Das Geheimnis des Drachenritters - Einsteigerbox (Das Schwarze Auge)

Eldora von Wolfspfort, die Tochter eines Adligen, wurde entführt und ihr sollt sie aus den Fängen der Räuber befreien. In einem Wald namens Dunkeltann versammelt sich die Abenteuergruppe aus einer Elfin, einem Zwerg, einem Magier und einer Kriegerin. Wohin führt die vor euch liegende Höhle? Und was hat es mit dem Opfertisch auf sich, der davor steht? Plötzlich richtet sich euer Blick auf eine Elster, die etwas Glänzendes im Schnabel hält! Schon zieht der Zwerg seine Armbrust und setzt zum Schuss an. Stopp! Bevor hier irgendwer irgendetwas unternimmt, müsst ihr miteinander ins Gespräch kommen. Denn es handelt es sich um ein Rollenspiel, bei dem der Erfolg nur gemeinsam gelingen kann …

von Daniel Pabst

Von dem Spiel „Das Schwarze Auge“ („DSA“) haben viele wahrscheinlich schon einmal gehört. Es ist das deutsche Pendant zum berühmten Rollenspiel „Dungeon & Dragons“ („D&D“). Das berühmte englischsprachige Rollenspiel „Dungeon & Dragons“ von Gary Gygax und Dave Arneson aus dem Jahre 1974 bot die perfekte Grundlage für „Das Schwarze Auge“ von Ulrich Kiesow aus dem Jahre 1984. Seitdem wandern viele Spielerinnen und Spieler – mittlerweile in der 5. Edition – durchs Lande des fiktiven Kontinents Aventurien, umgeben von vielen wilden Kreaturen, die es zu besiegen oder zu zähmen gilt. Für alle, die sich bislang nicht an ein Rollenspiel gewagt haben, oder denen der Hype um „D&D“ zu groß geworden ist, kann die Einsteigerbox von „DSA 5“ mit dem Titel „Das Geheimnis des Drachenritters“ Abhilfe bieten.

Enthalten in der Box sind: 4 spielfertige Helden, 4 Soloabenteuer (je eines für jeden Helden respektive jede Heldin), 2 Abenteuer für eine Heldengruppe, weitere Szenarien für eine Abenteuer-Reihe, Spielregeln, Spielpläne, 8 Spezialwürfel, 4 Heldenmarker und 37 Charaktermarker. Für alle, die digital unterwegs sein wollen, bietet der Verlag auch eine reine PDF-Version zu Kauf an. Bevor man in das Abenteuer startet, sollten die Rollen klar verteilt werden. Denn was für ein Rollenspiel unverzichtbar ist, ist ein (guter) Dungeon Master (kurz: DM). Dieser ist der Gruppenleiter, kennt also das Abenteuer und führt die Spielenden durch die Geschichte. Er hat die Aufgabe, die Regeln zu lesen, die Charaktere zu kennen und auch die Geschichte vorzubereiten sowie im Rahmen des Spiels verschiedene Rollen einzunehmen und spontan auf die Ideen und Würfelergebnisse der Mitspielenden zu reagieren. Das erfordert so einiges! 

Da kein DM „vom Himmel fällt“, bietet die Einsteigerbox ausreichend Texte in den vorgefertigten Abenteuern, um sich nicht alles ausdenken zu müssen und Passagen einfach mal vorlesen zu können. Schritt für Schritt kann so der Einstieg gelingen. Aber dennoch bedarf es einer gehörigen Portion Mut und Kraft, die Rolle des DM zu übernehmen. Bevor man sich also für den Kauf dieser Box entscheidet, sollte man sich im Freundeskreis umhören, ob jemand hiermit bereits Erfahrung gesammelt hat oder sich das zutraut. Das Spiel steht und fällt nämlich mit dem DM, seinem Wohlwollen und seiner Kreativität, die anderen auch in schwierigen Situationen zum Ziel zu navigieren oder treffliche Vorschläge zu unterbreiten, wie es weiter gehen könnte. Findet sich kein DM, so kann man sich diese Box eigentlich sparen. Ein Problem, das viele vielleicht kennen.

Glücklicherweise fand sich für den Autor dieser Rezension aber ein sehr guter Freund, der die Rolle des Dungeon Masters gerne übernahm und damit das Spielen nach vielen Jahren ermöglichte. Die Soloabenteuer boten einen guten Start, um den eigenen Charakter kennenzulernen. Selbstverständlich darf man hier nicht viel Besonderes erwarten. Auch die Charaktere sind absolute Basic-Charaktere, die dann auch mit gewissen Stereotypen arbeiten. Flexibilität lassen sie dennoch zu: Wer statt Leomara Bärenherz einen männlichen Krieger spiele möchte, der kann den Namen schlicht in Leo oder, wie in den Regeln vorgeschlagen, in Leomar Bärenherz umwandeln. So einfach kann der Geschlechtertausch in der fiktiven Abenteuerwelt des Rollenspiels von „Das Schwarze Auge“ gehen!

