Fossilium

Mit „Fossilium“ schlüpft ihr in die Rolle ehrgeiziger Museumsdirektorinnen und -direktoren, die nichts Geringeres im Sinn haben, als das beeindruckendste Naturkundemuseum der Welt aufzubauen. Im Zentrum steht dabei die Jagd nach Fossilien, die ihr ausgrabt, erforscht und schließlich in euren Ausstellungsräumen präsentiert.

von Sabrina

Zum Spiel

Ziel in „Fossilium“ ist es, nach fünf Runden mehr Prestige als die Konkurrenz zu besitzen und damit das renommierteste Museum zu führen. Jede Runde folgt dabei einem festen Ablauf aus vier Phasen: Zunächst erhaltet ihr in der Einkommensphase Geld, Gäste und neue Doktoranden abhängig davon, wie gut euer Museum aktuell aufgestellt ist. Danach folgt die Aktionsphase, in der ihr eure Arbeitskräfte auf dem zentralen Aktionsplan einsetzt. Hier entscheidet ihr, ob ihr Fossilien ausstellen, Infotafeln bauen, Fossilienteile kaufen oder verkaufen, Sonderaktionen nutzen oder andere taktische Manöver durchführen wollt.

Der Clou dabei: Die Spalte, in der ihr eure Arbeitskräfte platziert, ist nicht nur für die Aktion selbst relevant, sondern bestimmt auch, wie erfolgreich eure spätere Ausgrabung ausfällt. In der anschließenden Ausgrabungsphase zieht ihr nämlich Fossilienteile aus den Beuteln der Ausgrabungsstätten. Wie viele Teile ihr ziehen dürft, hängt davon ab, wie viele Arbeitskräfte insgesamt in der jeweiligen Spalte stehen. Wie viele Teile ihr dann behalten dürft, richtet sich aber ausschließlich nach euren eigenen dort eingesetzten Kräften. Dieses System erzeugt eine spannende Dynamik: Einerseits profitiert ihr davon, wenn viele Figuren in „eurer“ Spalte stehen, andererseits wollt ihr euch nicht zu sehr auf die Hilfe der Konkurrenz verlassen.

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Die gezogenen Fossilienteile landen zunächst in eurem Lager. Von dort könnt ihr sie später in eurem Museum ausstellen. Fossilien bestehen aus unterschiedlich vielen Teilen, was das Sammeln zu einer kleinen Herausforderung macht: Ein vollständiger T-Rex benötigt beispielsweise deutlich mehr Planung als ein einzelnes Ammoniten-Plättchen. Beim Ausstellen kommt zusätzlich ein räumliches Puzzle ins Spiel, denn eure Museumstableaus bieten Podeste, Sonderfelder und thematische Zonen, die bestimmte Fossilienarten belohnen. Wer geschickt platziert, erhält mehr Einkommen, mehr Gäste oder zusätzliches Prestige.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist der Markt. Hier könnt ihr Fossilienteile kaufen oder verkaufen, wobei sich die Preise je nach Angebot und Nachfrage verändern. Das gibt euch die Möglichkeit, gezielt Lücken in eurer Sammlung zu schließen oder überschüssige Teile in Geld umzuwandeln. So bleibt ihr auch dann handlungsfähig, wenn die Ausgrabung einmal nicht das gewünschte Material hervorbringt.

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Über die Gästeleiste sammelt ihr im Laufe der Partie Besucherinnen und Besucher. Viele Gäste bringen euch am Rundenende Prestige ein, Stammgäste bleiben euch sogar dauerhaft erhalten und verschaffen euch einen Vorsprung in jeder weiteren Runde. Dadurch entsteht ein schöner langfristiger Planungseffekt: Wer früh in attraktive Ausstellungen investiert, profitiert später mehrfach davon.

Ihr könnt zudem Fossilien, die ihr selber nicht benötigt, an andere Museen stiften. Davon profitieren dann beide. Eine schöne Mechanik. 

Ein Solo-Modus ist im Spiel enthalten und scheint gut anzukommen. Ich selber habe ihn nicht getestet.

