Die Untoten

Johan Egerkrans hat mit „Nordische Wesen“ einen modernen Klassiker geschaffen. Rollenspielern ist er wohl spätestens seit dem auf Deutsch beim Uhrwerk-Verlag erschienen Gruselrollenspiel „Vaesen“ ein Begriff. Mit „Die Untoten“ widmet er sich weiteren Fabelwesen.

von André Frenzer

Johan Egerkrans illustrierte zunächst Computerspiele, bevor er sich als Autor versuchte. Heute zählt zu den bedeutendsten Illustratoren Schwedens. Er illustriert sowohl seine eigenen Bücher als auch die von anderen Autoren. Die „Nordischen Wesen“ waren sein Debüt als Autor und zugleich sein großer Durchbruch. Tatsächlich war „Nordische Wesen“ so erfolgreich, dass Free League Publishing es als Vorlage für „Vaesen“ nutzte. Mit „Die Untoten“ widmet sich Egerkrans nun einer anderen Couleur Fabelwesen, als es die nordischen Naturgeister waren.

„Die Untoten“ ist in Deutschland bereits in mehreren Auflagen erschienen. Genau wie „Nordische Wesen“ weist die hier vorliegende, in nahezu quadratischem Format gehaltene Ausgabe einen Leinenumschlag auf und wirkt damit schon in der Hand liegend edel. Wiederum hat Egerkrans 128 Seiten mit Inhalt gefüllt, den wir uns nun etwas genauer ansehen wollen.

Wie auch schon der Vorgänger, wird „Die Untoten“ von einem interessanten Essay über die Natur eben jener Wesen eröffnet. Dabei streift Egerkrans nicht nur Art und Natur der untoten Wiedergänger und die Faszination beziehungsweise Furcht, welche sie in uns Menschen auslösen. Zugleich stellt er die wichtigsten Gruppen vor, in welche sich die später im Detail vorgestellten Untoten einteilen lassen, wie Vampire oder Geister. Außerdem widmet er sich wichtigen Themen rund um die untote Gefahr – woran erkennt man einen Untoten und wie wird man ihn wieder los?

Dieser umfangreichen Einleitung schließt sich eine minutiöse Beschreibung diverser untoter Wesenheiten an. Besonders interessant ist dabei, dass Egerkrans hier heimische Gefilde verlässt und untote Kreaturen aus allen möglichen Kulturkreisen beschreibt. So finden sich neben bekannten europäischen Vertretern wie dem Strigoi, dem Draug oder der Banshee auch afrikanische Umkovu, asiatische Jiangshi oder lateinamerikanische Cihuateteo auf den Seiten des Bandes wieder. Damit finden auch mit der Thematik vertraute Kenner sicherlich die eine oder andere Kreatur, die ihnen bislang kaum oder gar nicht begegnet ist. Praktischerweise ist der Band auch gleich nach unterschiedlichen Regionen aufgeteilt, sodass man sich rasch in fremden Gefilden und ihren untoten Bedrohungen verlieren kann.

Egerkrans Schreibstil ist dabei stets unaufgeregt und einfach unterhaltsam, sodass man die einzelnen Einträge schnell verschlungen hat. Heimlicher – oder vielleicht offensichtlicher – Star dieses Bandes sind aber ohnehin die Illustrationen, welche fast noch mehr zum Verweilen einladen als die Texte. Wer „Vaesen“ kennt, ist mit Egerkrans Stil bereits vertraut, der skizzenhaft und hoch detailreich zugleich ist. Weiche Züge, dunkle und oft leicht verwaschene Farben, wohl gesetzte Akzente und oftmals nur angedeutete Hintergründe ergeben eine exzellente Mischung, welche das Motiv voll zur Geltung bringt. Leider finden sich weniger ergänzende Skizzen in diesem Band als noch in „Nordische Wesen“. Dafür mag es ungleich interessanter sein, Egerkrans‘ Interpretationen von Wesenheiten außerhalb der nordischen Mythologie zu studieren, gerade dann, wenn es sich um bereits vielfach dargestellte Kreaturen handelt. Optisch ist damit auch „Die Untoten“ über jeden Zweifel erhaben und trotz des gut zu lesenden Textes fast eher ein fantastisches Bilderbuch, in dem man sich verlieren kann.

Das Schriftbild ist gut zu lesen, der Band fehlerfrei lektoriert. Die deutsche Übersetzung von Maike Dörries ist sorgsam und sorgt auch in der deutschsprachigen Ausgabe für ein angenehmes Lesen. Gepaart mit der edlen Aufmachung gibt es technisch rein gar nichts zu meckern.

Fazit: Was für ein Buch! Wer etwas über Untote der Welt erfahren möchte, findet hier einen fabelhaften Startpunkt. Empfehlenswert.

Die Untoten
Sachbuch
Johan Egerkrans
Woow Books 2020
ISBN: 978-3-3961770-58-8
128 S., Hardcover, deutsch
Preis: 25,00 EUR

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