ist dieser Comic ein Muss. Wer sich gern mit Produktionsbedingungen in der Filmindustrie beschäftigt, für den ist dieser Comic eine Freude. Und selbst wer „nur“ an einer spannenden Geschichte über einen jungen Mann interessiert ist, der glaubte, begriffen zu haben, wie der Hase im Filmgeschäft läuft – nur um beinahe katastrophal zu scheitern –, der sollte dringend zugreifen. „George Lucas – Episode II“ ist ein absolut würdiger Nachfolger von „Der lange Weg zu Star Wars“ geworden, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat – und das sage ich nicht, weil es so ein cooler Werbe-Blurb wäre. Ich freue mich jetzt schon auf den Abschluss der Comic-Trilogie!
George Lucas – Episode II
Comics
Laurent Hopman, Renaud Roche
Splitter Verlag 2026
ISBN: 978-3-68950-091-7
208 S., Hardcover, deutsch
Preis: 29,80 EUR
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