Die unsterbliche Legende von Batman

Was ist das nur für ein seltsamer Batman, der einen da vom Cover anblickt? Seinen Mantel hat er gegen Fledermäuse eingetauscht, seine Maske wirkt wie aus einem Mecha-Anime und um seine Hüfte trägt er einen gelben, metallischen Gürtel. Kyle Higgins und Mat Groom wollten die Geschichte von Batman „neu“ denken. Futuristisch, gewöhnungsbedürftig und mit mehr als einer Überraschung wenden wir uns diesmal einer sehr alternativen „Batman“-Geschichte zu …

von Daniel Pabst

Wie bereits im Intro angekündigt wurde, spielt dieser neue Comic in einem alternativen „Batman“-Universum. Statt in Gotham City zu starten, werden die Leserinnen und Leser direkt zu Beginn in eine Welt hineinkatapultiert, die sehr fern und fremd ist. Wie wir später erfahren, liegt dies daran, dass die Menschen anfangs des 22. Jahrhunderts ins Weltall aufgebrochen sind und sich hierzu – als „Antrieb und Motor“ – die Energie der dunklen Materie zunutze gemacht haben. Dies hatte zur Folge, dass aus dem Riss, der die dunkle Materie hervorbrachte, sogenannte „Schatten“ wichen, die die Welt auszulöschen versuchten. Dem stellten sich drei Menschen entgegen, die sich zusammentaten, um die Welt zu beschützen. Sie nannten sich: „Robin“, „Batman“ und „Nightwing“. Jeder von ihnen hat einen eigenen Weg beschritten und kämpft auf seine eigene Art und Weise. Wen dieses Konzept an den im Jahre 2025 erschienenen Netflix-Welthit „K-Pop Demon Hunters“ erinnert, der ist gar nicht so weit davon entfernt. Anstatt zu singen, rufen diese drei Helden ihr Angriffe in den Raum, welche beispielsweise „Night Cannon“ oder „Bat Charge“ heißen. Seid ihr bereit für diesen kraftvollen, sonderbaren Comic?

Verwirren kann das ganze Konzept die klassischen Comic-Lesenden von „Batman“-Geschichten, weil die Rollen hier alle sehr vertauscht wurden und die Roboter die Rollen der Schurken übernommen haben. Dass auch die Helden in Roboterkostümen stecken und mit Superpower ausgerüstet sind, macht das Ganze nicht leichter. Wären da nicht die Namen der bekannten Figuren oder auch von anderen auftretenden Figuren, wie Barbara Gordon, der Riddler oder auch der Joker, könnte man gut und gerne meinen, einen völlig eigenen Comic vor sich zu haben. Wer sich daran nicht stört und mal etwas „Alternatives“ lesen möchte sowie sich für das Thema „Mecha“ interessiert, der kann diese Rezension sicher weiterlesen. Für alle anderen, kann bereits an dieser Stelle verraten werden, dass der Kauf nicht empfohlen wird, da die Geschichte und der Zeichenstil derart anders sind, dass man sich sehr dran gewöhnen muss (oder eben nicht).

In dieser alternativen Welt kämpft Batman mit seinen Schatten und versucht sie zurück in die Vergessenheit zu bringen. Dass er dabei auch auf einen alternativen Riddler und einen alternativen Joker trifft, verlangt bei ihm alle Kräfte ab. Denn auch sie sind mit allen Wassern gewaschen und versuchen, ihn zu töten. Wer genau Batman ist und warum ausgerechnet jetzt die Schatten besiegt werden müssen, wird erst im Laufe der Geschichte aufgelöst. Besonders „neu“ im Rahmen von „Die unsterbliche Geschichte von Batman“ ist das Kapitel mit dem Riddler. In diesem haben die Autoren und Zeichner des Comics ein „Gimmick“ eingebaut. Die Lesenden erhalten mit Batman vier Rätsel vorgesetzt, die sie selbst lösen können. Jedoch sollte man betonen, dass diese Rätsel derart schwer sind, dass man sich freut, dass nicht man selbst, sondern Batman – alias Bruce Wayne – die Rätsel zu lösen hat. Am Ende des Kapitels gibt es dann auf einer Seite die Lösungen der Rätsel zu lesen. Teils erwischt man sich, dass die Lösung doch leichter war, als man es im Moment der Geschichte noch dachte. Teils ärgert man sich aber auch, dass die Rätsel in englischer Sprache sind und daher noch schwieriger geworden sind. 

Die Action und die Kampfszenen in diesem Comic beginnen auf Seite 1 und enden erst wenige Seiten vor der letzten Seite dieses Comics. Auch das ist gewöhnungsbedürftig. Die Zeichnungen von Erica D’Urso und Dan Mora sowie die Farben von Igor Monti und Tamra Bonvillain tun ihr Übriges. Die Künstler lassen die Action lebendig werden und haben alles gegeben, um diese alternative Welt etwas Außergewöhnliches werden zu lassen. Auf der Strecke bleibt die Handlung, die bis auf den Einschub der Rätsel im Hause des Riddlers doch recht dürftig ist. Immer mal wieder gibt es schöne Überraschungen, wie der Auftritt von Barbara Gordon, die in einer sehr modernen, militanten Version auftritt und den Lesenden zuruft: „Man hat immer eine Wahl!“ Sie begleitet Bruce Wayne, um ihren Vater zu suchen. Aufgrund der Sprunghaftigkeit der Szenen jedoch bleibt sie eine Randfigur. Randfiguren bleiben irgendwie auch Nightwing und Robin, obwohl diese für die Kampfszenen gegen die vielen Schatten unersetzlich sind. An eine Geschichte wie „K-Pop Demon Hunters“ kommt dieses Werk nicht ran.

Am besten ist es, sich die hier verlinkte Leseprobe in Ruhe anzuschauen, um entscheiden zu können, ob einen dieses Werk anspricht oder nicht. Für Abwechslung sorgt „Die unsterbliche Legende von Batman“ definitiv. In Erinnerung bleibt er am Ende vermutlich aber dann doch allein wegen der vier – scheinbar unlösbaren – Rätsel. 

Leseprobe

Fazit: Batman, der als Mecha in einer alternativen Welt, die weit in der Zukunft spielt, versucht, ausgebrochene Schatten und Versionen seines Ichs zu bekämpfen, während ihn Nightwing und Robin begleiten, klingt verrückt und genau das ist es letztendlich auch geworden. Wer sich auf ein Experiment einlässt und sich mit dem Mecha-Thema anfreunden kann, in dem eine unaufhaltsame Materie versucht, die Menschheit auszulöschen, dem mag dieser Comic zusagen. Allen anderen wird das Experiment eher auf den Magen schlagen. 

Die unsterbliche Legende von Batman
Comic
Kyle Higgins, Mat Groom, Dan Mora u. a.
Panini Comics 2026
ISBN: 978-3-7416-4966-0
216 S., Softcover, deutsch
Preis: 29,00 EUR

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