Spieleindruck

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Spielerisch erwartet euch ein verzahntes Kennerspiel, das vor allem auf Planung, Timing und clevere Optimierung setzt. Eure Aktionsmöglichkeiten sind begrenzt, weshalb jede Entscheidung Gewicht bekommt. Geht ihr früh auf große, prestigeträchtige Skelette oder baut ihr zunächst eine solide Basis mit kleineren Ausstellungsstücken auf? Investiert ihr in neue Räume und Gebäude, die euch langfristige Vorteile bringen, oder versucht ihr, kurzfristig möglichst viele Punkte mitzunehmen?

Besonders reizvoll ist dabei das Zusammenspiel aus Sammeln und Platzieren, denn die Fossilien unterscheiden sich nicht nur im Wert, sondern auch in Form und Größe. Wer sein Museum unstrukturiert vollstellt, blockiert sich schnell selbst, während eine vorausschauende Planung euch erlaubt, später noch echte Publikumsmagnete unterzubringen. Gleichzeitig bleibt die Interaktion am Tisch stets präsent, da begehrte Funde und Aktionen hart umkämpft sind und ihr die Pläne der Mitspielenden immer im Blick behalten solltet.

Thema und Mechaniken sind aus meiner Sicht sehr gut umgesetzt. Auch die farbliche Gestaltung passt grundsätzlich zum Thema. Leider ist insbesondere die Unterscheidung der Plättchen – vor allem bei schlechteren Lichtverhältnissen – nicht optimal gelungen. Das Schaufelsymbol ist sehr klein und die Farbgebung der Plättchen recht ähnlich, was nicht nur während des Spiels, sondern auch beim Wiedereinräumen am Ende stört. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Beutel nicht der Farb-Logik der anderen Beutel und Plättchen entspricht.

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Die Anleitung ist nicht ganz leicht zugänglich, was den Einstieg in die erste Partie etwas holprig machen kann. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass am Ende Erklärungen zu den Fossilien zusammengefasst sind und so zusätzlich Wissen vermittelt wird. Das passt gut zum Thema – insbesondere, wenn man bedenkt, dass das Spiel in Zusammenarbeit mit dem Museum für Naturkunde Berlin entstanden ist.

Etwas Kopfzerbrechen bereiten mir die Besucher*innenleisten. Diese sind aus meiner Sicht nicht optimal gelöst. Möglicherweise hätten kleine Führungsschienen unter dem Spielplan geholfen, damit die Leisten nicht verrutschen. Sollte es eine zweite Auflage geben, wäre hier eine Überarbeitung wünschenswert. Ähnliches gilt für den Markt: Es fehlt eine eigene Geldleiste, sodass sich zwei Reihen eine Leiste teilen müssen, was das Ganze etwas unübersichtlich macht.

Sehr übersichtlich und hilfreich sind hingegen die beigefügten Übersichtsblätter mit den wichtigsten Informationen zu Phasen, Aktionen, Infotafeln und Schlusswertungen. Das verwendete Papier hätte allerdings gerne etwas dicker sein dürfen.

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Ich vermute, dass die Zufallselemente des Spiels für einige Spielende etwas zu präsent sein könnten. Zwar versucht „Fossilium“ durch verschiedene Mechaniken sehr gut gegenzusteuern, dennoch solltet ihr dem Glück nicht allzu abgeneigt sein.

„Fossilium“ lässt sich in allen Konstellationen spielen. Zu zweit kommt allerdings die Interaktion beim Stiften nicht ganz so stark zur Geltung.

Fun Fact: Auf der Rückseite der Schachtel hat sich ein Fehler in der Grafik eingeschlichen. Mal sehen, ob ihr ihn entdeckt. :-)

Fazit: „Fossilium“ ist ein thematisch dichtes Kennerspiel, das Mechanik und Atmosphäre sehr überzeugend miteinander verbindet. Das Zusammenspiel aus Worker-Placement, Beutelziehen und räumlichem Legespiel sorgt für abwechslungsreiche Entscheidungen und ein ständiges Abwägen zwischen kurzfristigem Gewinn und langfristiger Strategie. Besonders gelungen ist, dass sich fast jede Aktion logisch aus dem Thema heraus erklären lässt: Ihr schickt Personal auf Grabung, lagert Funde, kuratiert Ausstellungen und lockt Publikum an.

Fossilium
Brettspiel für 1 bis 4 Spielende ab 12 Jahren
Julia Thiemann, Christoph Waage
Giant Roc 2025
EAN: 4255682706320
Sprache: Deutsch 
Preis: 60,00 EUR 

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