Nachdem das Spielmaterial zur Seite gelegt worden ist und man sich mit den Charakterbögen im Rahmen der Soloabenteuer vertraut gemacht hat, kann es endlich losgehen. Das erste Abenteuer mit dem Titel „Die Räuber von Dunkeltann“ startet dann erneut sehr klassisch. Ihr werdet für eine hohe Summe angeheuert, eine Entführte zu befreien und tut euch allein wegen des Preisgelds zusammen, ohne euch vorher gekannt zu haben. Das Schöne an einem Rollenspiel ist es jedoch, dass das Abenteuer nicht nur dazu dient, die Siegprämie einzustreichen, sondern gemeinsame Lösungen zu finden, sich abzusprechen, wie es weitergehen soll, und natürlich Spaß zu haben. Wollt ihr eine diebische Elster mit einem Pfeil oder einem Armbrustbolzen vor dem Wegfliegen hindern oder findet sich eine andere – tierfreundlichere – Art, den Schmuck aus ihrem Schnabel zu erhalten?

Spätestens, nachdem ihr in eine dunkle, unbekannte Höhle eingetreten seid, müsst ihr eine folgenreichere Entscheidung treffen: Soll der Magier seinen Zauberstab als Beleuchtung nutzen und dafür Astralenergie verbrauchen? Wäre es besser, eure Öllampen anzuzünden, wodurch im Gegenzug das für acht Stunden anhaltende Öl reduziert wird – ohne zu wissen, wie lange ihr euch dort aufhalten werdet? Oder solltet ihr gar im Dunkel voranschreiten, um mögliche Ungeheuer oder Tier, die in der Höhe hausen, nicht sofort aufzuschrecken? Hat eigentlich jemand von euch Angst vor Ratten, Fledermäusen, oder Spinnen? Dann habt ihr hier die Möglichkeit, über euren Schatten zu springen …

Wer große Action oder Rätsel erwartet, der wird das erste Abenteuer sicher etwas ernüchternd finden. Zu bedenken ist jedoch, dass es das erste Abenteuer der Gruppe ist und man hier vor allem auch die eigenen Kampftechniken und das Würfelsystem kennenlernen soll – welches übrigens entgegen des berühmten „D&D“ genau anders herum funktioniert, womit der „Kritische Treffer“ eine 1 und keine 20 des zwanzig-seitigen Würfels ist! Weiter geht es dann in dem zweiten Abenteuer mit dem Titel „Der Turm im Nebelmoor“. Hier begegnet ihr einem Ork, der in dem ersten Abenteuer schon einen Gastauftritt gehabt hatte. Zu viel vorweggenommen werden soll hier jedoch nicht, da der Reiz des Spiel gerade in dem gemeinsamen Erkunden der Abenteuer liegt. Für den DM übrigens bieten die beiden Spielhefte immer wieder großflächige Bilder, die das für die Spielenden nicht zu Sehende einfacher beschreibbar macht. Die auszulegenden Spielpläne lassen die richtige Atmosphäre aufkommen. Wer hier noch kreativer werden möchte, kann natürlich die passende Ambiente-Playlist im Hintergrund ablaufen lassen oder sogar Titel, die vorab durch den DM – passend für die jeweilige Spielsituation – ausgewählt wurden.

Generell bietet die „Einsteigerbox“ für „DSA 5“ vieles, um den Spaß und die Neugier an einem Rollenspiel zu wecken. Klar geworden sein sollte jeder und jedem, dass es für ein gelungenes Rollenspiel ein gutes Miteinander der Spielenden bedarf und dass jedes Abenteuer mit der Interaktion der Spielenden steht und fällt. Wer immer nur auf den eigenen Vorteil aus ist, oder meint, alle Entscheidungen selbst treffen zu wollen, der muss sich nicht wundern, wenn der DM ihm irgendwann verkündet, dass er dem Angriff einer riesigen Spinne nicht gewachsen war und seine Lebenspunkte leider auf Null gesunken sind. Vielleicht sollte er es nach der Einnahme eines Heiltranks mit dem Team zusammen versuchen, anstatt mit dem Langschwert erneut alleine glänzen zu wollen. Obwohl die vier Charaktere aus der Einsteigerbox vorgefertigte Charakterbögen enthalten, man hierfür also keine Zeit aufwenden muss, sollte man Zeit mitbringen. Das erste Abenteuer in der Gruppe hat schon insgesamt circa sechs Stunden gedauert. Betrachtet man die gebotene Menge, fällt der Kaufpreis von 39,95 Euro recht preiswert aus. Allein die PDF-Versionen zu kaufen, fällt im Vergleich dagegen dann recht teuer aus. 

Fazit: „Das Geheimnis des Drachenritters – Einsteigerbox“ weckt definitiv das Interesse am deutschen Rollenspiel „Das schwarze Auge“. Die Abenteuer sind recht klassisch gehalten und nicht ganz frei von Klischees (zum Beispiel wenn es um die Rettung einer „gutaussehenden Edelfrau Anfang 20 mit schwarzen Haaren in schmutziger Reiterkleidung geht“). Dennoch machen die hier enthaltenen Abenteuer Spaß und sind eine gelungene Abwechslung vom Alltag. Wer Lust hat, etwas Fantasy im Mittelaltersetting zu erleben, kann hier kaum was falsch machen. Und wer einmal Blut geleckt hat, der wird sich wahrscheinlich immer wieder treffen wollen, um neue Abenteuer mit seinem alternativen Ich erleben zu dürfen …

Das Geheimnis des Drachenritters – Einsteigerbox (Das Schwarze Auge)
Einsteigerbox
Zoe Adamietz, Serina Hänichen, Nikolai Hoch, Johannes Kaub u. a.
Ulisses Spiele 2026
ISBN: 978-3-96331-113-0
281 S., Box mit diversen Inhalten, deutsch
Preis: 39,95 EUR

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