Dungeons & Dragons: Das Buch der Drachen

Drachen sind die wahrscheinlich spektakulärsten Geschöpfe der Fantasy. Kein anderes Wesen verkörpert eindrucksvoller Stärke, Weisheit und Magie. Die Welten von „Dungeons & Dragons“ – gleich ob Toril, Krynn oder Oerth – wurden und werden alle nachhaltig von Drachen beeinflusst. Nun hat DK einen dicken Schmökerband zu den mächtigen Echsen herausgebracht. Wagen wir uns in die Höhle des … Drachen.

von Frank Stein

Franchise-Begleitbücher vom Verlag Dorling Kindersley geizen nur selten bei der Produktionsqualität, doch dieser Band ist wirklich etwas Außergewöhnliches. Vollfarbe, Hardcover, schweres Fotopapier, vielleicht auch eine Gold- oder Silberfolierung des Titels, das kennen wir schon. Doch hier haben sich die Macher selbst übertroffen. Das ganze Buch ist scheinbar in schuppige Drachenhaut eingebunden, und damit der visuelle Eindruck noch verstärkt wird, gleicht der komplette Einband einem Basrelief, soll heißen, alle Schuppen sind leicht erhaben – oder wie es der Verlag selbst ausdrückt: „Prächtiger 3D-Einband in Drachenhaut-Optik & -Haptik“. Das ist schon extrem cool.

Im Inneren ist der 224-seitige Großformatband in vier übergeordnete Abschnitte eingeteilt, die sich dann in zahlreiche Einzeleinträge unterteilen. Das Inhaltsverzeichnis zu Beginn lässt diesbezüglich keine Fragen offen und macht auch den schnellen Zugriff einfach.

Los geht es nach der Einleitung von Autor Michael Witwer mit dem Kapitel „Eine Vorstellung der Drachen“. Hier werden zuerst die zwei Schöpferdrachen Tiamat (böse) und Bahamut (gut) gegenübergestellt. Dann wird überblicksartig auf Drachenarten, ihr Vorkommen, ihre Anatomie, ihren Lebenszyklus, ihre Horte und Schätze und wie sie zu den „kleineren Völkern“ stehen eingegangen. Am Endes des Kapitels werden in einem eigenen kleinen Bereich die Götterdrachen Tiamat, Bahamut und Sardior sowie einige andere vorgestellt.

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Im zweiten Kapitel stehen die „Wahren Drachen des Multiversums“ (gemeint ist hier natürlich das von „D&D“, nicht das von Marvel ;-) ) im Fokus. Es beginnt mit der Gruppe der chromatischen Drachen, also den roten, grünen, blauen, schwarzen etc. Diese gelten gemeinhin als bösartig, raffgierig, brutal und tyrannisch – in unterschiedlichen Abstufungen. So sind beispielsweise rote Drachen besonders wild und aufbrausend, während grüne Drachen als ausgesprochen giftig und verschlagen wahrgenommen werden. Allen ist gemein, dass sie Menschen, Elfen, Zwerge und Co vor allem beherrschen oder fressen wollen. Ein friedliches Miteinander interessiert sie nicht.

Weiter geht es mit den metallischen Drachen – also den goldenen, silbernen, kupfernen etc. –, die das genaue Gegenteil ihrer Geschwister darstellen. Zwar mögen auch sie mitunter hoheitsvoll und beängstigend wirken, grundsätzlich gelten sie jedoch als weise, wohlmeinende und durchaus gesellige Gönner der Menschen, Elfen und anderen kleinen Völker. Das geht so weit, dass sie hier und da gestaltwandelnde Fähigkeiten nutzen, um sich unbemerkt in Städten und an Höfen bewegen zu können, wo sie ihre immense Neugierde auf das Leben gemeiner Sterblicher zu stillen versuchen.

