von Willi Hollendung
Vor zwei Wochen war der Asmodee-Händlertag. Es war ein großer Erfolg. Etliche Verlage sind gekommen und es gab gute Gelegenheiten zum Netzwerken. Zuerst erzählte Asmodee einiges über die neue Marketingausrichtung, darunter die neuen Logos, Farben, das „Inspired by Players“ Logo. Außerdem gab es Eindrücke von ihrem Boardgame Fest, das sie mit allen ca. 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Europa gefeiert haben. Hier wurde auch eine hervorragende Möglichkeit für Teambuilding geprüft. Hoffentlich greifen das auch andere Firmen auf.
Die Kampagne „Reprint on Demand“ wurde vorgestellt. Beispielsweise „Sword & Sorcery – Legenden aus der Tiefe“ war hier ein Erfolg. Mit Print-on-Demand hat Asmodee den Vorteil, nicht ins Blaue zu produzieren, sondern bekommt durch Vorbestellungen während eines festen Zeitraums eine Antwort auf die Frage: Braucht der Markt die x-Erweiterung des Spieles? Der Fachhandel kann dann auch Produkte bekommen, die so nicht in der Masse zu erhalten sind. Des Weiteren wurden neue Trading Card Games wie „Hellbrake“ und „K-Pop Deamon Hunters“ vorgestellt. Und zum Schluss standen die hauseigenen Rollenspiele „Arkham Horror“ (basierend auf dem „Arkham Horror Living Card Game“) und „Star Wars – Am Rande des Universums“ (ein Reprint von 2013) auf dem Programm.
Nun zu den einzelnen Brettspielen, die ich da kennengelernt habe, und die mir wirklich gut gefallen haben. Hier spiegle ich meine persönliche Meinung wieder. Und bekanntlich ist jeder Geschmack anders.

Als Erstes war da das Roll-and-Write namens „Circus of Conflict“. Es spielt in der Welt von „Der Herr der Ringe“. Man hat seine direkten Gegner links und rechts von sich sitzen und die Aufgabe, den Ringberg zu erreichen. Dies geschieht auf der eigenen Tafel im Geheimen. Unsere Gegner bekämpfen wir links mit guten und rechts mit bösen Armeen. Die Downtime ist minimal, da abwechselt gewürfelt wird und jeder die Würfel nutzen kann. Wenn man bestimmte Führer freigeschaltet hat, kommen weitere Würfel ins Spiel, die nur die nutzen dürfen, die diese Führer freigeschaltet haben. Die anderen ignorieren sie. Das Spiel hat hervorragende Kombo-Effekte, sodass man schöne Erfolgserlebnisse hat.

„Drachenelfen“ ist als weiterer „Adventure in a Box“-Titel ein Rollenspiel aufs Brett gebracht und basiert auf den Romanen von Bernhard Hennen. Es gibt einen Spielleiter wie beim Pen-&-Paper. Er wählt eins von mehreren Szenarien aus, bewegt die Nichtspielercharaktere und würfelt für Gegner. Alle Figuren und Hindernisse sind dann auf einem Spielbrett angeordnet. Ein leichter Einstieg für Personen, die sonst keine Berührung oder kein gutes Vorstellungsvermögen für reine Pen-&-Paper-Spiele haben.

Gemein und lustig wurde es dann bei „Takko vs. Burrito“. Dafür zeichnen die Macher von „Exploding Kittens“ verantwortlich. Das kann man sofort an den Karten und dem skurrilen Humor erkennen. Man hat eine Takko- oder Burritoscheibe, je nach persönlichem Geschmack. Da hinein werden Karten ablegt. Und wie es bei denen üblich ist, gibt es hier nicht nur Punktekarten, sondern auch Effektkarten wie beispielsweise den Klauraben, um Karten von einem Mitspieler zu klauen, den Müllpanda, der aus der Ablage Karten rauszieht, Negativkarten wie Magenschmerzen, die man gerne verschenkt, oder Abwehrkarten. Es ist einfach ein nettes, lustiges Absackerspielchen von ca. 10 Minuten.

„Minecart Town“ hat sehr einfache Regeln, sodass man schnell losspielen kann, aber eine sehr gute Spieltiefe. Man produziert Sachen und muss diese über ein Schienennetz entweder weiterveredeln oder ausliefern, um so Punkte zu machen. Mir gefallen strategische Spiele, die schnell erklärt sind, aber eine ordentliche Spieltiefe und Variationsbreite haben, dass man gerne wieder spielt.

Das Spiel, was mir am besten gefallen hat, heißt „Schadenfreude“. Der Name ist Programm. Hierbei handelt es sich um ein Kartenspiel, ein typisches Stichspiel ohne Trumpf. Derjenige, der eine Karte ausspielt, legt die Farbe fest, die gespielt werden muss. Der interessante Kniff bei diesem Spiel ist, dass derjenige den Stich kriegt, der die zweithöchste Karte gespielt hat. Aber nur diese Karte und alle Karten, die diese Farbe nicht bedienen konnten. Hat man diese Zahl schon vor sich liegen, verschwinden alle Karten dieser Zahl auf den Ablagestapel. Das Spiel endet, wenn einer die 40 Punkte-Marke überschritten und damit automatisch verloren hat (wie auch alle anderen, die ihn folgen). Der Spieler, der dann die meisten Punkte hat, gewinnt. Wirklich ein lustiges Spiel, das man gerne mal in 20 bis 30 Minuten spielen kann.

„Wuselige Wiesen“ vom Frostet Games war ebenfalls zum Testen da. Es ist zwar schon eine Weile auf dem Markt, aber ich habe es noch nicht gekannt und konnte es endlich austesten. Es ist ein schönes Kartenlegespiel, bei dem man verschiedene Boni kriegt. Verschiedene Aufgaben, von denen ein Set aus 3 zufällig gezogenen ausliegen, sorgen dafür, dass es auch nicht langweilig wird. Es macht Spaß und ich kann sehr empfehlen.
Das waren meine Eindrücke vom Asmodee-Händlertag 2026. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr.
