von Daniel Pabst
In „Daredevil & Punisher – Im Visier des Teufels“ treffen die Lesenden auf zwei sehr gegensätzliche (Anti-)Helden. Beide treten unter einem Künstlernamen auf. Der eine ist ein blinder Rechtsanwalt, der sich in einen knallroten Teufel verwandeln kann. Der andere ist ein Scharfschütze, der einen riesigen Totenkopfschädel auf der Brust trägt. Ihre Namen kennt ihr sicherlich schon längst. Sie lauten Daredevil und Punisher. Beide versuchen der Gerechtigkeit zu dienen. Doch ihre Ansichten könnten grundverschiedener nicht sein. Während der Punisher überzeugt davon ist, dass das Übel aus der Welt geschafft werden muss – notfalls auch mit der todbringenden Waffe –, möchte Daredevil die Verbrecher ihrer gerechten – irdischen – Strafe vor Gericht zuführen. Was aber, wenn sie selbst ins Fadenkreuz geraten? Lassen sich die hehren Ziele auch im Anblick des eigenen Todes verfolgen? Wird Daredevil seine Grundsätze über Bord werfen, um zu überleben?
Dieser Comic startet so actionreich, wie es das Titelcover von Kendrick „Kunkka“ Lim ankündigt. Auf der ersten Seite hängt Daredevil kopfüber und an den Füßen gefesselt in einer Lagerhalle. Und dies schon seit Stunden. Das Blut steigt unaufhörlich in seinen Schädel und macht ihm das Denken zunehmend schwer. Bevor die Leser und Leserinnen darüber aufgeklärt werden, wie er in diese Situation gekommen ist, gibt es eine Rückblende. Darin wird gezeigt, wie Daredevil – als Matt Murdock – in seinen Kanzleiräumen sitzt und eine Warnung erhält. Die Unterwelt befindet sich in Aufruhr. Matt Murdock soll vorsichtig sein, damit er nicht in die Schusslinie gerät. Doch dies hat er schon häufiger gehört und daher lässt er sich nicht aufhalten, einen Angeklagten vor einem anstehenden Gerichtsprozess zu besuchen. Als dieser kurz nach dem Prozessauftakt auf helllichter Straße erschossen wird, gerät auch der Rechtsanwalt in Sorge, dass diesmal alles anders kommen könnte als gewohnt.
Inmitten dieses blutigen Treiben tritt dann der Punisher auf, der – wie wir erfahren werden – nicht ganz unschuldig an dem plötzlichen Tod des Angeklagten war. Von der Devise angetrieben, dass blutige Mittel erlaubt sein sollten, um das (für ihn offensichtliche) „Böse“ aus der Welt zu schaffen, wird er selbst zu einem Verbrecher. Für ihn sind Gerichtsprozesse nur das unnötige Herauszögern einer Entscheidung. Im schlimmsten Fall würden sie dazu führen, dass die Verurteilten anschließend wieder zurück in die Gesellschaft kommen oder aus den „Maschen der Justiz“ fallen. Matt Murdock dagegen verabscheut ihn und seine gefährliche Ansicht. Er möchte daher noch Schlimmeres verhindern. So kommt es dann auch, dass sich Daredevil und der Punisher in einem entscheidenden Kampf gegenüberstehen, bei dem die Lesenden noch nicht ahnen können, wer am Ende als Sieger hervorgehen wird. Einzig eine noch größere Gefahr verbrüdert sie auf kurze Zeit. Gemeinsam könnten sie dieser Gefahr Herr werden. Unfreiwillig erfahren wir an der ein oder anderen Stelle, wie sie denken und was sie antreibt, um auf ihre eigene Art und Weise eine gerechtere Zukunft zu schaffen.
Neben all der puren Gewalt, die in diesem Actioncomic demonstriert wird, haben es die Autoren geschafft, zwei sehr gegensätzliche Ansichten vorzustellen. Auch wenn es selbstredend viel leichter fällt, sich den Argumenten von Daredevil anzuschließen und niemals die Gewalt als Hilfsmittel für die Gerechtigkeit anzuwenden sein sollte, so verdeutlicht dieser Comic durchaus die Probleme oder auch (Schönheits-)Fehler, die mit der praktischen Strafverfolgung einhergehen. Besonders deutlich wird dies an einer Variante des sogenannten „Trolley-Problem“, vor welches der Punisher Daredevil in einer Szene stellt. Der Punisher nämlich gibt Daredevil eine Pistole in die Hand und legt zeitgleich sein Gewehr an. Dann zwingt er ihn, entweder ihn mit der Pistole zu erschießen, oder aber der Punisher erschießt einen Verbrecher, den er ins Visier genommen hat. Wie wird sich Daredevil entscheiden? Zählen die beiden Leben auch in dieser „Notsituation“ für ihn weiterhin gleichviel? Ist er bereit zu töten, um ein anderes Leben zu erhalten?
Fazit: „Daredevil & Punisher – Im Visier des Teufels“ strotzt vor Energie und lauter Action. Doch von dem Cover und der vielen Gewalt sollte man sich nicht täuschen lassen. Unter der blutigen Fassade lässt einen dieser Comic begreifen, dass Gerichtsprozesse am Stärksten der Gerechtigkeit dienen und dass diese am Ende – trotz ihrer Fehleranfälligkeit – ein unabdingbarer Grundpfeiler des Rechtsstaats sind. Letztlich ist sogar ein wenig Raum für eine Romanze. Ende gut, alles gut!
Daredevil & Punisher – Im Visier des Teufels
Comic
Jimmy Palmiotti, Tommaso Bianchi, Gabriel Guzman u. a.
Panini Comics 2026
ISBN: ?978-3-7416-5035-2
120 S., Softcover, deutsch
Preis: 16,00 EUR
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