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Die neutrale Mitte bilden die Edelsteindrachen – vom Amethyst- über den Saphir- bis zum Topasdrachen. Sie gelten als mysteriös und verfügen über starke psionische Fähigkeiten. In weltliche Angelegenheiten mischen sie sich eher selten ein. Dennoch sind sie irgendwie eine Macht des Guten, denn sie bewachen das Leben vor Aberrationen aus dem Fernen Reich, einer grauenvollen Ebene fern aller sonstigen Existenz, in der schreckliche Monster geboren werden. 

Jeder Eintrag gleicht sich dabei in seinem Aufbau. Auf eine Einleitung mit einem epischen Bild folgt eine Doppelseite mit der Anatomie der Drachen und dann eine weitere mit einem „Profil“. Hier geht es dann um Ernährung, Sozialleben, Vorlieben bei der Hortfindung und dem Anhäufen von Reichtümern sowie – natürlich – die Beziehung zu niederen Völkern, die mal als duckmäuserische Gefolgsleute akzeptiert werden, meist jedoch nur als Futter herhalten dürfen.

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Nach diesem großen Block widmet sich das nächste Kapitel „Weiteren Drachen und Drachenartigen“. Hier werden, inhaltlich deutlich knapper, Sonderformen drachischen Lebens vorgestellt, darunter Drachenknochen-Golems, Drakoliche, Leere Drachen, Todesdrachen oder Drachenschildkröten. Auch bizarre Mutationen wie Ältestengehirndrachen – eine Kreuzung aus Drache und Gedankenschinder – sowie Augendrachlinge – hier wurde Betrachter mit Drache gekreuzt – finden hier Platz. Die Auswahl endet mit Drakoniden und Drachenblütigen, humanoiden Wesen mit drachischem Erbe. Die Vielfalt ist eindrucksvoll und legt beredt Zeugnis davon ab, wie lange schon das Rollenspiel „Dungeons & Dragons“ beziehungsweise seine ungezählten Abenteuerromane immer neue, spektakuläre Feinde benötigten.

Ein paar von denen lernen wir auch mit Namen kennen, denn im letzten Kapitel dreht sich alles um „Legendäre Drachen“. Ich gestehe, ich bin nicht so tief in der Materie drin, dass mir Schrecken wie Arauthator, Schwarztod oder Hephaestus wirklich etwas gesagt hätten, ganz zu schweigen von ihren zungenbrechenden Echsennamen Chardansearavitriol oder Velcuthimmorhar (offenbar kommt mir großer Macht auch ein langer Name …), aber gegen oder mit einigen von ihnen scheinen der berühmte Dunkelelf Drizzt Do’Urden und seine Kameraden gekämpft zu haben und natürlich spielen andere in den „Drachenlanze“-Romanen von Margaret Weis und Tracy Hickman eine Rolle.

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Ein umfangreiches Register schließt den Band ab.

Fazit: Man muss sich klar sein, was man kriegt. „Das Buch der Drachen“ dreht sich nicht um berühmte Echsen aus der irdischen Mythologie oder Film- und Fernsehlandschaft. Es bietet einen tiefen Einblick in die Drachengesellschaft des Rollenspiels „Dungeons & Dragons“ und seiner Romane. Es ist aber auch kein Quellenbuch. Spielwerte finden sich darin keine. Die Vorstellung der majestätischen Geschöpfe bleibt rein beschreibender Natur. Wer grundsätzlich Fantasy-Drachen in ihrer reinsten Form mag und entweder sowieso Kenntnisse von „D&D“ hat oder aber über so manchen Verweis hinwegzulesen vermag, der bekommt ein tolles Schmökerbuch mit zahlreichen epischen Drachenillustrationen und einem Weltenbau im Hintergrund, der spürbar über Jahrzehnte gewachsen ist.

Dungeons & Dragons: Das Buch der Drachen
Sachbuch
Michael Witwer
Dorling Kindersley 2026
ISBN: 978-3-8310-5268-4
224 S., Hardcover, deutsch
Preis: 40,00 EUR

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